Ansturm auf die Rhein-Fähren

Engpass auf der Südbrücke sorgt für Hochkonjunktur

Ein Schiff wird kommen: Szenen wie hier in Königswinter gehören seit Montag zum Schicksal der Berufspendler.

BONN/REGION. Wohl dem, der in diesen Tagen nicht nach Bonn einpendeln muss. Staus und lange Wartezeiten gehören für Berufstätige jetzt, da die Südbrücke saniert wird, zum Alltag. Das bekommen auch die Pendler zu spüren, die schon immer oder wegen der Situation jetzt erstmals die Fährverbindungen nutzen.

Vor allem in Bad Honnef und Königswinter geht seit Montagmorgen zeitweise nichts mehr. Stau fast bis zum Bad Honnefer Kreuz: Auf der Zufahrt zum Fähranleger im Lohfeld brauchen die Autofahrer viel Geduld. Bereits um 7.30 Uhr stellt sich Jutta Thom am Dienstag mit ihrem Kleinwagen an - noch früher als am Montag, an dem es ihr trotz erheblichen Zeitpolsters nicht gelungen war, um 9 Uhr in Bonn am Arbeitsplatz zu sein.

Umsteigen auf Bus und Bahn, sagt sie, das sei keine Alternative: Vom Wohnort Aegidienberg aus stehen ihr keine guten ÖPNV-Verbindungen zur Verfügung. Da hilft nur: Noch früher aufstehen und hoffen, dass der Arbeitsweg auch unter zwei Stunden zu schaffen ist.

Ein wenig neidisch beäugen wartende Autofahrer Roberto Teege. Nach erheblicher Verspätung am Vortag steigt der Rheinbreitbacher am Dienstag aufs Rennrad um, setzt in Bad Honnef mit der Fähre über und bewältigt den weiteren Weg zum Arbeitsplatz in Friesdorf mit dem Drahtesel.

"Die beste Lösung", kommentiert das auch der Mitarbeiter auf der Fähre. "Wir sehen hier jetzt viele neue Gesichter", sprich Pendler, die sonst über die Autobahn nach Bonn fahren. Für das Team bedeutet das: Die Fähre verkehrt ohne Unterlass, um möglichst viele Autos über den Rhein zu transportieren. Daumen hoch heißt es um kurz vor 9 Uhr für Jutta Thom, als ihr Auto endlich auf der Fähre steht und die erste Etappe geschafft ist.

Die Rheinfähre Königswinter setzt zurzeit morgens so oft wie möglich nach Mehlem über, der Takt ist aufgehoben. "Wir haben morgens eine Verdoppelung der Überfahrten", sagt Geschäftsführer Kurt Bendel dem GA. Wartezeiten gibt es zwischen 7.30 und 9.30 Uhr am Königswinterer Anleger. Laut Bendel ist wegen der besonderen seitlichen Anleger der Einsatz eines zweiten Fährschiffs nicht möglich.

Zusätzliches Personal sorgt aber zurzeit dafür, dass der Ticketverkauf schnell genug klappt. Auf dem Rückweg Richtung Siebengebirge weichen viele Autofahrer offenbar auf die Brücken aus. Auf der Bonner Seite verzeichnet die Fähre Königswinter abends nur geringfügig mehr Verkehr.

Im Akkord setzen seit Montag auch die "Konrad Adenauer" und die "St. Christophorus" zwischen Niederdollendorf und Bad Godesberg über. "Wir haben am Montag beide Schiffe ganztägig parallel eingesetzt und werden das zumindest im Berufsverkehr vorerst beibehalten", sagt Geschäftsführer Uwe-Karsten Staeck.

Dass sich das lohnt, verdeutlichen die Zahlen: Um 110 Prozent seien die Fahrgastzahlen am Montag angestiegen - auf 1431 statt der üblichen knapp 600 Autos. Und auch am Fähranleger in Linz warten seit Montag lange Schlangen. Auf die Frage, ob sich die Südbrücken-Baustelle bemerkbar mache, lacht der Fährmann nur vielsagend: "Allerdings", sagt er, kassiert und grinst.

Die Fährverbindungen im Süden

Auto-Schnellfähre Bad Godesberg

Strecke: Verkehrt zwischen Rheinallee/Bastei in Bad Godesberg und der Anlegestelle in Niederdollendorf.

Schiffe: "Konrad Adenauer" (Baujahr 1967) und "Sankt Christophorus" (1966), Platz für je ein Dutzend Autos. Zu Stoßzeiten sind beide Schiffe im Einsatz.

Fahrplan: Die Fähre verkehrt ab 6 Uhr im ständigen Pendelbetrieb. Die letzte Fähre fährt um 20.45 Uhr ab Bad Godesberg.

Preis: Einzelfahrt für Autofahrer 2,60 Euro. Günstiger mit Mehrfach- oder Monatskarte (55 Euro).

