Beethoven-Festspielhaus Bonn gescheitert

Festspielhaus: Post steigt aus Projekt aus

Bonn. Es wird kein Beethoven-Festspielhaus in Bonn geben. Der wichtigste Förderer, die Deutsche Post DHL Group, hat sich heute aus dem Projekt zurückgezogen. OB Jürgen Nimptsch bedauert den Schritt "außerordentlich". Was sagen Sie dazu? Diskutieren Sie mit!

Paukenschlag: Die Deutsche Post DHL Group hat sich aus dem Projekt Beethoven-Festspielhaus für Bonn zurückgezogen.

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender Deutsche Post DHL Group, begründete gegenüber dem General-Anzeiger den Ausstieg des Unternehmens:  "Leider ist der für ein Projekt dieser Größenordnung notwendige Schulterschluss vor allem in der Stadt ausgeblieben. Im Hinblick auf die verbleibende Zeit bis zum Jubiläum sehen wir daher leider keine realistische Chance mehr, das Festspielhaus zu realisieren." Das Projekt habe so keine Zukunft und sei auch für Sponsoren nicht hinreichend attraktiv."

Wie der Vorstandsvorsitzende weiter mitteilte, will das Unternehmen mit dem Beethoven-Haus und dem Beethovenfest nun andere Optionen sondieren, um die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag Beethovens vor Ort in Bonn und auch weltweit zu unterstützen.

"Als Unternehmen engagieren wir uns seit vielen Jahren bei Projekten und Institutionen, die sich dem Erbe Ludwig van Beethovens widmen", sagte Appel.

Stimmen zum Aus für das Bonner Festspielhaus"Die Initiative, entscheidende Impulse zur Errichtung eines Festspielhauses zu Ehren des weltweit berühmtesten Komponisten zu geben, stand in dieser Tradition", so Appel. Doch die Langfristigkeit des Projekts Beethoven-Festspielhaus verlange eine deutliche Willensbekundung - "heute und für die kommenden Jahrzehnte", so Appel. Diese Willensbekundung vermisse man bei der Stadt.

Stadt Bonn bedauert Rückzug der Post

Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch bedauert die Entscheidung der Post "außerordentlich". Er habe Appel zuletzt mit Schreiben vom 12. Mai 2015 darüber informiert, wie die Stadt Bonn als Partner in diesem Projekt ihre "Hausaufgaben" nach und nach erledige, teilte die Stadt Bonn in einer ersten Stellungnahme mit.

"Dazu gehörte der Erwerb des Grundstücks, die Vorbereitungen zum Abriss des dort stehenden Gebäudes, die Gestaltung und öffentliche Auslegung des Bebauungsplans und die Vorbereitung zur Gründung der Stiftung, die das Festspielhaus betreiben sollte. Letzteres war für den kommenden Donnerstag zur Entscheidung im Rat vorgesehen; mit einer deutlichen Mehrheit war zu rechnen", heißt es in der Mitteilung.

Chronik zum Bonner Festspielhaus"Einen 'eindeutigen Schulterschluss innerhalb der Stadt', wie ihn die Deutsche Post DHL vermisst", so Nimptsch, "gibt es bei solchen Projekten nie." Als Beispiele nennt Nimptsch die Fußgängerzone, die Rheinaue und auch den Post Tower. "Dennoch haben sich die Menschen am Ende damit angefreundet und möchten das damals Umstrittene heute nicht mehr missen."

Laut Nimptsch habe Bonn hat jetzt eine große Chance verpasst. "Und wir werden einige Zeit benötigen, um dies zu verdauen." Man wolle die Situation nun neu bewerten. "Wenn wir eines in Bonn können, dann ist es genau dies: Rückschläge haben uns noch nie entmutigt, sondern angespornt."

"Bürger für Beethoven" sprechen von "Riesenblamage"

Von einer "Riesen-Blamage für den Bonner Oberbürgermeister, seinen Kulturdezernenten und die Kommunalpolitik insgesamt" spricht derweil der Vorsitzende der Initiative "Bürger für Beethoven", Stephan Eisel. "Schon mit seinem einsamen Beschluss, das Projekt für fünf Jahren auf Eis zu legen, hat Oberbürgermeister Nimptsch fast das Ende eingeläutet."

Nur der massive Einsatz vieler Bürger habe einen Kurswechsel erzwungen. Die Deutsche Post habe das Projekt Beethoven-Festspielhaus mit großem Nachdruck, viel Geduld und auch erheblichen finanziellen Mitteln vorangetrieben.

Bonn gehen 39 Millionen Euro durch die Lappen

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, wie sich der Bund positionieren werde. Man müsse sich erst mit der Stadt Bonn abstimmen, hieß es dazu. Grütters hatte im Zusammenhang mit der Finanzierung des geplanten Festspielhauses in Bonn immer wieder darauf verwiesen, dass die Kulturhoheit "verfassungsmäßig bei den Ländern" liege und dass der Bund kulturelle Einrichtungen und Projekte "grundsätzlich allenfalls anteilige finanzieren darf". Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte im Nachtragshaushalt 2007 die besagten 39 Millionen Euro als Zuschuss an die "Stiftung Festspielhaus Beethoven" veranschlagt.

[kein Linktext vorhanden]Nach den Worten von SPD-Haushälter Johannes Kahrs gehen für das Festspielhaus zugesagten 39 Millionen Euro der Stadt Bonn verloren und an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zurück, sollte die Stadt Bonn dafür kein anderes kulturelles Projekt konkret benennen können. Dazu müsste der Bundestags-Haushaltsausschuss die Summe dann "umwidmen". Kahrs äußerte sich aber optimistisch, dies mit den Stimmen der Koalitionsparteien von Union und SPD zu erreichen.

Der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber brachte für eine solche Umwidmung die Modernisierung der Beethovenhalle ins Gespräch, um die 39 Millionen Euro in der Region zu halten. Allerdings müsste die Stadt Bonn laut SPD-Haushälter Kahrs dazu selbst ihren halben Anteil von weiteren 39 Millionen Euro aufbringen. 

Mehrere Architekten-Entwürfe standen zur Auswahl

In den vergangenen Jahren hatte es zwei Architektenauswahlverfahren für das Festspielhaus gegeben. Insgesamt fünf Entwürfe wurden dabei detailliert erarbeitet und bepreist. Ende Oktober hatte eine Jury Entwürfe von Valentiny, Chipperfield und kadawittfeld als die drei Finalisten des zweiten Architektenwettbewerbs gekürt. Entwürfe von Valentiny, Chipperfield und kadawittfeld.

"Unser besonderer Dank gilt den Architekten, Generalunternehmern, Fachplanern und Jurymitgliedern, die sich hochprofessionell des Projekts angenommen und hervorragende Arbeit geleistet haben", so Christof Ehrhart, Kommunikationschef bei der Deutschen Post.