Mit 14 schon ehrenamtlich tätig

Empfang zum Internationalen Tag des Ehrenamts in Bonn

Bekommen die Ehrenamtskarte:Jan Kosin (von links), Eike Land-Reinhard, Ursula Exner und Annette Stirn.

Bekommen die Ehrenamtskarte:Jan Kosin (von links), Eike Land-Reinhard, Ursula Exner und Annette Stirn.

Bonn. Oberbürgermeister Ashok Sridharan empfängt Jan Kosin und andere Bürger, die sich für andere einsetzen, im Alten Rathaus. „Ohne Ihren Einsatz funktioniert das Miteinander in der Stadt nicht“, lobte der OB.

„Die Luft ist schon ein wenig raus“, bilanzieren Annette Stirn und Ursula Exner. Hätten sich noch vor Jahren viele Menschen in der Flüchtlingshilfe engagiert, so seien es heute deutlich weniger. Doch frustrieren lassen sich die beiden Frauen dadurch nicht. Im Gegenteil. „Mir ist es ein Leben lang gut gegangen, jetzt ist es Zeit, etwas zurückzugeben“ sagt Exner. Für ihr Engagement wurden die beiden Auerbergerinnen am Mittwochabend im Alten Rathaus geehrt. Passend zum „Internationalen Tag des Ehrenamts“ hatte Oberbürgermeister Ashok Sridharan Bonner eingeladen, die sich in ihrer Freizeit für andere einsetzen.

Gemeinsam haben Annette Stirn und Ursula Exner zunächst in der Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe gearbeitet. Daraus ist längst mehr geworden. Mittlerweile bieten sie in einer „Offenen Tür“ Hausaufgabenhilfe für Kinder und Jugendliche an, organisieren Sprachunterricht, begleiten Geflüchtete bei Behördengängen, helfen beim Ausfüllen von Formularen. Zwischen sieben und 15 Stunden sind sie dafür wöchentlich im Einsatz.

Mehr Wertschätzung

„Wir geben nicht nur, sondern wir bekommen auch sehr viel zurück“, beschreibt Stirn ihre Motivation. „Außerdem hat sich mittlerweile eine nette Gemeinschaft unter den Helfern entwickelt, eine wirkliche Bereicherung für mein Leben“, ergänzt Exner.

Dennoch gibt es immer wieder neue Hürden zu überwinden. „Wir brauchen dringend einen Ersatz für das geschlossene zentrale Kleiderlager“, fordert Stirn. Für die Menschen, um die sie sich kümmern, wünschen sie sich, dass der Anerkennungsprozess straffer organisiert wird und in Zukunft deutlich kürzer ist. „Bisher dauert alles viel zu lange“, sind sie sich einig.

Jan Kosin ist erst 18 Jahre alt, aber schon seit Jahren ehrenamtlich aktiv. Als 14-Jähriger trat er in die Freiwillige Feuerwehr Bonn-Mitte ein. „Das macht mir so viel Freude, dass ich auch ganz sicher noch in 50 Jahren dabei sein werde“, sagt er mit einem Schmunzeln beim Treffen mit dem OB. „Die Arbeit ist sehr interessant, und auf die tolle Gemeinschaft möchte ich ebenfalls nicht mehr verzichten. Helfen macht einfach Spaß.“ Allerdings wünschen sich seine Kameraden mehr Wertschätzung und Anerkennung – „sowohl von der Bevölkerung als auch von Arbeitgebern“.

Seniorenbüro Tat und Rat Bonn

Kunst und neue Medien verbinden will Eike Land-Reinhard vom „Seniorenbüro Tat und Rat Bonn“. Seit 15 Jahren engagiert sich die mittlerweile 74-Jährige in dem Verein. „Wir machen digitale Kunst am Computer“, erklärt sie. Unter ihrer Anleitung lernen Senioren, wie man Fotos verändern kann. „Ich will ihnen ein Farb- und Formgefühl vermitteln“, sagt sie. Ihr Ziel: „Sie sollen in der Lage sein, sich sinnvoll zu beschäftigen. Besonders dann, wenn sie alleine sind. Denn nur so bleibt man fit im Kopf.“

Trainiert wird bei ihr allerdings nicht nur der Geist. Bei den Exkursionen auf der Suche nach Fotomotiven absolvieren die Senioren so ganz nebenbei ein kleines Sportprogramm. Auch mit 74 Jahren hat Eike Land-Reinhard noch viele Pläne für die Zukunft. „Ich will einen Computerkurs für Anfänger anbieten, damit sich unsere Generation im Netz bewegen kann.“

„Ohne Ihren Einsatz funktioniert das Miteinander in der Stadt nicht“, lobte Sridharan die ehrenamtlichen Helfer, die in Kirchen, Sozialverbänden, im Karneval, dem Opferschutz oder im Gesundheitswesen aktiv sind. Denn die Stadt lebe von der Vielfalt des freiwilligen Engagements ihrer Bürger. Sridharan: „Wir wollen uns nicht nur bei Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz bedanken, sondern wir wollen Sie und ihre Arbeit heute in den Mittelpunkt rücken.“