Festspielhaus in Bonn

Festspielhaus-Akteure ermahnen das Land

BONN. In neun Tagen geht das umstrittene Festspielhaus-Projekt in die entscheidende Phase: Am 23. Februar soll der Businessplan, erstellt im Auftrag des Hauptbausponsors Deutsche Post DHL, in der Kulturkommission präsentiert werden.

Dieses Gremium aus Rats-politikern und Stadtspitze tagt grundsätzlich nicht öffentlich - anders als der Kulturausschuss, bei dem der Businessplan drei Tage später auf der Tagesordnung steht. Danach soll ein unabhängiger Gutachter das Zahlenwerk prüfen.

Die von der Post beauftragte Metrum Managementberatung legt im Businessplan dar, wie der Betrieb des Festspielhauses finanziert werden könnte. Ein erster Entwurf war im November durchgesickert und kontrovers diskutiert worden.

Das neue Papier ist Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat, der die baureife Übergabe des Baugrundstücks an der Beethovenhalle (4,4 Millionen Euro) und den Zuschuss an die Betreiberstiftung (10 Millionen Euro, gestreckt auf 20 Jahre) noch endgültig absegnen muss.

Ein lautes Echo bei den Festspielhaus-Initiativen löste die Forderung des Post-Vorstandsvorsitzenden Frank Appel aus, Bund und Land sollten sich stärker für das Projekt engagieren. "Die Situation ist für mich noch unklar", sagte er im GA-Interview. Der Konzern - der auch den Architektenwettbewerb bezahlt hat - könne nicht auf Dauer "den Löwenanteil der Verantwortung weitgehend alleine tragen".

"Er hat Recht", erklärte Monika Wulf-Mathies vom Verein Festspielhausfreunde. "Beethoven ist von regionaler, nationaler und internationaler Bedeutung. Da müssen alle an einem Strang ziehen, um das, was die Post so großzügig auf den Weg gebracht hat, endlich zu realisieren."

Dabei sei auch das Land in der Pflicht. Dass der Bund 39 Millionen Euro für die Stiftung in Aussicht stellt, müsse Düsseldorf "als Ansporn sehen", forderte Fritz Dreesen von der Beethoventaler-Genossenschaft. Für Stephan Eisel (Bürger für Beethoven) ist klar, dass das Land sich an der Betreiberstiftung beteiligen muss.

Und IHK-Präsident Wolfgang Grießl, der mit seinem Förderverein Geld für den privat zu finanzierenden Neubau sammelt, mahnte die Landesregierung: "Das Rheinland gehört meines Wissens zu NRW - mindestens genauso wie das Ruhrgebiet."

Das zuständige Kulturministerium in Düsseldorf wollte sich gestern nicht äußern und verwies auf seine bisherige Haltung. Die lautete eindeutig: Am Betrieb des Konzerthauses werde sich das Land nicht beteiligen. "Wir sind in Gesprächen", erklärte dagegen Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

"Ich bin sicher, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen." Das Festspielhaus sei wichtig für Bonn. "Dass es bei einem solchen Projekt auch manche Disharmonie in der Diskussion gibt, ist unvermeidlich", so Nimptsch. "Davon dürfen wir - und vor allem die Deutsche Post DHL, die das Projekt dankenswerter Weise so intensiv nach vorn bringt - uns nicht beirren lassen."

Für die Erschließung des Baugrundstücks seien beim Land Fördermittel beantragt. Die Stadt könne mit einer Förderquote von 70 Prozent der Kosten rechnen. Mit einer verbindlichen Zusage rechnet Nimptsch im Sommer.

Der bisherige Businessplan-Entwurf

In der Entwurfsfassung des Businessplans waren jährlich zwei Klassik-Festivals zusätzlich zum Beethovenfest vorgesehen. Eckdaten des Plans: 28 Angestellte, 182 Veranstaltungen, 175 000 Besucher und ein Defizit von rund zwei Millionen Euro bei Ausgaben von zehn Millionen Euro im Jahr.

Eine spätere Sponsorenzusage der Telekom (für fünf Jahre) soll dieses Defizit nun reduzieren. Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner äußerte im November Zweifel an den erhofften Besucherzahlen. Auch um die im Businessplanentwurf kalkulierten Erträge aus dem Stiftungskapital gab es Debatten: Sie waren mit drei Prozent ab 2020 sehr optimistisch eingeplant.