Akademie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Entwicklungshelfer werden in Röttgen aufs Ausland vorbereitet

Bonn. Die GIZ-Akademie bereitet am neuen Standort jährlich 2000 Entwicklungshelfer auf ihre Zeit im Ausland vor. In dem Neubau sind 44 Seminar- und Schulungsräume untergebracht.

Einige Räume sind noch Baustelle oder behelfsmäßig möbliert. Dennoch hat die Akademie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an ihrem neuen Standort in Röttgen ihren Kursbetrieb termingerecht aufgenommen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Andreas-Hermes-Akademie des Deutschen Bauernverbands komplettiert ein wegweisender Neubau mit 44 Seminar- und Schulungsräumen das Gebäudeensemble zu einer umfassenden Campuslösung. „Wir haben uns dabei nach den Maßstäben für ökologisches Bauen gerichtet“, berichtet Liegenschaftsmanager Markus Weiher. Das Stahlgerüst des zweigeschossigen Gebäudes wurde mit Tannen- und Fichtenholz überwiegend aus deutschen Forsten verkleidet.

25 Bohrlöcher leiten Tiefenwärme 100 Metern aus dem Erdboden ins Gebäude, die im Sommer mit einer Absorptionsanlage auch zur Kühlung genutzt werden kann. Ein eigenes Blockheiz-Gaskraftwerk erzeugt die Restwärme. Ein großzügig verglastes Foyer, Innenhöfe und Lichtgauben im Dach sorgen für viel Tageslicht. Vertikale Holzlamellen vor den Fenstern sollen im Sommer für den nötigen Schatten sorgen. In den dunklen ersten Januartagen zaubern sie eine natürliche Gemütlichkeit in die noch etwas kahlen Räume.

Im Altbau gibt es 64 Gästezimmer

Auch das vorhandene Gebäude mit seiner eher rustikalen Anmutung wurde umfassend saniert. „Praktisch in letzter Minute haben wir noch sämtliche Sanitärräume erneuert“, sagt Weiher. Ein modernes Restaurant mit neuer Küche, ein Saal für 260 Gäste und 64 Gästezimmer stehen nun zur Verfügung. In zwei benachbarten Doppelhäusern wurden Familienappartements und eine Betreuung für Kinder von Teilnehmern eingerichtet. Bei Überbuchungen werden die restlichen Teilnehmer in umliegenden Hotels untergebracht. Weiher rechnet mit etwa 30.000 Übernachtungen pro Jahr.

Röttgen ist von nun an für viele Teilnehmer die letzte Station vor dem Aufbruch in die Fremde: „Wir bereiten im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums im Jahr etwa 2000 Mitarbeiter der GIZ sowie von 30 international tätigen Organisationen auf ihren Auslandseinsatz in mehr als 120 Ländern vor“, sagt Akademiechefin Andrea von Rauch.

Mehr als jede zweite Entsendung führt in eine Konflikt- oder Krisenregion. Gerade die letzten Tage vor dem Abflug seien deshalb oft sehr stressig, so von Rauch, zumal etliche Entwicklungshelfer auch ihre Familie mitnehmen. In der Akademie bemühen sich die Mitarbeiter und Trainer deshalb um eine möglichst entspannte Atmosphäre. Am Rande des Kottenforstes gelegen, aber doch mit umfangreicher Nahversorgung in direkter Nachbarschaft sei der neue Standort ideal. Ein Rufshuttle fährt bei Bedarf stündlich zur GIZ-Zentrale in der Gronau.

Kurse zur Landeskunde und Sicherheitstraining

Angeboten werden vor allem Kurse zur Landeskunde, zu 70 Verkehrssprachen sowie Sicherheitstrainings und Seminare für mitreisende Partner. Dabei kommt auch eine Lernlandschaft in den geräumigen Fluren zum Einsatz, in der man beispielsweise die in jeder Kultur unterschiedliche Distanz zwischen Menschen ausprobieren kann. „In Kanada etwa kommt man sich viel näher als in Laos“, erklärt von Rauch. Bis zur offiziellen Einweihnung am 5. März soll auch der Sprachballon seinen neuen Platz in Röttgen finden. Beim ersten Versuch passte der Ballonkorb nicht durch die Tür.

Der Umzug war nötig geworden, weil die bisher genutzten beiden Gebäude in Bad Honnef für das gewachsene Kursangebot nicht mehr ausreichten. „Eine Erweiterung des denkmalgeschützten Uhlhofs war auch aus Gründen des Hochwasserschutzes nicht wirtschaftlich“, berichtet Weiher. Das Land Nordrhein-Westfalen sucht nun einen Käufer. Von den Anwohnern in Röttgen wurden die neuen Nachbarn bereits mit vielen freundlichen Zuschriften begrüßt. Man wolle das Haus für interessierte Bonner öffnen, so von Rauch. Neben einem Tag der offenen Tür im Frühjahr soll es einmal im Monat Vorträge und kulturelle Veranstaltungen mit entwicklungspolitischem Bezug geben.