Bonner Münster

Finanzverwalter und Dekanat trennen sich

Das Münster wird derzeit saniert.

Das Münster wird derzeit saniert.

Bonn. Der Rendant Lothar Schneider und das Stadtdekanat trennen sich nach 20 Jahren. Ende März will das Erzbistum über die beabsichtigte Großfusion mit den Rendanturen Siegburg, Euskirchen und Rheinbach entscheiden.

Erneut gibt es eine Vakanz an der Spitze einer Institution der Katholischen Kirche in Bonn: Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Amt und wenige Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter ist Lothar Schneider nicht mehr Leiter der Rendantur Bonn. Er wurde am vergangenen Freitag verabschiedet.

Man habe sich „in beiderseitigem Einvernehmen“ getrennt, teilt das Erzbistum Köln auf die Frage nach den Gründen für die Trennung mit. Nach Informationen des General-Anzeigers sollen sich Schneider und sein bisheriger Arbeitgeber auf einen Auflösungsvertrag geeinigt haben. Demnach ist der bisherige Rendant mit sofortiger Wirkung freigestellt. Schneider, der nach GA-Informationen verreist ist, war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

„Kein Zusammenhang mit dem Finanzskandal am Münster“

Einig ist man sich in Kirchenkreisen in der Bewertung, dass die Vertragsauflösung nicht unmittelbar mit dem Finanzskandal am Bonner Münster zusammenhänge. Hätte es Hinweise auf Versäumnisse des Bonner Rendanten gegeben, so ist aus dem Erzbistum zu hören, so wären diese längst thematisiert worden.

Bekanntlich waren am Münster unter Ägide von Stadtdechant Wilfried Schumacher in unzulässiger Weise 3,5 Millionen Euro für laufende Ausgaben verbraucht worden. Das Erzbistum monierte dies und drängte Schumacher im Mai 2018 zum Ämterverzicht. Der frühere Stadtdechant übernahm die „funktionale Verantwortung“, erklärte aber zudem, er sei vom zuständigen Fachpersonal nicht ordnungsgemäß informiert worden.

Sitz der Rendantur ist das Collegium Albertinum

Ein Sachbearbeiter war von der Rendantur für die Belange der Münsterpfarre eigens in die Innenstadtgemeinde entsandt worden. Dienstvorgesetzter der Rendantur Bonn wiederum ist qua Amt der Stadtdechant. Die zentrale und hauptamtliche Bonner Rendantur als Finanz- und Vermögensverwaltung für damals über 40 Bonner Gemeinden war 1998 durch Lothar Schneider aufgebaut worden und hat seit 2004 ihren Sitz in den Räumen des Collegium Albertinum an der Adenauerallee. Träger ist der katholische Gemeindeverband Bonn. Nun wird sie bis auf Weiteres ebenso kommissarisch geleitet wie das Stadtdekanat und die Münsterpfarre, die überdies derzeit über keinen Kirchenvorstand verfügt.

Der Rendantur stehen gravierende Veränderungen ins Haus: Am 28. März will das Erzbistum abschließend über die beabsichtigte Großfusion mit den Rendanturen Siegburg, Euskirchen und Rheinbach entscheiden. Die Zahl der derzeit 13 Rendanturen im Erzbistum sinkt dann auf vier, welche somit an Bedeutung und Verantwortung gewinnen. So soll die Bonner Rendantur von derzeit rund 30 auf mehr als 100 Mitarbeiter wachsen. Der neue Rendant hat somit im Großen etwas vor sich, was Lothar Schneider vor 20 Jahren bereits bewältigt hat: die Neuordnung und Bündelung der kirchlichen Finanzverwaltung. Über die Nachfolge dürfte unter Mitwirkung des Erzbistums der neue Stadtdechant Wolfgang Picken entscheiden, der im März sein Amt antritt.