Persönlichkeiten

Erinnern Sie sich an diese Originale aus Bonn und der Region?

Bonn. Ob Fotografen, Brezelverkäufer oder Gastwirtinnen - Bonn hat einige Originale hervorgebracht, die ihre Heimatstadt und teils auch ganz Deutschland geprägt haben. Der GA stellt einige von ihnen kurz vor.

Sie haben ihre eigene Art und sind unverwechselbar - Originale. Seit der Nachricht vom Tod des  "Alle-mal-malen-Manns" erinnern sich viele Menschen aus Bonn und der Region noch einmal an Persönlichkeiten, die auf ihre eigene Art und Weise in Erinnerung geblieben sind.

1 "Et Hermännche"

Er kam aus Düsseldorf, er war klein. Aber "et Hermännche" war ein ganzer Kerl. Mit Radschlag und Handstand verdiente er sich am Rheinufer von Königswinter ein paar Pfennige. Wenn sonntags die Ausflugsdampfer Königswinter ansteuerten, zeigte Hermann Schröder, Jahrgang 1861, an der Anlegestelle der Köln-Düsseldorfer seine Kunststückchen. Die Studenten ärgerten Hermann Schröder gern. Sie hielten die Münzen an ein Streichholz und warfen sie ihm dann zu. Das Geschrei war groß, wenn sich "et Hermännche" wieder einmal die Finger verbrannt hatte. Der Mann verkaufte auch Ansichtskarten, die ihn im Kopfstand vor der Drachenfelskulisse zeigten. 1927 verstarb dieses Königswinterer Original.

2 Mutter Schüffelgen

Blumenfrau Veronika Schüffelgen

Blumenfrau Veronika Schüffelgen

 

Ihr Mutterwitz und ihre guten Ratschläge machten sie in der Bonner Studentenszene der Kaiserzeit berühmt, als man der Angebeteten noch ein Sträußchen Blumen verehrte. Bis ins hohe Alter lief Mutter Schüffelgen täglich 15 Kilometer zu Fuß nach Bonn, um die Blüten aus dem eigenen Garten vor allem in Studentenkneipen und bei den Festen von Corps und Verbindungen zu verkaufen. In breitem Platt mit rollendem „R“ sprach sie ihre Kunden mit „E Strüßche, Herr Dokter“ an, den akademischen Titel bekam nämlich jeder. Die Steigerung war „Herr Baron“. Selbst beim späteren deutschen Kaiser Wilhelm II. hatte Mutter Schüffelgen während dessen Bonner Studentenzeit so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass er bei keinem Bonn-Besuch vergaß, ihr Grüße zu bestellen.

3 Hermann Hergarten

Hermann Hergarten bringt frische Blumen ans Grab von Beethovens Mutter Maria Magdalena auf dem Alten Friedhof.

Hermann Hergarten bringt frische Blumen ans Grab von Beethovens Mutter Maria Magdalena auf dem Alten Friedhof.

 

Hermann Hergarten ist eine Institution in der Bonner Fußgängerzone, wie wohl nur der 2009 gestorbene Mandel-Hein war, der am Markt und in der Beethovenhalle seine Brezeln verkaufte. In der Remigiusstraße traf man immer Hergarten mit seinem Rad, das mit den beiden Gasflaschen und den flachen Crêpespfannen 250 Kilo wiegt. Alle 20 Minuten musste er sich um 50 Meter wegbewegen – so die Auflagen der Stadt. Der 54-Jährige ist in Bonn geboren und an der Viktoriastraße (heute Heerstraße) aufgewachsen. Nach dem Tod der Eltern zog er mehrfach in der Stadt um und wohnt heute mit seiner Frau in Niederkassel. Heute ist Hergarten mit seiner Drehorgel auf Tour.

4 Der "Mandelhein"

Original in typischer Pose: Der "Mandelhein".

 

Er saß oft am Markt, verkaufte abends Brezeln in der Beethovenhalle, im Brückenforum und auf dem Museumsplatz. Sogar in Köln war der bärtige alte Mann mit der schiefen Nase und der Baskenmütze auf dem Kopf bekannt.

