Von Düsseldorf bis Mainz

Eine Rheinfahrt durch Raum und Zeit

Hermann Rheindorf während der Pressepräsentation des Films "Die große Rheinfahrt" im Stadtmuseum Bonn

Hermann Rheindorf während der Pressepräsentation des Films "Die große Rheinfahrt" im Stadtmuseum Bonn

Bonn. Der Kölner Filmemacher Hermann Rheindorf hat überall Celluloid-Schnipsel gesammelt und den Strom mit Aufnahmen, die zwischen 1925 und 1985 gemacht wurden, bewegt ins Bild gesetzt.

Bonn-Premiere für einen neuen Film des Kölner Filmemachers Hermann Rheindorf: Im Bonner Stadtmuseum stellt er am Freitag Teil 3 seiner Filmreihe „Die große Rheinfahrt in historischen Filmaufnahmen“ vor.

 In diesem brandneuen Werk präsentiert er den Rhein von Düsseldorf bis Mainz in Aufnahmen, die zwischen 1925 und 1985 entstanden sind. „Wir besuchen die verschiedensten Orte in unterschiedlichen Epochen des 20. Jahrhunderts und wagen Zeitsprünge von etwa 60 Jahren“, sagt Rheindorf.

Zu beobachten ist die wirtschaftliche und technische Entwicklung mit einem rasanten Wandel in Politik und Gesellschaft. Der Film zeigt bewegte Bilder von der Weimarer Republik, der Nazi-Diktatur und der Bundesrepublik, eine Entwicklung von nur 40 Jahren – manches noch in Schwarz-Weiß, das meiste in Farbe, aber immer laufende Bilder und nie Standbilder.

Der Bonner Abschnitt in seinem neusten Werk beginnt in Bergheim, das Rheindorf als das älteste Fischerdorf Deutschlands bezeichnet, mit dem Fischereimuseum und der Entwicklung des Fischens in dieser Epoche.

Kennedy-Besuch 1963

Danach wird der Glanz der Bundeshauptstadt Bonn anhand des Kennedy-Besuchs 1963 gezeigt. Kennedy trägt sich ins Goldene Buch von Bonn ein, Tausch der Geschenke mit OB Daniels, Fahrt durch Bonn mit Kanzler Adenauer, Menschenmassen stehen sogar auf der Autobahn und winken.

Das ganze Filmmaterial hat Rheindorf von den Amerikanern bekommen. Schließlich ein Schwenk zum Drachenfels und zur Drachenburg, historisch verbunden mit einem Schwenk von den 20er in die 70er Jahre. Und dann zeigt er noch den Rolandsbogen mit Aufnahmen aus den 50er Jahren. Alles getreu dem Motto „Am Puls des Stroms“.

In Bonn kennt man die Filme von Georg Divossen, der in seinen Werken über Alt-Bonn gern auf Bildsammlungen zurückgreift. Nicht so Rheindorf, der 1965 in Köln geboren wurde. Er ist Sammler von „Filmschnipseln“. „Seit 21 Jahren beschäftige ich mich mit dem Sammeln von historischen Filmaufnahmen“, berichtet er.

In Köln wie in Bonn sei die Stadt nie systematisch gefilmt worden. Also musste er sich auf die Suche machen, in Filmarchiven, bei Medien oder Privatleuten stöbern, um diese Schnipsel zu bekommen und zu einem langen Film zusammenzusetzen.

Vier Jahre lang recherchiert

„Vier Jahre lang habe ich die Archive dieser Welt abgeklappert, um meinen ersten Köln-Film fertigstellen zu können“, berichtet er. So hat sich Rheindorf ein gutes Netzwerk auch von Kameraleuten erarbeitet, die viel unveröffentlichtes Material beisteuern konnten. 2011 hat er die erste historische Rheinreise von Köln nach Mainz veröffentlicht.

Sogar von Familien englischer Besatzungssoldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Rheinland waren, erhielt er Aufnahmen. Er war auch im National Museum of American History in Washington D.C. und hat von dort unveröffentlichte Filmaufnahmen mitgebracht, die Präsident John F. Kennedy in Bonn zeigen. Das gesamte Material hat er überarbeitet und technisch aufpoliert.

„Meine Zielgruppe sind Menschen unterschiedlicher Generationen“, sagt Rheindorf abschließend, „nicht nur die Älteren unter uns. Und ich stelle gerne die Offenheit der Rheinländer heraus. Insbesondere in Zeiten, wo wieder ab- und ausgegrenzt wird.“