Ringvorlesung "Alles geschenkt?!" in Bonn

Eine Knochenflöte erinnert an das Paradies

BONN. "Als Gott Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb, gab er ihnen noch die Musik mit. Als Geschenk erinnert sie an den, der sie geschenkt hat, an Gott." Erinnerungswürdig war für die Besucher der Lutherkirche auch der Montagabend, den Pfarrer Joachim Gerhardt der theologischen Bedeutung von Geschenken gewidmet hatte.

Den Rahmen dazu bildet die gemeinsame öffentliche Ringvorlesung "Alles geschenkt?!" der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Universität Bonn. Gute Geschenke hätten immer einen tieferen Sinn: Sie stifteten Gemeinschaft und schenkten zugleich Freiheit, so Gerhardt.

"Wo Geld geschenkt wird, droht die Erinnerung zu leiden", übte Gerhardt Kritik an einer Schenkkultur, die ins Materielle abdrifte. "Ich habe mir zu meiner Konfirmation einen iPad gekauft", bekomme er da etwa von einem Jugendlichen zu hören. Dass das Geld von der Großmutter kam, sei da schon in Vergessenheit geraten. Auf die dunklen Seiten des Schenkens wies auch eine Zuhörerin hin: Das Danaergeschenk - ursprünglich das trojanische Pferd - das sich für den Empfänger als unheilvoll und schadensstiftend erweist, oder, modern und sehr umstritten: Steuergeschenke.

Musik als Gottesgeschenk - daran erinnerten Kantor Berthold Wicke und Susanne Schietzel-Mittelstraß mit Werken von Bach, Mozart und Messiaen. Schietzel-Mittelstraß entlockte der Nachbildung einer rund 40.000 Jahre alten Schwanenknochenflöte Musik aus der Nähe des Paradieses - schließlich sei diese Flöte das älteste bekannte Musikinstrument.

Nächster Termin: Podiumsdiskussion und Infos zum Schenken und Spenden am 27. Mai, 18:30 Uhr bei der Aktion Mensch, Heinemannstraße 36, 53175 Bonn. Der Eintritt ist frei.