Einkaufsmall am Viktoriakarree

Entscheidung für Planung des Münchner Projektentwicklers

BONN. Die Signa ist mit ihrem Konzept einer Einkaufsmall für das Viktoriakarree vorne - jedenfalls setzte sich ihr Entwurf bei der Jurysitzung am Montagabend durch.

Widerstände gab es lediglich vom Vertreter der Grünen, Hartwig Lohmeyer, und von "Teilen der Verwaltung", wie es hieß. Die Stadt will sich indes nicht äußern und verweist darauf, dass es sich um ein "nicht-öffentliches Verfahren" handele. Sie bereite nun eine Vorlage für den Stadtrat vor.

Beide Entwürfe erfüllten nicht die Erwartungen

Einig war sich die Jury, zu der neben Politikern auch Stadtbaurat Werner Wingenfeld, Planungsamtschef Michael Isselmann und Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe gehörten, eigentlich nur darin, dass beide Entwürfe nicht die Erwartungen erfüllen: Signa will zu viel Einzelhandelsfläche, Konkurrent Hochtief zu viel Wohnen.

Im Gesamtergebnis gewinnt Signa aber auch mit einer denkbar schlechten Punktzahl: 2,3 von sechs Punkten, Hochtief errang lediglich ein Durchschnittsergebnis von 1,5 Punkten. Dabei mussten die Jurymitglieder zu etlichen Kriterien Punkte zwischen Null und sechs vergeben: für die Konzeption, die städtebauliche Verträglichkeit, zudem mussten Aufenthaltsqualität und Umweltaspekte und vieles mehr beurteilt werden.

  • SPD: "Wir sehen auch die Signa leicht vorne, auch wenn wir nicht hundertprozentig überzeugt sind", sagte Fraktionschef Ernesto Harder gestern. "Wir haben nun eine hohe Erwartung an den Investor und an das Bebauungsplanverfahren, über das sich sicherlich noch einiges wird ändern lassen." Man müsse das ganze Quartier im Auge behalten. Wichtig sei es, dort neben Einzelhandel und Wohnen auch Raum für die Uni zu schaffen, aber auch das studentische Leben zu erhalten. "Da scheint uns der Signa-Entwurf der etwas attraktivere zu sein. Wir haben uns aber noch nicht entschieden, wie wir im Rat abstimmen werden", sagte Harder.
  • Grüne: "Da muss man nachsteuern", ist Hartwig Lohmeyer, planungspolitischer Sprecher der Grünen, überzeugt. "Richtig glücklich war die Jury nicht." Überzeugend sei keines der beiden Konzepte, aus Sicht der Grünen sei der Signa-Entwurf aber "inakzeptabel". Der als Mall geplante Komplex sei viel zu hoch, überrage das Universitätshauptgebäude, es würden zu viele Wohnungen gestrichen, und auch der Anliegerverkehr sei katastrophal geregelt. Der soll nämlich über die Ecke direkt vor dem Koblenzer Tor erfolgen. Lohmeyer: "Das geht gar nicht."
  • CDU: Weniger dramatisch sieht das der Koalitionspartner. "Ja, da ist einiges, das verbesserungsbedürftig ist", sagte Planungssprecher Bert Moll. Aber er habe wenig Zweifel, dass da nicht über das baurechtliche Verfahren noch einiges korrigiert werden könne. Tendenziell wolle die CDU auf dem Areal mehr gewerbliche Nutzung haben. Auch mit Blick auf "Aspekte des Gemeinwohls" wäre die Stadt mit Signa besser dran, meinte er. Die Frage der Höhe sei sicher zu überdenken, aber das Konzept mit der Laufbeziehung, die vorsieht, dass an der Ecke Rathausgasse/Stockenstraße der Eingang zu dem Geschäftshaus ist und über einen Bogen bis hin zur Franziskanerstraße reicht, finde er gut: "Das würde die Gegend beleben, und wenn es gelänge, den Verkehr dort rauszuhalten, dann wäre das eine super Weiterentwicklung."
  • FDP: "Überzeugend" findet Frank Thomas keinen der beiden Bewerberentwürfe, sieht aber im Signa-Projekt eher eine Stärkung des Bonner Zentrums. "Uns wäre es aber auch lieber, wenn der Komplex weniger diesen geschlossenen Mall-Charakter hätte. Uns fehlt auch eine Anbindung des Komplexes an den Belderberg", sagte der FDP-Mann.

Die Grünen wollen nicht nachgeben

Die Grünen sind entschlossen, nicht nachzugeben. In der Fraktionssitzung am Montagabend war es nach GA-Informationen hoch hergegangen. Es sei sogar von "Kampfbereitschaft" und "Koalitionsbruch" die Rede gewesen. Immerhin werde im Koalitionsvertrag eine "Flaniermeile mit Aufenthaltsqualität" gefordert. Davon sei das Signa-Konzept aber meilenweit entfernt. "Wir sind bereit, mit der CDU in dieser Frage in die Arena zu gehen", sagte einer der Teilnehmer dem GA.

Enttäuscht zeigte man sich in der Jury aber über einen weiteren Punkt, der jetzt wohl offenbar ist: Über den Verkauf der städtischen Immobilien lassen sich die verkehrlichen Veränderungen nicht finanzieren.

Bekanntlich sollen die beiden Tiefgaragenrampen am Bischofsplatz und an der Stockenstraße verschwinden und durch eine gemeinsame ersetzt werden, die unter dem Stockentor hindurch führt. Indes fressen der Umbau und die Sanierung der Pestalozzischule schon den Verkaufserlös. Bei Hochtief müsste die Stadt sogar noch fünf Millionen Euro drauflegen, bei Signa käme man mit einer "schwarzen Null" raus, heißt es.

Verlegung der Tiefgaragenrampen

Die Signa besitzt die Schlüsselimmobilie an der Ecke Rathausgasse/ Stockenstraße. Weitere Ankäufe seien erfolgt, sagte kürzlich Geschäftsführer Reimund Sigel. Nach GA-Informationen stehen weitere Ankäufe kurz bevor. Der Münchner Projektentwickler hat auch schon bei der Bürgerinformation signalisiert, dass er sich an der Verlegung der Tiefgaragenrampen aus der Stockenstraße und vom Bischofsplatz beteiligen würde.

Im Gespräch ist auch, die Umsiedlung von Gedenkstätte und Stadtmuseum kostengünstiger realisieren zu können. Außerdem gibt es Überlegungen, unter dem Viktoriakarree keine oder nur eine kleine Tiefgarage zu bauen und die Ablösesumme für Stellplätze in die Verlegung der Zu- und Abfahrten in die Marktgarage zu investieren. Die Entscheidung fällt der Rat am 18. Juni.