"Mandelhein" nannten sie ihn, weil er anfangs Tütchen mit Mandeln im Schokomantel verkaufte. Später brachte er Maronen unters Volk, zuletzt waren es Brezeln, so dass viele ihn "Brezelhein" riefen. Er selbst stellte sich meist kurz und knapp vor: "Jung, isch bin der Hein." Wer genauer nachfragte und ihn kannte, bekam zu hören: "Eva-Maria Venus Hein."

5 Aennchen Schumacher

Aennchen Schuhmacher um 1878.

Aennchen Schuhmacher um 1878.

 

Nicht nur unter Studenten in Bonn bekannt war die "Lindenwirtin". Aennchen Schumacher, am 22. Januar 1860 in Bonn geboren, hatte die Leitung des "Gasthof zum Godesberg" inne. Durch das Lied "Keinen Tropfen im Becher mehr" erhielt die Wirtin ihren Namen und der Gasthof seine Popularität. Es wurde dauerhaft im Gasthof gespielt und den Studenten beigebracht. Von da an kamen fast jeden Abend Hunderte Studenten in den Gasthof. Die "Mutter der Studenten", wie Aennchen Schumacher getauft wurde, sammelte die gesungenen Studentenlieder im "Ännchen Liederbuch" zusammen und veröffentlichte dieses. An ihrem 75. Geburtstag wurde sie zur Ehrenbürgerin von Bad Godesberg ernannt.

6 Camillo Fischer

<b>So kannte man ihn in Bonn: </b>Camillo Fischer mit verschmitztem Lächeln.

So kannte man ihn in Bonn: Camillo Fischer mit verschmitztem Lächeln

 

Wenn Camillo Fischer als Fotograf bei Staatsbesuchen in der allerersten Reihe stand, scherzten seine Kollegen oftmals: "Der hat sowieso keinen Film eingelegt". Doch Fischer hat in seiner Laufbahn mehr als 2,5 Millionen Fotografien geschossen. Seit den Sechzigerjahren arbeitete er als freier Bildjournalist, pflegte engen Kontakt zu Politikern der Bonner Regierungszeit und soll bei offiziellen Anlässen immer wieder zum Mikrofon gegriffen haben, um ein Plädoyer für den sibirischen Tiger zu halten, dessen Wohlergehen ihm besonders am Herzen lag. Sein Lebenswerk, darunter Fotografien der Rolling Stones, ist heute im Besitz des Bonner Stadtarchivs.

7 Ria Maternus

Unvergessen: Ria Maternus mit US-Präsident Ronald Reagan bei einem Empfang im Jahre 1982.

 

In ihrem Weinhaus haben sie alle gegessen, die Großen und die Mächtigen: Truman, Eisenhower, Kennedy, Nixon, de Gaulle und Gorbatschow. Einer Anekdote zufolge tanzte Ria Maternus mit US-General George Patton einst sogar auf den Tischen. Nicht umsonst galt sie als Wirtin der Prominenten. Geboren in Neuwied, ging Maternus als Kind zur Klosterschule auf der Insel Nonnenwerth. Als junge Erwachsene wollte sie Ärztin werden, brach ihr Studium jedoch nach wenigen Semestern ab. In den Fünfzigerjahren übernahm sie schließlich das Weinhaus Maternus von ihrem Vater. Stammgäste bezeichneten sie als kontakfreudig, lebensfroh und dem Karneval zugetan. Zu ihren Ehren wurde im Jahr 2003 der Godesberger Bahnhofsvorplatz in Ria-Maternus-Platz umbenannt.

