Klinikhebammen dringend gesucht

Engpässe in Bonner Entbindungsstationen

Hebamme mit Mutter und Baby: Im Johanniter-Krankenhaus sind alle Stellen besetzt. Das ist auf vielen Entbindungsstationen anders.

Hebamme mit Mutter und Baby: Im Johanniter-Krankenhaus sind alle Stellen besetzt. Das ist auf vielen Entbindungsstationen anders.

Bonn. In Bonn steigen die Geburtenzahlen, aber auf manchen Entbindungsstationen fehlt das Personal. Das ist ein bundesweiter Trend. Manche Kliniken versuchen mit einem eigenen Ausbildungsprogramm gegenzusteuern.

Auch in Bonner Entbindungsstationen gibt es Engpässe. „Ja, gelegentlich kommt es vor, dass wir eine Schwangere abweisen müssen“, antwortet Hans-Joachim Ehrhardt, Regionaldirektor der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO), auf Anfrage fürs Marienhospital. „Diese Situation teilen wir aber mit allen anderen geburtshilflichen Abteilungen in Deutschland.“ Grund dafür sei allerdings „nicht immer ein belegter Kreißsaal, sondern kann auch ein Engpass bei der Versorgung von Frühgeburten sein“, erläutert er.

Denn im Vordergrund müsse die fachlich qualifizierte Betreuung von Müttern und Kindern stehen. Und man habe keinen Einfluss darauf, wie viele Gebärende gleichzeitig die Klinik aufsuchten. In GFO-Häusern versorge eine Hebamme in ihrer Schicht mehrere Frauen, die sich in vor- und nachgeburtlichen Phasen befänden. „In der akuten Geburtsphase betreut aber eine Hebamme selbstverständlich nur eine Frau“, rechnet Ehrhardt vor. Immerhin kämen in den Bonner GFO-Kliniken 198 Kinder pro Monat zur Welt. Natürlich mache sich auch der bundesweite Hebammenmangel bemerkbar.

Deshalb bilde der Verbund in diesem Bereich aus. „Derzeit sind aber alle Hebammen-Stellen bei uns besetzt“, sagt Ehrhardt. Wie berichtet, hatte kürzlich das NRW-Gesundheitsministerium neben fehlender Rentabilität auch den Fachkräftemangel dafür verantwortlich gemacht, dass die Zahl der Geburtshilfestationen in Kliniken weiter sinke. 2017 schloss auch die Geburtshilfe der Asklepios Klinik in Sankt Augustin. Inzwischen reagieren andere Kliniken mit kurzfristigen Abweisungen von Schwangeren – wie in Köln –, wo die beiden größten Kliniken in den letzten Monaten ihre Kreißsäle mehrfach vorsorglich vom Rettungsdienst abmeldeten.

Stationen suchen Entbindungshelfer

„Wohin sollen Schwangere mit Wehen gehen? Sie fahren die Krankenhäuser der Reihe nach an, in der Hoffnung, das Kind nicht während der Fahrt zu bekommen“, bestätigt Gerit Sonntag, die hiesige Koordinatorin der Elterninitiative Mother Hood, auch für Bonn.

Symptomatisch sei, dass im Oktober sechs von den acht verbliebenen hiesigen geburtshilflichen Stationen Entbindungshelfer zur Einstellung gesucht hätten. Die Geburtshilfe der Uni-Frauenklinik war und ist auf jeden Fall dabei. „Wir haben 18 Vollzeitstellen eingerichtet, bekommen aber auf 3,5 Stellen einfach keine Fachkräfte mehr“, klagt deren Leiterin Waltraut Merz. Rund 150 Kinder pro Monat würden mit Hilfe des 22-köpfigen Hebammenteams in der Uniklinik geboren, bis zu 2000 im Jahr. „Tendenz kontinuierlich steigend.“

Hebammenmangel bereitet große Sorgen

Als Uniklinik müsse man neben „normalen Geburten“ auch Entbindungen mit höchstem Risikoniveau durchführen und deshalb auch eine gute Besetzung vorhalten. „Es sind immer zwei bis drei Hebammen im Dienst. In der Regel können wir auch eine Eins-zu-eins-Betreuung bieten.“ Dazu stünden Helferinnen aus der eigenen Hebammenschule zur Verstärkung bereit. Ihre Geburtshilfe habe noch keine Patientin abgewiesen, betont Merz. Der bundesweite Hebammenmangel mache ihr aber große Sorgen. „Der Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst in Kliniken mit vielen Geburten ist Knochenarbeit, wobei die Klinikhebammen gegenüber freiberuflich tätigen Hebammen zu schlecht bezahlt werden.“

Steigende Geburtenzahlen verzeichnet auch Marc Heiderhoff, Direktor am Johanniter-Krankenhaus. „Im Durchschnitt sind es monatlich 70.“ Engpässe schließt er aber für seine Klinik aus: Man habe noch keine Schwangere abgewiesen. Alle Hebammenstellen seien besetzt. Planmäßig seien immer zwei Kräfte in den vier Kreißsälen vor Ort. Und dann macht Heiderhoff doch noch eine Bemerkung, die aufhorchen lässt: „Im Gegensatz zu anderen Krankenhäusern zahlen wir keine Kopfprämien für die Vermittlung neuer Hebammen.“