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Erinnern Sie sich an diese Bonner Kultkneipen?

Bonn. Queen spielte im „Underground“, während in der „Provinz“ und in der „Schumann-Klause“ Bundespolitik gemacht wurde. Wir haben eine Reise in die Vergangenheit der Bonner Kultkneipen unternommen.

Die Geschichte ist legendär: Gerhard Schröder rüttelte zu Juso-Zeiten am Zaun des Bonner Kanzleramts: „Ich will da rein.“ Und er schaffte ihn, den Einzug als Bundeskanzler. Dass es überhaupt zu der Anekdote kam, dürfte eng verbunden sein mit der Kneipentour, die Schröder zuvor durch Bonn absolviert hatte. Unter anderem in der „Provinz“ soll Schröder sich den nötigen Mut für seinen Angriff auf das Kanzleramt angetrunken haben.

Dieses Anekdote ist nur eines der Beispiele für die vielen Bonner Kultkneipen, die es heute nicht mehr gibt, die aber so viele Geschichten zu erzählen haben. Eine Reise in die Vergangenheit:

Bonn als Heimat der Beatniks, Punks und Krautrocker

Nach der letzten Kinovorstellung des Abends füllte sich meist das „Tabu". Wenig verwunderlich, wurde die Kellerkneipe doch am 19. Juli 1951 als „Existenzialisten-Keller“ unter dem Kinosaal der Scala-Lichtspiele im Bonner „Nachtjackenviertel“ an der ehemaligen Meckenheimer Straße 6-8 gegründet. Im Tabu wurde filterlos geraucht oder Pfeife gequalmt und bei leiser Barmusik diskutiert. Verzehrt wurde eher wenig.

Wie das "Eve" in der Rathausgasse und das "Edelweiss" am Rheinuferbahnhof gehörte auch das Tabu zu den Blatzheim-Betrieben. Hier verkehrte das Klischeebild des melancholischen, meist in schwarzem Rollkragen-Pullover gekleideten jungen Existentialisten, der zwischen Jazzkeller, Café und Universität verkehrte.

Als in den 1960er Jahren dann die Existenzialisten allmählich verstummten, sollten (zum Teil lokale) Bands der Beat-Generation die Bilanzen retten. Auftritte der "Beatniks", der "Vampires" und der "Hexer" verhalfen dem "Tabu" aber nicht zu neuem Aufschwung. 1967 musste die Kellerkneipe aufgeben.

Im Zuge des Stadthaus-Neubaus am neugeschaffenen Berliner Platz wurde das ganze Wohnviertel, mit dem Kinosaal und dem „Tabu-Keller“, Anfang der 1970er Jahre abgerissen.

Das altehrwürdige Tanzlokal "Rheinterrasse Auweiler" in Graurheindorf wurde Mitte der 1960er-Jahre unter der Leitung von Erwin Wilden, einem ehemaligen Boxer, von der Beatmusik geküsst und bot fortan als "Kaskade" lokalen Bands eine Bühne, so etwa beim "Beat Festival" am 18. Juni 1966.

Die Rheinterasse Auweiler in Graurheindorf.

Die Rheinterasse Auweiler in Graurheindorf.

Ein Jahr später wurde das "Kaskade" in "Club 67" umgetauft, bevor es als "Saal Bellawuppdich" dann auch überregionalen Bekanntheitsgrad erlangte. Auf die Beatmusik folgten der Punk, die Neue Deutsche Welle und Krautrock mit Auftritten von "Nena", "Embryo" und den "Dead Kennedys". Wie das "Underground" hatte auch der "Saal Bellawuppdich", benannt nach den beiden Hunden des Betreibers "Heidi" Ehrich, einen schweren Stand. Es kam zu Beschwerden der Nachbarn beim Ordnungsamt.

Nach einem Brand 1980 wurden die Rheinterassen abgerissen.

Als ganz Muffendorf nach Haschisch roch

Wenn im Bad Godesberg der 1960er und '70er Jahren um 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt und der Mond an der Laterne hochgezogen wurden, gab es drei Möglichkeiten: zwei Kneipen, in denen man es aushalten konnte, die "Barriere" und die "Karre", sowie an der Muffendorfer Hauptstraße das "Underground". Der Name allein reichte Eltern damals schon, um zu erschaudern.

Am 4. Oktober 1969 in einer ausgedienten Scheune im hinteren Teil des Gasthauses "Zur Post" von Juppi Schäfer eröffnet, wurde das "Underground" schnell über seine Ortsgrenzen hinaus bekannt. Nils R., der 1972 als Jugendlicher mit seiner Familie nach Bad Godesberg gezogen war, erinnert sich im Gespräch mit dem GA auch heute noch ziemlich genau: „Fast am beeindruckendsten fand ich die Tatsache, dass man in Muffendorf aus dem Bus stieg und ein ganzes Dorf nach Haschisch roch.“ Der "Rote Werner", von der Polizei gesucht, führte die Theke.

Das legendäre "Underground" in Muffendorf, Bad Godesberg.

Das legendäre "Underground" in Muffendorf, Bad Godesberg.

Die neue Muffendorfer Szene fand nicht nur Freunde. „Uns hat man damals nur Knüppel zwischen die Beine geworfen“, erinnerte sich Juppi Schäfer einmal. „Andauernd stand das Ordnungsamt in der Tür, dann kam die Bauaufsicht und die Feuerwehr. Die haben ja die Krise gekriegt, wenn die all die Matratzen gesehen haben.“ Bei einer gesetzlich vorgeschriebenen Kapazität von 360 Leuten war der Saal des "Underground" mit Matratzen ausgelegt. „Da kamen Leute aus Dortmund, Wuppertal und weiß ich woher. Sie kamen freitags, schliefen im Saal und fuhren sonntags wieder weg. Es war eine richtige Gemeinschaft.“

Schäfer holte die Créme de la Créme des Kraut-, Hard- und Progressive Rock ins beschauliche Muffendorf: "Can", "Nektar", "Guru Guru", "Amon Düül II", "Grobschnitt", "Harmonia", "Uriah Heep", um nur ein paar zu nennen. "Queen" standen eines Tages mit ihrer Plattenfirma unangemeldet vor Schäfers Tür. Zeitzeugen erinnern an das legendäre Konzert im Oktober 1973. Der Eintritt kostete meistens zwischen fünf und sieben Deutsche Mark. Es gab eine Teestube, einen Fernseh- und Leseraum.

Das "Underground" musste nach nur fünf Jahren Betrieb unter enormem Druck schließen. Andauernder Ärger mit den Nachbarn sowie den Ordnungsbehörden führte im beschaulichen Muffendorf 1975 zum Aus.

Das "Zero" und die Pioniere der elektronischen Musik

Im Keller der Musikerkneipe "Zero", später "Penelope" an der Kölnstraße 47 befand sich das "Synthesizerstudio Bonn", das weltweit erste Spezialgeschäft für Synthesizer, deren Anfänge bis September 1971 zurückreichen. Pioniere der elektronischen Musik besuchten das Geschäft, das, in einer alten Kegelbahn im Keller des "Zero" untergebracht, nur durch eine Stahltür zu erreichen war. Klaus Schulze (anfangs Schlagzeuger bei "Tangerine Dream" und später als Solokünstler bekannt geworden) und "Kraftwerk" sollen hier ihr Equipment besorgt haben.

Später in "Penelope" umbenannt, ereilte die Kneipe dann ein zweifelhafter Ruf als Drogentreff und Schlägerkneipe. Mehrere Abmahnungen und Drohungen der Ordnungsbehörden, das Lokal zu schließen, folgten.

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