"Freiheit.Demokratie.Feiern.Bonn"

Fest auf dem Bonner Marktplatz feiert die Demokratie

Bonn. Tausende Besucher feierten am Samstag auf dem Bonner Marktplatz das Demokratie-Fest. Zahlreiche Pavillons behandelten das Thema auf unterschiedliche Weise, beim Zelt des GA drehte sich alles um die Pressefreiheit.

Der Übergang von staatstragend zu postmodern verlief fließend: Gerade erst hatte das Prima-Streichquartett die letzten Töne der deutschen Nationalhymne gespielt, schon stimmten die Musiker „Perfect“ von Ed Sheeran an. Diese musikalische Mischung ließ auch Oberbürgermeister Ashok Sridharan schmunzeln. „Phänomenal“, rief er von der Bühne vor dem Alten Rathaus und meinte damit nicht nur die Musik. Bereits am Vormittag waren hunderte Besucher in die City gekommen, um beim Demokratiefest an das 70-jährige Bestehen des Grundgesetzes zu erinnern. „Das ist wirklich gelebte Demokratie. Ich bin stolz, dass so viele Bonner mit uns das Grundgesetz feiern.“

Gemeinsam mit dem früheren Bundespräsident Christian Wulff sowie dem stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten Joachim Stamp eröffnete Sridharan das Fest. Unter dem Motto „Freiheit.Demokratie.Feiern.Bonn“ gab es jede Menge Informationen, Diskussionsrunden, Themeninseln sowie Mitmachaktionen. Vor dem Rathaus hatten Markthändler und Gastronomen trotz des enormen Besucherandrangs ihre Stände wie gewohnt aufgebaut. „Auch das gehört zu Bonn. Wir feiern unsere Demokratie so, wie wir hier leben“, betonte der Oberbürgermeister. „Nicht mit einem externen Caterer, sondern mit unseren Händlern.“

Ein Glücksfall war aus Sicht der Stadt, dass das Jazzfest an diesem Tag erstmals ein Open-Air-Konzert auf dem Markt veranstaltet. Denn das inzwischen international bekannte Festival feiert ebenfalls Geburtstag: zum zehnten Mal gastierten Weltklasse-Künstler und nationale Stars in Doppelkonzerten mit jungen Nachwuchsmusikern und regionalen Jazz-Größen in der Stadt.

An die Verkündung des Grundgesetztes vor 70 Jahren kann allerdings nicht erinnert werden, ohne nicht auch die Schrecken des Weltkrieges anzusprechen. „Unser Land fand nach Krieg, Wiederaufbau und wirtschaftlichem Aufschwung den Weg zurück in die Weltgemeinschaft. Unsere Stadt war fünf Jahrzehnte eine gute Gastgeberin für Parlament und Regierung. Als Bundeshauptstadt hat Bonn die Entwicklung der Bundesrepublik maßgeblich beeinflusst“, sagte der OB unter dem lauten Applaus der Besucher auf dem Markplatz.

Pressefreiheit ein Grundpfeiler des Grundgesetzes

„Das Grundgesetz hat uns eine stabile Demokratie gebracht, für deren Werte wir immer wieder neu einstehen und die wir mit allen Mitteln gegen Populisten verteidigen müssen. Denn sie wollen unsere Gesellschaftsform kaputt machen“, warnte Joachim Stamp auf. Dass Demokratie kein Selbstläufer ist, daran erinnerte Christian Wulff. „Es kommt auf jeden von uns an. Jeder einzelne muss sich engagieren und mitarbeiten. Nur so können wir Demokratie bewahren.“

Ein Grundpfeiler des Grundgesetzes ist die Pressefreiheit. Wie frei ist die Presse und was dürfen Journalisten in Zeiten der Datenschutzgrundverordnung? Antworten auf diese und weitere Fragen gaben Volontäre, Auszubildende und Redakteure des General-Anzeigers im Presse-Pavillon. Bei einem Quiz konnten die Besucher entscheiden, welche Bilder veröffentlicht werden dürfen und wo in die Persönlichkeitsrechte eingegriffen wird. Anhand einer Weltkarte informierten die Volontäre außerdem, in welchem Land die Pressefreiheit bedroht ist. „Viele waren sehr erstaunt, dass es derzeit in Amerika große Einschränkungen gibt“, erklärte Dennis Sennekamp.

Noch vor der offiziellen Eröffnung des Festes gab es eine Gesprächsrunde mit dem ehemaligen Botschafter Frank Elbe, der kurzfristig für den erkrankten Norbert Blüm gekommen war. „Manchmal vermisse ich den Stolz auf unser Grundgesetz“, sagte er. „Wir sollten öfter zum Ausdruck bringen, dass wir etwas Wunderbares auf den Weg gebracht haben“, forderte der Bonner Jurist, der viele Jahre Bürochef von Hans-Dietrich Genscher und Leiter des Planungsstabes des Auswärtigen Amtes war.