Ehemaliges Bonner Schlachthofgelände

Ex-Rheinkultur-Chef will dort einen "Poptempel" errichten

BONN. Wann kehrt wieder Leben auf dem seit vorigen Jahr leer stehenden ehemaligen Bonner Schlachthofgelände ein? Ideen gibt es viele. Auch schon ein Konzept für den Bau eines Konzerthauses für 1500 Besucher. Eine Gruppe um den ehemaligen Rheinkultur-Chef Holger Jan Schmidt hat diese Pläne bereits in Kreisen der Verwaltung und Politik mit dem Arbeitstitel "Poptempel" vorgestellt.

Diesen Titel hat Schmidt, inzwischen Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft "Bonn Promotion Dept", wieder gestrichen. Er will keinen falschen Eindruck erwecken. "Wir planen keine Disco. Uns schwebt eine Halle für Rock- und Popkonzerte oberhalb der Harmonie vor", erklärte er.

Daneben könnte es ein Schulungs- und Dienstleistungszentrum mit rund 50 Arbeitsplätzen geben. "Unsere Überlegungen für ein Kultur- und Kompetenzzentrum sind aber noch ganz am Anfang", betonte Schmidt. Im Stadtplanungsamt kursieren allerdings auch Pläne, für die städtische Tochter "bonnorange" einen neuen Verwaltungsbau auf dem Schlachthofgelände zu errichten.

Das stößt bei SPD und Grünen jedoch auf strikte Ablehnung. Im Wirtschaftsförderungsausschuss war es deshalb nach GA-Informationen beinahe zu einem Eklat gekommen. Dort habe die Verwaltung, wenn auch nur zögerlich, über ihre Planung für bonnorange informiert. "Es wurde schnell deutlich, dass die Verwaltung sich in der Nutzungsfrage offensichtlich uneins ist", sagte Ernesto Harder (SPD).

Er erinnerte an die Pläne der anliegenden Firmen Knauber und Eaton sowie der Stadtwerke Bonn (SWB). Sie haben sich, wie berichtet, zur Initiative NEWest zusammengeschlossen, um eigene Bauprojekte aufeinander abzustimmen und ein Gesamtkonzept für die Gegend zu entwickeln. "Da darf auch auf dem Schlachthof nur eine hochwertige Nutzung infrage kommen", sagte Harder und zeigte sich verärgert darüber, dass CDU und Grüne seinen Änderungsantrag, bonnorange als Nutzer auszuschließen, abgelehnt und das Thema vertagt haben.

"Ich wollte, dass wir zuvor in der Fraktion darüber beraten", erklärte Tom Schmidt (Grüne) gestern. Seine Fraktion sei inzwischen ebenfalls gegen die Nutzung des alten Schlachthofs durch bonnorange. Stattdessen stehen die Grünen wie die SPD einer kulturellen Nutzung aufgeschlossen gegenüber. Harder und Schmidt fordern die Verwaltung auf, konkrete Pläne zu erarbeiten. "Die müssten längst auf dem Tisch liegen", so Schmidt.

Auch für die FDP hat die mögliche Nutzung durch bonnorange laut Fraktionschef Werner Hümmrich "nicht die erste Priorität. Wir präferieren eine Misch- oder Wohnnutzung, sofern die Emissionen durch Müllverbrennungsanlage und Heizkraftwerk dies zulassen". Zurückhaltend gibt sich Guido Déus (CDU). Er könne für sich zwar ebenfalls eine Nutzung des 2,2, Hektar großen Areals allein durch bonnorange ausschließen.

Ein kategorisches Nein zu einer wie auch immer gearteten Mitnutzung werde es indes seitens der CDU nicht geben. "Immerhin handelt es sich um eine städtische Gesellschaft." In zwei Punkten ist er sich mit den anderen Fraktionskollegen aber einig: Zum einen ärgert auch ihn, "dass die Verwaltung noch keine konkreten Vorlagen machen kann". Zum anderen komme auch für die CDU nur eine hochwertige Nutzung des Areals in Frage, wobei Déus durchaus eine kulturelle, aber auch eine gewerbliche Nutzung für möglich hält.

Alter Schlachthof:
Der alte Schlachthof liegt in Bonn-West an der Immenburgstraße neben Müllverbrennungsanlage und Straßenstrich. Er wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet. In den 1980er Jahren gingen die Schlachtzahlen zurück. Die Firma Groß wurde Pächter des Schlachthofs. 1992 beendete die Stadt nach langem Streit den Vertrag, weil die Firma den Schlachtbetrieb schließen wollte. In den Folgejahren veränderte sich die Nutzung des Areals.1998 startete dort ein Existenzgründerzentrum.Weil die Sanierung der Gebäude zig Millionen Euro gekostet hätte, gingen im vorigen Jahr die Lichter auf dem Schlachthof aus.