Universität Bonn

Exzellenz-Auszeichnung bedeutet hervorstechen

Bonn. Die Bonner Universität ist seit Freitag offiziell Exzellenz-Universität. Von dem neuen Titel versprechen sich Forscher, Studenten und Wirtschaft viel. Doch es gibt noch viele Baustellen.

Die Exzellenz riecht an diesem schwülen Freitagmittag ein bisschen muffig. Im Erdgeschoss des mathematischen Instituts der Uni Bonn sind die Wände in schlichtem Weiß gehalten, die automatische Tür ist kaum zugefallen, da wird sie für den nächsten Studenten schon wieder geöffnet. Ein Stockwerk höher, im Foyer, sieht es wesentlich prunkvoller aus: Marmorsäulen und Gedenktafeln zieren den Eingang.

Im Altbau an der Endenicher Allee, der früher die Landwirtschaftskammer beherbergte, studieren die Mathematiker. Dort hat auch Fields-Medaillen-Gewinner Peter Scholze sein Büro. „Man trifft ihn oft auf dem Gang und in der Mensa“, erzählt Master-Student Aleksander (21). Wie ist es, so einen Wissenschafts-Superstar am Institut zu haben? Kurz und knapp: „Besonders.“ Aleksanders zwei Kommilitonen im Seminarraum, der kaum größer als ein Durchschnitts-Wohnzimmer ist, nicken.

Alle drei kommen von anderen Universitäten: Sid (22) aus dem niederländischen Leiden, Jona (24) aus Innsbruck und Aleksander aus Essen. Alle drei hat der „hervorragende Ruf“ nach Bonn gelockt. „Europaweit gehören die Bonner zu den besten. Da wünscht man sich, später einen Job an der Uni zu bekommen“, sagt Sid. Vielleicht sogar an der Seite von Scholze zu forschen. Wie beliebt der ist, lässt sich anhand eines weißen Umschlags erklären. In seinem Sekretariat im vierten Obergeschoss gibt es seit der Verleihung signierte Autogrammkarten, weil immer wieder danach gefragt wird.

Einer, der ebenso bekannt ist wie Scholze, ist Philosoph Markus Gabriel, der den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie innehat. Gleichzeitig ist er Bestsellerautor, was im wissenschaftlichen Umfeld nicht üblich ist. „In Bonn hat man als Professor Freiräume und wird nicht nur in irgendwelchen Gremien verheizt“, sagt Gabriel. Für ihn ist Exzellenz, frei aus dem lateinischen übersetzt, ein Hervorstechen. „Bei uns ist das der radikal-innovative Geist.“ Verglichen mit den amerikanischen oder britischen Elite-Unis könne man zwar noch nicht mithalten, man sei aber auf dem besten Wege. „Auch in Bonn gibt es unzählige Veranstaltungen mit Spitzenforschern, wovon natürlich auch die Studierenden profitieren.“

Vorteile für die ganze Uni

Auch wenn die Exzellenz mit den sechs verschiedenen Exzellenzclustern schon vorhanden sei, bringe der Titel für die ganze Uni Vorteile. „Das sorgt für Strahlkraft.“ Wissenschaftler würden danach bewerten, wie gut ihre Disziplin an einer Hochschule aufgestellt ist, aber auch wie es um andere Fächer steht. „Und da sieht es in Bonn in sehr vielen Fächern sehr gut aus.“ Gabriel erlebt diesen Wettbewerb der Universitäten derzeit selbst: Sowohl Bonn als auch Heidelberg sind an ihm interessiert. Schaut man aus dem Fenstern im Café im Uni-Hautgebäude, ist von Exzellenz wenig zu sehen. Wer sich einen Kaffee für 1,80 Euro bestellt, einen Pulli im Fan-Shop der Uni gekauft und sich an einen der Tische gesetzt hat, schaut auf Bauarbeiter. Sie fahren schwere Maschinen hin und her, ein drei Meter hoher Zaun versperrt den Blick auf den Hofgarten.

„Viele Gebäude sind in einem schlechten Zustand“, sagt Lena Engel, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) – obwohl es wie am Campus Poppelsdorf auch moderne Neubauten gibt. Die Kritik der Studenten ist seit Jahren dieselbe: Die Uni sei nicht ausfinanziert. „Das merkt man auch daran, dass viele Mitarbeiter nur befristete Arbeitsverträge bekommen. Attraktiv ist das nicht.“ Für die Lehramtsstudentin ist nun eine der wichtigsten Fragen, wie sich der neue Titel auf die Lehre auswirkt und wie die Fördergelder investiert werden.

Um Geld geht es auch bei der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg. „Der Wissenstransfer aus der Universität in unsere Unternehmen sorgt für die Zukunftsfähigkeit der Region“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille. Vom Exzellenztitel verspricht er sich deshalb viel.