ÖPNV-Anschluss: Auf der Niederdollendorfer Seite gibt es einen großen Parkplatz mit Bushaltestelle, der Bahnhof ist fünf Fußminuten entfernt. An der Bastei fährt der Bus (Linie 855) werktags im 30-Minuten-Takt zum Bahnhof Bad Godesberg.

Bewertung der Redaktion: Ideale Verbindung für Radfahrer zwischen Siebengebirge und dem Süden Bonns. Einzige Fähre mit größerem Parkplatz: Pendler aus dem Siebengebirge können das Auto rechtsrheinisch stehen lassen und in Bonn auf den Bus umsteigen.

Rheinfähre Königswinter

Strecke: Verkehrt zwischen Anlegestelle Königswinter, Rheinallee, und Bonn-Mehlem, Austraße.

Schiff: Fährschiff "Königswinter IV" (Baujahr 1996), Platz für 40 Autos.

Fahrplan: Überfahrten im Pendelbetrieb so oft wie möglich; Abfahrt an Werktagen: ab Königswinter von 5.45 bis 21.45 Uhr, ab Mehlem von 5.55 bis 21.50 Uhr. An Sonn- und Feiertagen: ab Königswinter von 7.45 bis 21.45 Uhr, ab Mehlem von 7.55 bis 21.50 Uhr.

Preis: Einzelfahrt für Autofahrer 2,70 Euro; Zehnerkarte Pkw 22,50 Euro; Monatskarte Pkw 52 Euro.

ÖPNV-Anschluss: Ab Mehlem Fähre geht es mit Buslinie 612 nach Mehlem (hält nicht am 750 Meter entfernten Mehlemer Bahnhof). Auf Königswinterer Seite hält die Stadtbahn Linie 66 am Anleger.

Bewertung der Redaktion: Diese Fähre bietet mit Abstand die größte Fahrzeug-Kapazität. Wegen der seitlichen Anleger ist es leider nicht möglich, zwei Fähren im Pendelverkehr einzusetzen, was zurzeit sinnvoll wäre. Eine Ampel am Königswinterer Ufer verzögert das Entladen.

Fährgesellschaft Bad Honnef

Strecke: Verkehrt zwischen Anlegestelle Bad Honnef, Lohfelder Straße, und Rolandseck.

Schiff: Autofähre "Siebengebirge" (Baujahr 1969), Platz für zwölf Autos.

Fahrplan: Überfahrten im Pendelverkehr so oft wie möglich, mindestens alle 15 Minuten. Montags bis samstags regulär laut Fahrplan von 6.30 (bei Bedarf allerdings früher) bis 21 Uhr, sonn- und feiertags von 8 bis 21 Uhr.

Preis: Einzelfahrt für Autofahrer 2,50 Euro, Zehnerkarten 20 Euro, Wochenkarte 15 Euro, Monatskarte 50 Euro.

ÖPNV-Anschluss: Auf Bad Honnefer Seite Buslinie 565, auf Rolandsecker Seite Buslinie 852. In Honnef 15 Minuten Fußweg zur Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 66.

Bewertung der Redaktion: Positiv ist, dass der Fährbetrieb aktuell spätestens um 6.15 Uhr startet. Gegenwärtig gibt es nur eine Fähre auf der Strecke. Wegen vieler anstehender Infrastrukturprojekte in der Region in den kommenden Jahren ist ein Ausbau mit einer weiteren Fähre ab 2015 vom Unternehmen geplant.

Rheinfähre Linz-Remagen

Strecke: Verkehrt zwischen Linz und Remagen-Kripp.

Schiff: Das Fährschiff (Baujahr 1997) hat Platz für knapp 30 Pkw, zudem steht die Schwesterfähre "Sankt Johannes" bereit.

Fahrplan: Gefahren wird täglich von 6 bis 24 Uhr, ab 19 Uhr im 15-Minuten-Rhythmus. Letzte Abfahrt ab Kripp ist um 0.05 Uhr.

Preis: Ein Einzelticket für einen Autofahrer kostet 2,40 Euro. Für Stammgäste lohnen sich die Monatskarte für 52 Euro oder die Kombikarte mit einem Einzelfahrtpreis von 1,75 Euro.

ÖPNV-Anschluss: Auf Linzer Seite sind es fünf Fußminuten zum Bahnhof (Strecke Köln-Koblenz). In Kripp schafft eine Bushaltestelle (Linie 851) die Verbindung zum Bahnhof Remagen, die werktags zwölf Mal angefahren wird.

Bewertung der Redaktion: Großer Vorteil ist die lange Betriebsdauer bis Mitternacht. Insofern gute Alternative für Pendler von Bonn in den Kreis Neuwied. Minuspunkt ist die schlechte Verbindung zu den Bahnhöfen Remagen und Sinzig (Entfernung jeweils fünf Kilometer).