8 Hans-Karl Jakob

 

Auf einem Gemälde von den großen Bonnern ist er eingereiht zwischen Adenauer, Beethoven und Macke. In Bonn kannte er fast jeden und fast jeder kannte ihn. Ihn, einen der besten Boulevardjournalisten, wenn nicht der beste: Hans-Karl Jakob, der 2006 im Alter von 67 Jahren gestorben ist. 1954 startete Hans-Karl Jakob beim General-Anzeiger eine Lehre als Verlagskaufmann. Ehemalige Kollegen erinnern sich, dass er schon rasch seine Neigung zum Journalismus entdeckte und nebenbei als Autor für die Sport- und die Lokalredaktion tätig wurde. Ab 1960 arbeitete er bei der Bonner Rundschau und ab 1965 beim Express, wo er 1969 die Leitung übernahm.
Als Lokalchef kannte er die Stärken seiner "Kunden", ihre Schwächen, deren Hobbys, die Liebschaften und die Leichen im Keller, schreibt sein Freund und langjähriger Kollege, der Spiegel-Reporter Hartmut Palmer. "Mal schnell durch die Stadt gehen, das ging mit ihm nicht. Er traf nämlich alle drei Meter jemanden, den er begrüßen, bützen, umarmen oder beiseite ins vertrauliche Gespräch ziehen musste", schildert Palmer.
Hans-Karl Jakob blieb als Journalist immer fair, übersah nicht die positiven Seiten, versprühte stets Witz und Fröhlichkeit. 1968 ging sein Traum in Erfüllung, er wurde Prinz Hans-Karl I. Für seine Verdienste um den Karneval wurde er vor knapp einem Jahr mit dem höchsten Orden des Bundes Deutscher Karneval geehrt. Seine zweite Liebe galt dem Sport, dem er als Präsidiumsmitglied der Schwimm- und Sportfreunde eng verbunden war.

Außerdem erinnern sich unsere Leser an folgende Originale:

  • Adelheid, ein älterer Obdachloser, der auf dem Bonner Markt immer auf einem Tennisball Kopfstand gemacht hat und dazu „Adelheid“ gesungen hat.
  • Kuhle Hannes (Johann Wilhelmy), rettete am 07.September 1941 19 Menschen das Leben, als der Landungssteg am Bonner Rheinufer zusammen brach
  • De Ühl (Paul Wingarz), Krätzchenssänger, Komponist. Heimatdichter und Gastwirt aus Bad Godesberg
  • Ruth Bormann aus der Stiftsgasse,  Kind eines Dresdener Künstlerpaares, eher Musikerin als Bettlerin, stand meist neben dem Eingang der Post mit Akkordeon, Gitarre oder sämtlichen Flöten und musizierte dort, trug meistens einen Blazer zu Hosen und einen dreiviertel Jacke mit großen Karos oder einfarbig und gerne einen kleinen Hut dazu
  • Frau Karthaus, die Besitzerin des ehemaligen Antiquariats namens Bücherwurm in der Franziskaner Straße, vergaß nichts, was ihr einmal angetragen wurde, Sie kannte „Gott und die Welt“, Professoren , Studenten, Hobbyforscher, Tüftler, Archiktekten und interessierte sich selber schier für alles
  • Maria Caspers, gute Seele der Eckttheke ihrer Stadtbäckerei in der Bonner Acherstraße, Helferin der Armen, als sie starb war das Bonner Münster voll, die Bäckerei nicht mehr dieselbe, seit 2001 gibt es die Bäckerei gar nicht mehr
  • Die Zwei mit dem Dreh (Peter Brust und Emil Lohmer), Ur-Bonner, Karnevalisten, Sänger von „Träumendes Bonn“
  • Der Musiker mit dem Schellenbaum auf dem Kopf und der "dicke Trumm" auf dem Rücken machte in den 50er Jahren Musik in der Remigiusstraße.
  • Der Mann mit Bauchladen und Blindenbinde am Arm lief in den 70er Jahren durch Bonn und bot Gummibänder und andere Dinge zum Kauf an.

Es handelt sich hierbei um eine Auflistung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat oder objektiven Kriterien gefolgt wäre. Welche Originale aus Bonn und der Region haben wir vergessen? An wen erinnern Sie sich besonders? Schicken Sie uns eine E-Mail an online@ga-bonn.de.