Kritik an BIG

Expertin vermisst Distanz zu Salafisten

BONN. Die klare Distanzierung von ultrakonservativen Muslimen, vor allem salafistischen Kräften, vermisst Islamismus-Expertin Claudia Dantschke von der Berliner Gesellschaft Demokratische Kultur beim Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG) und dem Rat der Muslime, wie sie vor kurzem bei einer Veranstaltung im Stadthaus zum Thema Salfafismus sagte.

Dantschke hält BIG vor, vor der ersten Kommunalwahl 2009 in Bonn gar mit Fatwas, islamische Rechtsgutachten von salafistischen Predigern in Bonn "hausieren gegangen zu sein - sozusagen als Legitimation für die Teilnahme an demokratischen Wahlen". Damit seien die Prediger in ihrer Autorität bestätigt und gestärkt worden.

"Das stimmt nicht", bestreitet Haluk Yildiz, Chef der BIG-Partei, energisch. "Es war vielmehr so, dass uns einige Leute in den Moscheen gefragt haben, ob Wahlen mit dem Islam vereinbar sind. Da wir aber keine theologischen Urteile abgeben, haben wir ihnen gesagt, das Thema Wahlen mit Imamen zu klären." Warum sich BIG bislang nicht öffentlich zum Salafismus geäußert hat und auch nach den gewalttätigen Ausschreitungen am 5. Mai in Lannesdorf keine Aufarbeitung angegangen ist, erklärt Yildiz so: "Wir wollten uns erst intern mit der Begrifflichkeit und dem Thema auseinandersetzen.

Wir werden aber bald eine öffentliche Veranstaltung durchführen." Zugleich sagte Yildiz, "dass 99 Prozent der sogenannten Salafisten nicht gewalttätig sind. Es wäre gut, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen, statt sie zu stigmatisieren". So unbekannt kann der Salafismus dem BIG nicht sein. Mit Moussa Acharki hat BIG im Bundesvorstand und im Integrationsrat ein Mitglied, das in seiner Godesberger Al-Ansar-Moschee einen bekennende Salafisten wie Abu Jamal alias Mohamed Benshain seit Jahren predigen und referieren lässt, wie zuletzt am Tag der offenen Moschee.

Die vom Verfassungsschutz als salafistisch eingestufte Al-Muhsinin-Moschee ist Mitglied im Rat der Muslime, dessen "Dialogbeauftragter" Yildiz ist.