Evakuierung, Staubwolke, Zuschauer

14 Fakten zur Sprengung des Bonn-Centers

Abriss-Arbeiten des Bonn-Centers.

Abriss-Arbeiten des Bonn-Centers.

BONN. Warten auf den großen Knall: Im März soll das Bonn-Center gesprengt werden. Es ist nicht die erste Sprengung in Bonn. ga-bonn.de mit den 14 wichtigesten Fakten.

Der dritte Adventssonntag 2003 begann für viele Menschen in der Region mit einem lauten Knall. Mit einem derart lauten, dass die wartenden Teilnehmer des Siebengebirgsmarathons im fernen Aegidienberg kurzzeitig dachten, es habe sich um den Startschuss gehandelt.

Um 11 Uhr erhielt die These vom "Ende der Volksparteien" ausgerechnet in der früheren Bundeshauptstadt ein plakatives Symbolfoto: Mit der Sprengung sackte die ehemalige Bundeszentrale der CDU an der B 9 in sich zusammen.

Binnen weniger Augenblicke verschwand 2003 die Bonner CDU-Zentrale von der politischen Bühne.

Binnen weniger Augenblicke verschwand 2003 die Bonner CDU-Zentrale von der politischen Bühne.

 

Seit wenigen Tagen ist klar: Ganz in der Nähe steht 14 Jahre danach die nächste Sprengung eines exponierten Bonner Gebäudes an. Am 19. März soll es mit dem Bonn-Center gegenüber dem früheren Bundeskanzleramt einem anderen Relikt der frühen Bundesrepublik an den Kragen gehen. Hier sind die wichtigsten Fakten:

1 Sprengung statt Abriss

"Wir haben sowohl einen schrittweisen Rückbau als auch eine Sprengung in Bezug auf Sicherheit, Kosten, Zeit sowie Staub- und Lärmbeeinträchtigungen geprüft", erklärt Projektleiter Thomas Leise vom Kölner Projektentwickler und Eigentümer Art-Invest Real Estate. Letztendlich hätten die geringeren Beeinträchtigungen für die Anwohner durch eine Sprengung den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.

2 Evakuierung

Nach dem derzeitigen Stand wird es einen Gefahrenbereich mit einem Radius von 100 Metern geben, in dem sich während der Sprengung niemand aufhalten darf - auch nicht in Häusern. Zudem gilt als Gefahrenbereich ein 200-Meter-Radius, in dem ein Aufenthalt nur in Gebäuden bei geschlossenen Fenstern möglich ist. Die Anlieger müssen für etwa zwei bis drei Stunden ihr Haus beziehungsweise ihre Wohnung verlassen. Das wird wahrscheinlich zwischen 9 und 12 Uhr sein. "Für diese Zeit bieten wir den betroffenen Personen eine Aufenthaltsmöglichkeit an", teilt Art-Invest mit. Anlieger wurden schon per Brief und bei einem Treffen informiert, erhalten später aber noch mehr Details.

3 Autos und Bahn

Straßen im Gefahrenbereich (auch die B 9) und die Bahnstrecke werden während der Sprengung für den Verkehr gesperrt. Das genaue Zeitfenster wird zusammen mit der Polizei noch festgelegt.

4 Sprenggenehmigung

Die kommt am Ende von den Bürgerdiensten - wenn keine weiteren Einwände gegen das Vorhaben bestehen und alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt sind. Parallel läuft beim Bauordnungsamt das beantragte Abbruchverfahren mittels Sprengabbruch, so Stefanie Zießnitz vom Presseamt der Stadt. Auch da sei grünes Licht erforderlich. Art-Invest rechnet mit der Genehmigung im Februar.

5 Das Sprengverfahren

"Wir arbeiten eng mit dem Unternehmen AWR Abbruch zusammen. Deren Sprengmeister und Experten haben jahrelange Erfahrung mit kontrollierten Sprengungen", teilt Art-Invest mit. Das Unternehmen hat etwa 2014 den AfE-Turm in Frankfurt am Main gesprengt. Der war mit knapp 120 Meter doppelt so hoch und näher an Wohngebäuden als das Bonn-Center.

Thomas Leise: "Die Sprengmethode ist mit der des Bonn Centers zu vergleichen." In der Mainmetropole wurden 950 Kilogramm Sprengstoff verlegt, der in 1400 Bohrlöcher gefüllt wurde. Zuerst wurde das Betonskelett um den Gebäudekern zu Fall gebracht, danach der Gebäudekern durch zwei Sprengungen im 5. und 17. Stockwerk getrennt. Das genaue Verfahren in Bonn wird demnächst bekanntgegeben.

