Festspielhaus in Bonn

Elf Fragen und Antworten zum Projekt

Das Studentenwohnheim am Rheinufer (links im Bild) müsste für das Festspielhaus fallen.

20.03.2014 BONN. Drei Tage waren sie in Klausur am schönen Ammersee, und herausgekommen ist offenbar ein relativ konkreter Plan, wie es mit dem Festspielhaus-Projekt weitergehen soll. Über Details haben die Deutsche Post DHL, die Stadtverwaltung, die Festspielhaus-Initiativen und weitere Beteiligte Stillschweigen vereinbart. Nach einer wichtigen Entscheidung im Stadtrat nächste Woche wollen sie konkreter werden.

Worum geht es am 27. März im Stadtrat?

Die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für das Gelände rund um die Beethovenhalle soll beschlossen werden. Planungsausschuss und Bezirksvertretung Bonn haben schon zugestimmt. Mit dem Verfahren soll Baurecht für das Festspielhaus geschaffen werden. Den Antrag auf Einleitung haben die Post, der Festspielhaus-Förderverein sowie die Beethoventaler-Genossenschaft gestellt. Sie favorisieren ein Areal südlich der Beethovenhalle: Dort würden die Theaterstraße überbaut und ein Gelände mitgenutzt werden, auf dem derzeit noch ein Studentenwohnheim steht.

Wie groß soll das Festspielhaus werden?

Auf jeden Fall kleiner als in der bisherigen Planung, mit nur einem statt zwei Sälen. Rund 1500 Gäste sollen Platz finden; der Saal soll flexibel nutzbar sein, damit dort auch kleinere Veranstaltungen stattfinden können. Gewünschte Innenhöhe: 20 Meter. Entsprechend müssen die Architekten später die Außenhülle entwerfen, wobei der Neubau nicht höher werden darf als die 23 Meter hohe Kuppel der Beethovenhalle. Deshalb wird auch diskutiert, mit dem Festspielhaus in die Tiefe zu gehen. Es soll etwa 40 Meter breit werden; die Länge steht nicht fest.

Was könnte der Bau kosten?

Noch unklar, aber: weniger als in der Rheinauen-Planung. Dort rechnete der Post-Konzern nach GA-Informationen mit Baukosten von mehr als 100 Millionen Euro.

Wie viel Geld steht bisher zur Verfügung?

Der Neubau muss komplett ohne Steuergelder finanziert werden. Die Post hat 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Förderverein um den IHK-Präsidenten Wolfgang Grießl hat nach eigenen Angaben Spendenzusagen über 6,1 Millionen Euro gesammelt. Die Beethoventaler-Genossenschaft, die mit ihren Einnahmen einen Baukredit finanzieren will, gibt noch keine Erfolgszahlen preis. Es dürfte also noch eine stattliche Summe für die Baukosten fehlen. "Wir werden die bundesweite Sponsorensuche intensivieren müssen", kündigt Grießl an. "Jetzt wird es leichter, weil das Projekt viel konkreter geworden ist." Viel Zeit bleibt nicht mehr: Im Frühjahr 2015 soll der Bauantrag gestellt werden - vorher muss klar sein, ob die Baufinanzierung steht.

Wer zahlt für die baureife Übergabe des Grundstücks?

Nach Darstellung von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ist klar: Diese Kosten trägt die Stadt. In der Rheinaue waren dafür zehn bis zwölf Millionen Euro im Gespräch. Die Kosten an der Theaterstraße sind noch nicht definiert, könnten aber eine hohe politische Hürde für das Projekt werden.

Was muss die Stadt auf dem Baufeld abklären?

Ein Bunker und das städtische Studentenwohnheim am Erzbergerufer müssten abgerissen werden. Für das marode Wohnheim hat das Studentenwerk einen Erbpachtvertrag, der in wenigen Jahren ausläuft. Die Stadt ist in einer guten Verhandlungsposition, weil das Studentenwerk die anstehende Sanierung selbst zahlen muss, wenn es auf Vertragserfüllung pocht. Außerdem zu klären: Die Verkehrsführung muss geändert werden, wenn die Theaterstraße überbaut wird. Kanäle und Leitungen müssen umgelegt werden - beides technisch kein Problem, so die Fachämter der Stadt.

Was ist, wenn das Gelände des Studentenwohnheims nicht bebaut werden kann?

Die angebauten Konferenzsäle im Südforum der Beethovenhalle stehen nicht unter Denkmalschutz. Dort scheint nach den Vorgesprächen zwischen Stadtverwaltung, Post und Denkmalbehörden ein Teilabriss vorstellbar zu sein, um Platz für den Neubau zu schaffen - nach "strenger Prüfung", wie das Presseamt betont. Allerdings: Diese Variante bedeutet Zeitverlust, da sowohl das Urheberrecht der Architekten als auch Denkmalschutzbelange massiv berührt wären. Eine Alternative wäre also eher der bisherige Parkplatz der Beethovenhalle. Doch die Festspielhaus-Förderer drängen auf einen Standort am Rheinufer.

Könnte man die Architektenentwürfe aus dem letzten Wettbewerb nutzen?

Nein, meint der Post-Beauftragte Heiner Küpper. Er hat das Projekt schon vor Jahren für den Konzern koordiniert und ist jetzt für das Festspielhaus aus dem Ruhestand geholt worden. Die früheren Entwürfe, sagt er, hätten zu stark in die Substanz des Denkmals Beethovenhalle eingegriffen.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Bis Ende Mai fordert Küpper von der Stadt, das Baufeld festzulegen. Dann werde die Post auf eigene Kosten den Architektenwettbewerb starten. Die früheren Teilnehmer sollen aufgefordert werden, Entwürfe einzureichen. Aber auch andere wie das Bonner Büro Schommer sind wohl auf der Liste. Ein Preisgericht, über dessen Zusammensetzung auf der Klausurtagung beraten wurde, soll am Jahresende entscheiden. Dann soll im ersten Quartal 2015 die Feinplanung folgen, um im April 2015 den Bauantrag einzureichen. Antragsteller wird eine noch zu gründende Bauherrengesellschaft sein, in die wohl neben der Post der Grießl-Verein und die Beethoventaler-Genossenschaft als weitere Finanziers eintreten werden. Spatenstich soll 2016 sein.

Wie beteiligt sich die Stadt Bonn an den Betriebskosten?

Hausherr wird eine Betriebsstiftung, für die der Bund 39 Millionen, der Rhein-Sieg-Kreis drei und die Sparkasse Köln-Bonn fünf Millionen Euro bereithalten. Die Festspielhaus-Initiativen wünschen sich, dass die Stadt eine Millionensumme ins Stiftungskapital einzahlt. Bleiben die Zinsen so niedrig wie derzeit, würden die Stiftungserträge allerdings nicht ausreichen, um die jährlichen Defizite zu decken. Kulturdezernent Martin Schumacher brachte deshalb vor kurzem die Möglichkeit ins Spiel, dass die Stadt zumindest in den ersten Jahren einen Betriebskostenzuschuss zahlen könnte. Die Summen sind in beiden Varianten noch ungeklärt.

Wer erarbeitet das Nutzungskonzept?

Die Festspielhaus-Initiativen haben eine Unternehmensberatung beauftragt, Vergleichszahlen zu anderen Konzerthäusern zu erarbeiten. Danach geht es um Programmschwerpunkte neben der Nutzung durch das Beethoven Orchester: Aus Sicht der Initiativen liegt das Erstellen des Konzepts in der Hoheit der noch zu gründenden Betriebsstiftung. (Andreas Baumann)