Saatgutfestival in der Ermekeilkaserne

Für die „Kleine Rheinländerin“ wird es höchste Zeit

Beim Saatgutfestival auf dem Gelände der Ermekeilkaserne
kommen die Besucher ins Gespräch.

Beim Saatgutfestival auf dem Gelände der Ermekeilkaserne kommen die Besucher ins Gespräch.

BONN. Hobbygärtner und Freizeitlandwirte aus Bonn und der Region hatten am Samstag in der Ermekeilkaserne die Gelegenheit, sich beim Saatgutfestival über alte Pflanzensorten zu informieren.

Für die „Kleine Rheinländerin“ wird es höchste Zeit. „Die muss jetzt in die Erde“, erklärt Heinrich Rutz, der seit Jahrzehnten einen Schrebergarten in Bonn bewirtschaftet, seinem Nachbarn. „Das ist eine Erbse mit sehr viel Geschmack. Probieren Sie mal“, fordert er den jungen Mann neben ihm auf.

„Ich würde viel lieber Maiwirsing ernten“, antwortet dieser und schaut sich die verschiedenen Tütchen an. Doch das wird in diesem Jahr wohl nichts. „Denn den hätte man im August säen müssen“, antwortet der erfahrene Gemüseanbauer. „Jetzt können Sie nur noch den Wirsing 2017 planen.“

Hobbygärtner und Freizeitlandwirte aus Bonn und der Region waren am Samstag zum Saatgutfestival auf das Gelände der Ermekeilkaserne gekommen. „Saatgut ist Kulturgut“ lautete das Motto an diesem Tag. Die Veranstaltung war gemeinsam vom Bonner Slow-Food-Convivium, dem Verein zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt, der Initiative Bonn im Wandel sowie dem Ermekeilgarten organisiert worden. Auch diesmal drehte sich alles um traditionelle und oft vergessene Gemüse- und Zierpflanzensorten sowie Wildarten.

Dabei gibt es viele gute Gründe, samenfeste Sorten und keine Hybride im Boden auszubringen. „Die alten, fast vergessenen Sorten haben einen wirklich einmaligen Geschmack“, argumentiert Susanne Gura vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Zudem würde man ein Stück eigene Kultur sowie „einen ganz besonderen Schatz“ für die Nachwelt erhalten sowie eine einzigartige Vielfalt bewahren.

So wie die „Berner Rose“. „Das ist eine Tomate, die eigentlich unscheinbar ist und sich kaum lagern lässt. „Aber sie hat eine zarte Rosafärbung, ist fruchtig und sehr geschmacksintensiv“, erklärt Susanne Gura. Auch die „Bonner Beste“ sei eine alte Tomatensorte, die in letzter Zeit immer mehr Anhänger gefunden habe. Wie die „Blaue Anneliese“, eine fast vergessene Kartoffel, die außen lila und innen blau ist – „und einen sehr intensiven Geschmack hat“, beschreibt Susanne Gura.

Und wie gut Produkte, die aus traditionellen Sorten hergestellt wurden, schmecken, das konnten die Besucher gleich vor Ort probieren. Denn es gab Apfelsaft aus regionalen Sorten sowie Flammkuchen aus ökologischen Zutaten. Abgerundet wurde das Programm durch verschiedene Vorträge, die sich mit der Vielfalt auf Teller und in Gärten sowie der erfolgreichen Kultivierung unterschiedlicher Tomatensorten beschäftigten. In einem weiteren Referat ging es beispielsweise um die „Unkrautbekämpfung mit Messer und Gabel“.

Kaum war das Festival beendet, war Muskelkraft auf dem Kasernengelände gefragt. Denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird einen großen Teil der Fläche als Parkplatz nutzen. Dazu gehört auch das Areal, wo die hölzernen Gemüsebeete im Rahmen von „Urban Gardening“ stehen. Die müssen jetzt auf kleinere Wiesen innerhalb des Areals umziehen. „Aber dort gibt es nicht genug Sonne“, beklagte sich ein Hobbygärtner.