Eröffnung der neuen Leitstelle

Feuerwehrleute: Inbetriebnahme kommt zu früh

Am Dienstag geht die neue Leitstelle der Feuerwehr Bonn in Betrieb. Unser Foto zeigt Abteilungsleiter Carsten Schneider (links) und Projektleiter Marcus Hinz Ende Dezember in der Zentrale.

BONN. Seit Monaten arbeitet die Bonner Feuerwehr hinter den Kulissen fieberhaft auf diesen Tag hin: Am Dienstag soll die neue Rettungsleitstelle im Neubau auf dem Gelände der Wache I am Lievelingsweg ihren Betrieb aufnehmen. Doch offensichtlich halten Mitarbeiter die Inbetriebnahme für verfrüht.

Insider, die namentlich nicht genannt werden wollen, wandten sich mit massiver Kritik an der "Funktionsfähigkeit" der neuen Schaltzentrale an den General-Anzeiger. Amtsleiter Jochen Stein kann die Vorwürfe allerdings nicht nachvollziehen.

Dass die Bonner Feuerwehr die neue Zentrale dringend braucht, scheint indes unstrittig. Die alte Leitstelle galt mit ihren rund 100 Quadratmetern als zu eng und schlecht ausgestattet, zudem fehlen zusätzliche Kapazitäten bei Notfällen. Der neue, rund 300 Quadratmeter große Betriebsraum bietet reichlich Platz für die insgesamt rund 30 Disponenten. Zudem steht modernste Kommunikationstechnik zur Verfügung, um die jährlich rund 300.000 Telefonate, 100.000 Notrufe, 35.000 Notfalleinsätze und 30.000 Krankentransporte zu händeln.

Von daher sei die neue Leitstelle eine "Riesenverbesserung für die Qualität der Arbeit", findet Jochen Stein. Und: "Das ist die erste Verbundleitstelle in Nordrhein-Westfalen." Am Lievelingsweg könnten nämlich sowohl die Leitstelle des Rhein-Sieg-Kreises als auch die Bonner technisch an einem Standort abgebildet werden. "Da wir die gleichen Schnittstellen haben, klappt die Zusammenarbeit viel besser als bislang", versichert der Feuerwehrleiter. So könne man etwa in Bonn künftig bei einer Störung auch Notrufe aus dem Rhein-Sieg-Kreis entgegennehmen. Stein sieht sich auf einer Linie mit dem Gros seiner Mitarbeiter, die der Inbetriebnahme freudig entgegensehen würden, und sich dafür auch ehrenamtlich sehr engagiert hätten.

Dass in der Wache I Wegweisendes umgesetzt wird, stellen die Kritiker nicht in Abrede. Wohl aber den Zeitpunkt. Als Gründe nennen sie "erhebliche Probleme mit der Technik, der Software und der Datenpflege". In einer internen E-Mail der Amtsleitung vom vergangenen Freitag, die dem GA vorliegt, ist zudem die Rede davon, "dass die Alarmschreiben zunächst keine Anfahrtsbeschreibungen zu den Einsatzadressen enthalten" oder dass scharfe Alarme mit der Unteradresse "Probealarm" beziehungsweise "Einsatzabbruch" auftauchten.

Ein weiteres Problem aus Sicht der Beschwerdeführer ist "die Schulung der Leitstellenmitarbeiter in das neue System". Diese sei zu Gunsten der Datenpflege "vollkommen unzureichend erfolgt". Mithin befürchten die Kritiker "eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" und hätten eine Verschiebung der Inbetriebnahme für sinnvoller erachtet.

"Wenn ich nicht überzeugt davon bin, dass die Inbetriebnahme funktioniert und die öffentliche Sicherheit gewährleistet bleibt, hätte ich sie verschoben", hält Stein dagegen. Wie oft bei Großprojekten habe es bei der Technik Fehlerquellen gegeben, "die aber jetzt weitgehend ausgemerzt sind". Was die Datenpflege angehe, müsste man Geduld haben, weil etwa Routenplanungen bei Einsätzen noch händisch eingegeben werden müssten. "Das ist aber nichts, was für den Einsatzalltag entscheidend ist", versichert Stein.

Schließlich ermittele das "Navi" in den Einsatzfahrzeugen die Routen zur Einsatzstelle und zeige sie dem Fahrer sofort an. Und zur Schulung der Disponenten sagt Stein: "Das war jetzt der richtige Zeitpunkt, um in Betrieb zu gehen." Bange ist ihm auch deshalb nicht, weil auf die alte Leitstelle zurückgegriffen werden könne. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, soll diese bis morgen mitarbeiten.