Kommentar zu den Hassmails in Bonn, Köln und Düsseldorf

Fassungslos

Interview mit OB Sridharan im Stadthaus.

OB Sridharan im Stadthaus.

Bonn. Eigentlich ist es kaum vorstellbar: Da schließen sich drei Städte zusammen und setzen sich in einem offenen Brief an die Kanzlerin für eine weitere Flüchtlingsaufnahme und gegen einen Stopp der Seenotrettung im Mittelmeer ein - und ihnen schlagen dafür Hass, ja Morddrohungen entgegen.

Wegen des Eintretens für die Rettung von Menschenleben, für einen humanitären Appell. Natürlich gab es in Bonn, Köln und Düsseldorf auch positive Reaktionen und Hilfsangebote. Aber es ist der Hass, der fassungslos macht.

Man kann und muss über die Flüchtlingspolitik diskutieren. Über die Rolle der Seenotretter. Darüber, wie Integration gelingen kann. Es gibt viele Fragen, die sich stellen. Aber das muss sachlich geschehen und nicht polemisch. Und schon gar nicht diffamierend.

Die Diskussion zeigt, wie gespalten Deutschland bei dem Thema inzwischen ist. Und wie sehr wohl auch der in der Union erbittert geführte Asylstreit der vergangenen Wochen seine Spuren hinterlassen hat. Wenn in der öffentlichen Debatte von "Asyltourismus" die Rede ist, scheuen sich anscheinend viele Menschen nicht mehr, ihre Parolen aufzuschreiben und abzuschicken.

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat nach der Diskussion um seinen "Vogelschiss"-Vergleich in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, "dass wir in der Tat versuchen, die Grenzen des Sagbaren auszuweiten". Die AfD hat viel zu einer sprachlichen Verrohung beigetragen.

Es ist an uns allen, dieser Verrohung entgegenzuwirken. Und die emotionale Debatte wieder zu versachlichen.