 

6 Die Uhrzeit

Die Sprengung ist für 11 Uhr geplant. Um den Berufsverkehr und von der Evakuierung betroffene Unternehmen nicht zu stören, fiel die Wahl auf einen Sonntag. Da fährt dann auch die Bahn am seltensten.

7 Sicherheitsvorkehrungen

Sie werden abgestimmt in enger Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen der Stadt inklusive Feuerwehr, Polizei und Bauherr. Die Anwohner und restlichen Bonner werden rechtzeitig über alles informiert.

8 Feuerwehr und Rettungsdienst

Die Abstimmungen laufen noch. Es geht laut Stadt auch um die Unterstützung des Ordnungsamts bei Räumung und Absperrung sowie die Bereitstellung von unbemannten Wasserwerfern, die eine halbkreisgroße Wasserwand erzeugen.

9 Staubwolke

Die Abrissfirma versucht, die Staubwolke mit einschränkenden Maßnahmen - etwa dem Wasserring - so gering wie möglich zu halten. Die Richtung der Wolke hängt vom Wind ab. Doch auch in Frankfurt, wo 25 000 Liter Wasser aus Tanks versprüht wurden, hatte es noch mächtig gestaubt. "Selbstverständlich wird im Anschluss dafür Sorge getragen, dass öffentliche Flächen und auch die Bahngleise wieder gereinigt werden", so Art-Invest. "Hierfür stehen direkt im Anschluss an die Sprengung mehrere Kehrmaschinen bereit."

Eines haben alle Sprengungen gemeinsam: Sie wirbeln mächtig Staub auf.

Eines haben alle Sprengungen gemeinsam: Sie wirbeln mächtig Staub auf.

 

10 Zuschauer

Es soll für sie eigene Bereiche geben. Details folgen laut Stadt noch. Schon jetzt wird gebeten, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, da rund ums Bonn-Center nicht genügend Parkplätze zur Verfügung stehen.

11 Der Schutt

Im Vergleich zu einem schrittweisen Rückbau hat die kontrollierte Sprengung keinen Zeit- und Kostenvorteil. Die Schuttbeseitigung dauert rund drei bis vier Monate.

12 So geht es weiter

Baubeginn ist wohl Anfang 2018. Es entsteht wieder ein Hochhaus, zu dem kleinere Riegel gehören. Das neue Stadtquartier soll im Jahr 2020 fertiggestellt werden und umfasst rund 70.000 Quadratmeter Nutzfläche.

13 Hoch hinaus

Bezüglich der Hochhaushöhe ist nach Angaben des Investors aus Köln noch keine Entscheidung gefallen. So können es zwischen 60 und 101,5 Meter werden. Entscheidend sie da die wirtschaftliche Nachfrage.

14 Spektakuläre Sprengungen

Dass markante Bürohäuser, Industrieanlagen, Türme oder Schornsteine gesprengt werden, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Zugleich locken sie zumeist viele Schaulustige an - vor allem, wenn sie bei gutem Wetter stattfinden. So wurde die Sprengung des als Kaiserbau bekannten, leer stehenden Hochhauskomplexes nahe der A 59 bei Troisdorf am Muttertag 2001 zu einem wahren Volksfest. Vielen Bonnern dürfte auch noch die Sprengung der Silos der ehemaligen Oberkasseler Zementfabrik im Sommer 1990 in Erinnerung sein.

 

Für Aufsehen sorgten auch die kontrollierten Explosionen des Langen Oskars in Hagen (2004), der Volkswohlbundzentrale in Dortmund (2008), von Karstadt und Turmhotel in Solingen (2011) und des Frankfurter Uniturms (2014).

 

Vorfreude auf eine Veranstaltung dieser Art dürfen noch die Kölner hegen: Mitte 2018 soll am Raderberggürtel das Hochhaus gesprengt werden, das früher der Deutschen Welle als Zentrale diente. Die Sprengung des 138 Meter hohen Gebäudes in Köln könnte zudem ein Weltrekord werden: Ein höheres Bauwerk ist bislang nicht gesprengt worden, Spitzenreiter ist derzeit das 1998 zerstörte J. L. Hudson