"Bonner Kopf" Bernard Paschke

Einer, der nicht warten kann

Vieles dreht sich bei ihm um Theater, aber nicht alles: Bernard Paschke, der mit 15 sein Abi machte.

Vieles dreht sich bei ihm um Theater, aber nicht alles: Bernard Paschke, der mit 15 sein Abi machte.

Bonn. Sein Abitur machte er mit einem Schnitt von 1,3 als 15-Jähriger. Jetzt, ein paar Monate später, inszeniert Bernard Paschke sein drittes Theaterstück.

Seine größte Schwäche? „Ich möchte immer alles machen, und das möglichst sofort“, sagt Bernard Paschke und lacht. „Ich habe immer wieder Ideen und Pläne, zu denen meine Eltern dann sagen, dass ich die auch noch umsetzen kann, wenn ich 18 oder 25 bin“, führt der 15-Jährige aus. „Aber ich will eigentlich nicht so lange warten.“ Und so ist er derzeit denn auch wieder aktiv.

Nachdem er gerade erst sein Abitur mit 1,3 bestanden hat (Bernard hat zwei Klassen übersprungen) und so ganz nebenbei in diesem Jahr beim Spotlights-Theaterfestival Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“ dramatisierte, sie inszenierte und auch noch eine der Hauptrollen spielte, steht am 3. September seine nächste Premiere an. Mit seinem Klassenkameraden Matti Klessascheck konnte er das Contra-Kreis-Theater von seinem Zwei-Personen-Stück „Die drei Musketiere“ überzeugen. „Ich hatte mehrere Häuser angeschrieben, und Horst Johanning vom Contra-Kreis-Theater hat kurzerhand zu einem Vorspielen eingeladen. Davon war er so begeistert, dass wir jetzt zweimal dort spielen können.“

Dabei ist Bernard, der am 11. Oktober 2000 in Herdecke geboren wurde und im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Bonn zog, ins Theater eher beiläufig hineingerutscht. „Als ich elf war, habe ich mich mal beim Jungen Theater beworben, aber da ist damals leider nichts draus geworden. Ich habe mich dann nur ein wenig mit Poetry Slams beschäftigt, habe aus Spaß den ein oder anderen Text verfasst. Im vergangenen Jahr war ich dann in einem Literaturkurs an meiner Schule, dem Carl-von-Ossietzky-Gymnasium. Wir alle wollten unbedingt Theater spielen. Da habe ich eben beschlossen, ein Stück zu schreiben.“

Beziehungsweise besagte Känguru-Chroniken für die Bühne aufzubereiten. „Das ging schnell, die Dialoge waren ja schon da“, sagt Bernard. Alles ganz einfach. Und das etwa 80-minütige Musketier-Stück? „Das hat so zwei bis drei Wochen gedauert. Da hatte ich ja nur die Rahmenhandlung und musste alles andere selbst schreiben. Das ging aber recht schnell. Allerdings bin ich auch jemand, der während der Proben ständig versucht, die Szenen noch zu verbessern. Das Skript verändert sich also noch.“

Kein "Überflieger“ oder „Wunderkind“

Irgendwie scheint Bernard Paschke alles sehr leicht von der Hand zu gehen. Doch als „Überflieger“ oder gar als „Wunderkind“ sieht er sich nicht, verweigert sich im Gegenteil nachdrücklich derartigen Bezeichnungen. Es geht um mehr. „Durch solche Charakterisierungen wird man nur ausgegrenzt, gehört nicht mehr dazu“, sagt er.

Was für einen Jugendlichen, dessen Klassenkameraden im Schnitt zwei Jahre älter sind, ohnehin manchmal schon ein Problem darstellt. „Es ist nicht immer so toll, der Jüngste zu sein“, sagt Bernard. „Manchmal scheitert es schon daran, dass die anderen noch in eine Kneipe oder einen Club gehen wollen und ich wegen meines Alters nicht mit hinein darf. Andererseits hatte ich eine unglaublich tolle Stufe, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Alleine wie die Mitschüler bei den 'Känguru-Chroniken' meinen Anweisungen gefolgt sind, war klasse. Insofern kann ich mich nicht beschweren.“

Dennoch will Bernard den Vorsprung, den er vor seinen Altersgenossen hat, zunächst einmal für eine Auszeit nutzen. Unmittelbar nach der zweiten Aufführung im Contra Kreis Theater fährt er für ein Jahr nach Barcelona, um dort sein Spanisch zu verbessern und nebenher eine ganz normale Schule zu besuchen. Mit Gleichaltrigen. Einfach mal das Leben genießen. Erfahrungen sammeln. Seinen Hobbys nachgehen.

„Ich mache gerne Sport, zum Beispiel Badminton. Außerdem lese ich unglaublich gerne.“ Vielleicht auch irgendwas schreiben. „Studieren möchte ich erst, wenn ich 18 bin“, sagt er. Klar ist nur, dass Bernard der Bühne treu bleiben will. „Die letzten Erfahrungen mit dem Theater waren so toll, dass es für mich gerade nicht viel gibt, was ich lieber machen würde“, gesteht er. Und so ist es denn auch ein Regie-Studium, dass er ins Auge gefasst hat. In zwei Jahren. So lange will er warten. Dafür hat er die Geduld? „Erst einmal ja“, sagt Bernard und lacht. „Ich freue mich einfach auf die Zeit in Spanien. Was danach kommt, wird sich zeigen.“