Mit Kindern in der Ausstellung

"Es ist toll, was die Irokesen selbst gemacht haben"

Bonn. Auf dem Gelände der Bundeskunsthalle steht zurzeit ein großes, originalgetreu nachgebautes Langhaus. Langhäuser sind aus Fichtenrinden gefertigte Hütten, in denen die Irokesen mit bis zu 20 Familien gelebt und nach denen sie sich "die Leute des Langhauses" benannt haben.

Das 20 Meter lange und sechs Meter hohe Gebäude wurde anlässlich der Ausstellung "Auf den Spuren der Irokesen" innerhalb von zwei Monaten aufgebaut. "Es besteht aus 900 Quadratmetern Rinde", so Pressesprecherin Miriam Dreiner.

26 Mädchen und Jungen der Offenen Ganztagsschule (OGS) Löwenburgschule stehen an diesem Morgen staunend in dem Holzhaus und löchern Museumspädagogin Claudia Pfefferkorn-Schreiber mit ihren Fragen. Erstaunt sind die Kinder vor allem wegen der Gerätschaften, die die Irokesen benutzt haben und wollen wissen, weshalb unter dem Dach ein Kanu hängt. Neben dem Langhaus ist die nordamerikanische Flora mit Pflanzen aus der Heimat der Irokesen nachgebildet. Neben Weißkiefern wachsen dort auch Bohnengewächse, Kürbis- und Maispflanzen, die "die drei Schwestern" genannt werden. Sie begünstigen ihr Wachstum gegenseitig und bilden die Grundnahrungsmittel der Irokesen.

[kein Linktext vorhanden] In Form einer Schildkröte wurde außerdem ein Beet angelegt, das zurzeit aber noch kahl ist. "Wenn es wärmer ist, wachsen dort die Heil- und Ritualpflanzen der Irokesen", erklärt Pfefferkorn-Schreiber den Erst- bis Viertklässern. "Ich dachte, Indianer leben in Tipis, aber das ist ja gar nicht so", sagt die zehnjährige Caterina, die sich bereits im Englisch-Unterricht mit Irokesen beschäftigt hat.

Gemeinsam mit Pfefferkorn-Schreiber schauen sich die Kinder auch die Ausstellung mit 500 Exponaten, darunter eine Säuglingstrage, Schneeschuhe und aus Maisblättern gefertigte Puppen, an. Die Museumspädagogin erklärt, dass die Irokesen ihre Geräte und Spielsachen von Hand gefertigt haben.

"Es ist toll, was die Irokesen alles selbst gemacht haben", sagt Lili, neun Jahre alt. Sie freut sich, dass sie jetzt mehr über die Geschichte der Irokesen weiß und ihren Freunden davon erzählen kann. Anhand einer Tonfigur erzählt Pfefferkorn-Schreiber auch die Weltentstehungsgeschichte der Irokesen und sichert sich damit die Aufmerksamkeit der Kinder. Sinan, neun Jahre alt, und Eren, sechs Jahre alt, sind beide begeistert von der Figur. Sie zeigt eine Frau, die von Vögeln auf einer Riesenschildkröte abgesetzt wird und von Bibern umringt ist.

Die jungen Besucher sind sich einig: Sie hätten in der Ausstellung und im Langhaus viel gelernt und es sei spannend zu sehen, wie die Irokesen gelebt haben. Im Anschluss an die Führung durch Langhaus und Ausstellung basteln die Mädchen und Jungen mit Pfefferkorn-Schreiber Kopfdeckungen nach irokesischem Vorbild. Mit den Eindrücken, die sie gesammelt haben, gestalten sie bunte Bänder aus Pappe und Stoff.

Info: Die Ausstellung "Auf den Spuren der Irokesen" in der Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4, ist bis Sonntag, 4. August, zu sehen. Geöffnet ist dienstags und mittwochs von 10 bis 21 Uhr sowie donnerstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr. Eintritt 10, ermäßigt 6,50 Euro.