Hausbesetzung im Viktoriakarree

Ende noch nicht in Sicht

Ihre Forderungen präsentieren Mitglieder der Gruppe LIZ während der Pressekonferenz im besetzten Haus im Viktoriakarree.

Ihre Forderungen präsentieren Mitglieder der Gruppe LIZ während der Pressekonferenz im besetzten Haus im Viktoriakarree.

Bonn. Sie wissen natürlich, dass eine Hausbesetzung ein Straftatbestand ist. Deshalb treten die Mitglieder der Kampagne „Für ein libertäres Zentrum in Bonn“ (LIZ) auch nur vermummt den Kameras gegenüber. So wie am Dienstagvormittag, als sie der Presse noch einmal offiziell ihre Beweggründe für die Besetzung eines Gebäudes an der Rathausgasse 16 im Viktoriakarree erläutern wollten.

Seit gut einer Woche nun halten die sogenannten Aktivisten die Immobilie besetzt. Zum einen wollen sie damit gegen den Leerstand im Karree demonstrieren. Zum anderen wollen sie die Stadt Bonn dazu bewegen, ihnen Räume zur Einrichtung eines sogenannten libertären Zentrums zu überlassen, erläuterte einer ihrer Sprecher, der sich Martin nennt. „ So lange wollen wir hier ausharren“, sagte der 24-Jährige, der von sich angibt, Student an der Bonner Universität zu sein.

Unter einem libertären Zentrum sei ein von Menschen „selbstverwalteter“ Ort zu verstehen, an dem ohne kommerziellen Hintergrund kulturelle Veranstaltungen für Jedermann stattfinden könnten. „Das kann durchaus ein offenes Konzept sein“, sagte der Sprecher und verwies auf die bereits erfolgten Konzerte und Veranstaltungen im Haus an der Rathausgasse 16 oder auf eine Demonstration mit Tanz und Musik der LIZ-Aktivisten an Pfingstmontag, die durch die Bonner Innenstadt führte.

Die besetzte Immobilie ist im Eigentum der Signa Holding, ein Unternehmen des Karstadt-Investors René Benko. Die Signa hat im Viktoriakarree mehrere Gebäude gekauft, um dort ein Einkaufszentrum und eine Bibliothek für die Universität zu errichten. Den Verkauf der benötigten städtischen Grundstücke stoppte indes das Bürgerbegehren von Viva Viktoria, dem sich der Stadtrat im Dezember mit Mehrheit anschloss.

Mit einem Verfahren vor der Vergabekammer in Köln versucht Signa aktuell, die Stadt doch noch zum Verkauf zu zwingen (der GA berichtete). Signa selbst verhält sich gegenüber den Hausbesetzern noch abwartend. Signa-Sprecher Robert Leingruber zufolge hat das Unternehmen allerdings Strafanzeige gegen die Besetzer gestellt.

Abwartend gibt sich auch die Bonner Polizei. „Wir haben nach wie vor keine Veranlassung einzuschreiten“, sagte Polizeisprecherin Ruth Braun gestern. Für eine Räumung müsste Signa bei Gericht eine einstweilige Verfügung erwirken, das sei offenbar bislang noch nicht geschehen.

Unter dem Titel „Verbietet das Bauen“ lädt der Buchladen 46 zusammen mit der Initiative Viva Viktoria für Donnerstag ab 20 Uhr zu einem Vortrag mit Diskussion in das Café Blau im Viktoriakarree an der Franziskanerstraße ein.