Premiere des 9. Bonner Weihnachtscircus'

Fernsehpfarrer als Komiker

BONN. Ein Schluckspecht auf schwankender Laterne, ein Quintett durchtrainierter Nikoläuse in atemberaubend choreographierter Luftakrobatik und ein schwindelfreier Terrier unter der Zirkuskuppel: Produzent Manuel Fischer hat bei seiner Einkaufstour auf den internationalen Zirkusfestivals wieder ordentlich zugeschlagen.

So feiert der 9. Bonner Weihnachtscircus an der Beethovenhalle am Freitagabend mit einem mehr als zweistündigen Programm im ausverkauften Chapiteau seine minutenlang umjubelte Premiere. Dabei lassen die rund 1000 Zuschauer aller Altersklassen sich nicht von den wütenden Protestrufen der "Tierbefreier" die Laune verderben, die vor Beginn der Vorstellung mit etwa 15 Personen vor dem Eingang gegen jeglichen Auftritt von Tieren protestieren.

Die unvergessenen Dressuren, die noch vor zehn Jahren ein Gerd Simoneit-Barum, ein Franz Althoff, Bodo Hölscher in seinem Zirkus Fliegenpilz oder der Münchener Circus Krone präsentierten, sind ohnehin längst Vergangenheit. Zur vernehmlichen Freude vor allem der Kinder traben in Bonn noch ein paar Ponys und drei Lamas in einer vorsichtigen Freiheitsdressur durch die Manege und es gibt eine exotisch aufgepimpte Pas-de-deux-Nummer mit dem Duo Stipka.

Spektakulär ist in diesem Segment der ebenso unterhaltsame wie eindrucksvolle Auftritt von Terrier Schon mit seinem Manegenpartner Rustam aus Kiew. Erst balgen sich die beiden am Boden um ein Stück Tau. Dann geht der Hund auf den Schultern seines Herrchens an elastischen Strapaten in die Luft. Gemeinsam drehen sie Rollen und wirken dabei wie ein Herz und eine Seele.

Den restlichen Abend wird viel verrenkt, verdreht, jongliert und verbogen. Manches ist klassisches Zirkus-Repertoire. Vieles hat man in Bonn so noch nicht gesehen. Nur eine Live-Kapelle fehlt zur perfekten Show. Zu sphärischen Klängen stemmen zwei starke Männer packende Handstand-Akrobatik. Francisco Rojas kullert mit bewundernswerter Körperspannung in seinen beleuchteten Reifen geklemmt durch die Manege. Einen urkomischen Kampf mit der Schwerkraft vollführt Noah Chorny in der Rolle eines angetrunkenen Haustechnikers an einer biegsamen sechs Meter hohen Laterne.

Erheiternd sind auch die zumeist wortlosen Reprisen von Andrey Jigalow. Unterstützt wird der Moskauer Clown am Premierenabend nicht nur von seiner Partnerin Diva Zarina und dem bewusst humorlosen Berliner Fred Schmidt. Auch Schauspieler Simon Böer, der in der ZDF-Vorabendserie "Herzensbrecher" einen Pfarrer in Bonn spielt, half nicht nur beim Zirkusgottesdienst am Freitagmorgen aus. Der erklärte Zirkusfan gibt überzeugend auch den ernsten Part in Jigalows Bonbon-Reprise. "Oh Mann, ich hab so die Hose voll - das ist live ganz anders als Fernsehen", gesteht Böer noch Minuten vorher in der Pause. Den fulminanten Schlusspunkt setzen die durchtrainierten "Flying Jumpers" mit sensationeller Luftakrobatik.

Ob 2016 eine zehnte Bonner Weihnachtsproduktion möglich sein wird, steht in den Sternen. Derzeit wolle die Stadt keine Zusage für den Platz vor der Beethovenhalle erteilen, berichtet Zirkussprecher Thomas Lenz. Es sei unklar, ob die Sanierung der Beethovenhalle im Dezember nächsten Jahres bereits angelaufen sei. Einen anderen Platz in städtischem Besitz gebe es in Bonn nicht. "Bei dem Vorlauf einer solchen Produktion brauchen wir aber sehr früh im Jahr Planungssicherheit", so Lenz.