Gedenkgottesdienst für Jens Bleck

Eine Mauer der Erinnerung

in Erinnerung an Jens Bleck wurden auf dem Altar der Krypta der Kreuzkirche mitgebrachte Steine zu einer Klagemauer aufgeschichtet.

in Erinnerung an Jens Bleck wurden auf dem Altar der Krypta der Kreuzkirche mitgebrachte Steine zu einer Klagemauer aufgeschichtet.

Bonn. Angehörige und Bürger haben am Donnerstag in der Kreuzkirche des 2013 zu Tode gekommenen Jens Bleck gedacht.

Außer den getragenen Takten von Mussorgskys Klaviersatz Catacombae, interpretiert von Marcus Schinkel, waren nur noch Stille und Einkehr in der Krypta der Kreuzkirche zu vernehmen, als die vielen Menschen in den Bänken ihre Plätze eingenommen hatten, um gemeinsam an Jens Bleck zu denken.

Ganz hinten, in der letzten Reihe saßen die Eltern, der Bruder und die Freundin des jungen Bonners, der unter bis heute ungeklärten Umständen nach dem Besuch einer Diskothek in Bad Honnef ums Leben kam. Auf den Tag genau drei Jahre zuvor, am 24. November, war den Eltern nach zweiwöchiger Ungewissheit von der Polizei die Nachricht überbracht worden, dass der Leichnam ihres Sohnes im Rhein gefunden worden war.

Wie und warum Jens sterben musste, ist trotz zahlreicher Hinweise auf Auseinandersetzungen innerhalb und vor der Diskothek bis heute ungeklärt. Auch der Umstand, dass dabei das Vorgehen der Ermittlungsbehörden viele Fragen aufwirft, hat in der Bevölkerung eine Welle der Anteilnahme erzeugt. Öffentliche Aufmerksamkeit hatte der Fall vor allem durch die Recherchen von GA-Redakteur Wolfgang Kaes erfahren, was auch Pfarrer Siegfried Eckert mehrfach erwähnte, der den Gedenkgottesdienst organisiert hatte und leitete.

Im Kerzenschein der Krypta sparte Eckert nicht mit klaren Worten. Dass alle Anzeichen des Hergangs für ein Verbrechen sprächen, trug er in seiner Eröffnung ebenso vor, wie er das Handeln von Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden hinterfragte.

Noch deutlicher gegenüber allen, die im Zusammenhang mit dem Tod des 19-Jährigen Schuld auf sich geladen haben, wurde der evangelische Pfarrer kurz darauf in Anlehnung an das Matthäus-Evangelium, in dem Johannes der Täufer seine Glaubensbrüder vor zu viel Arroganz und Selbstgewissheit warnt.

Eckert: „Seid Euch nur nicht zu sicher. Im Notfall könnte Gott die Steine sprechen lassen, damit sie uns erzählen, was damals geschehen ist, in der Nacht vom 8. auf den 9. November auf der Brücke vor der 'Rheinsubstanz' in Bad Honnef. Seid Euch nicht zu sicher, wir werden keine Ruhe geben. Irgendwann wird das Schweigen gebrochen werden, weil nur die Wahrheit frei macht, und die Trauer um Jens erst richtig beginnen kann, wenn Licht ins Dunkel dieser mörderischen Nacht gekommen ist“, sagte Eckert und griff ferner zurück auf eine Szene im Lukas-Evangelium, in dem Pharisäer Jesus darum bitten, er möge seinen Jüngern den Mund verbieten – worauf Jesus entgegnete: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Eckert: „Genau das hätten einige gerne – uns den Mund verbieten“.

Die Unruhe in Politik und Bürgerschaft sei so lange nicht ruhigzustellen, „so lange Antworten auf berechtigt gestellte Fragen fehlen. Wir werden uns nicht ruhigstellen lassen, und wir werden nichts vergessen“, sagte Eckert, der sodann dazu einlud, in Anlehnung an die jüdische Friedhofskultur mitgebrachte Steine in Erinnerung an Jens zu einer Mauer auf dem Altar aufzuschichten. Die Mauer des Erinnerns wurde – auch als Symbol gegen die Wand des Schweigens – im Anschluss von Teilnehmern an jene Stelle auf der Brücke zur Insel Grafenwerth gebracht, an der sich Jens' Spur vor drei Jahren verlor.

Unter den Teilnehmern war auch der FDP-Landtagsabgeordnete Gerhard Papke, der bei der Wahl 2017 nicht wieder kandidieren wird. Papke und seine Fraktion hatten den Fall zum Thema im Landtag gemacht. Bei möglichen Versäumnissen von Polizei und Justiz sei auch die Politik gefordert, sagte er. Alle staatlichen Institutionen, so Papke, seien es Jens' Eltern schuldig, bei der Aufklärung nichts unversucht zu lassen.