Austellung in der Gertrudiskapelle

Eine Hauskapelle für das Frauenmuseum

Pfarrer Rüdiger Petrat und Prälat Johannes Schlößer segen den Gertrudis-Raum im Frauenmuseum.

BONN. Die Fundstücke, die in der Hauskapelle des Frauenmuseums ausgestellt sind, haben eine lange Geschichte. Sie gehören zur im Krieg zerstörten Altstadt am Rheinufer. Am Sonntag wurde die Kapelle eingesegnet. Ausstellungsstücke erinnern an die heilige Gertrud und die historische Bonner Altstadt.

Den Bezug zum Frauenmuseum stellt die Gertrudiskapelle her, die bis zu den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg in der Giergasse (Gertrudgasse) stand. Die Bedeutung der heiligen Gertrud ist mannigfaltig. Sie gilt als Schutzpatronin der Altstadt, Seelenhüterin der Sterbenden, Patronin der Reisenden zu Land und zu Wasser, Schutzheilige gegen Mäuseplagen und sie ist die Schutzpatronin der Gärtner.

626 wurde Gertrud in Brabant südlich von Brüssel in einer mächtigen Familie geboren. "Sie war eine Querdenkerin", sagte Marianne Pitzen, Leiterin des Bonner Frauenmuseums über die Äbtissin von Neville. "Sie konnte lesen und schreiben, was für Frauen im frühen Mittelalter nicht ungefährlich war und sie gab ihr Wissen weiter. Sie setzte sich dafür ein, dass auch Mädchen die Heilige Schrift lesen konnten. Gertrud wird auf Abbildungen fast immer mit einem Buch in der Hand dargestellt. Daher auch die Verbindung zum Frauenmuseum", so Pitzen. Gertrud starb am 17. März 659 mit 33 Jahren.

Die Exponate im Frauenmuseum sind den hartnäckigen Recherchen des Bonner Künstlers Curt Delander zu verdanken. Dort wo heute das Neubauensemble Rheinlogen steht, befand sich ursprünglich die Bonner Altstadt. Bevor der Neubau am Brassertufer errichtet werden konnte, führte das Amt für Bodendenkmalpflege dort archäologische Grabungen durch. Curt Delander schaute immer wieder dort vorbei und sicherte sich Fragmente. Ein beinahe vergessener Teil der Bonner Geschichte trat nach und nach ans Tageslicht.

Die Archäologen fanden Reste der Gertrudiskapelle und Gebrauchsgegenstände aus den ehemals anliegenden Häusern. Etwa ein Milchkännchen oder eine Suppenterrine."Die Grundmauern der Gertrudiskapelle, die 1258 erstmalig erwähnt wurde, standen nach dem Krieg noch, man hätte die Kapelle restaurieren können", sagt Delander. Doch man entschied sich damals, die Kirche abzutragen.

Der Grund, warum der Bonner Künstler an der Baustelle recherchierte war, dass seine Großmutter einst in der Nachbarschaft lebte. Ihr war er es schuldig, den Teil der Bonner Geschichte zu bewahren. Ein Bildstock mit Gertrudis-Figur und Originalsteinen soll unweit der Rheinlogen an die Gertrudiskapelle erinnern.

An der Einsegnung des Ausstellungsraumes im Frauenmuseum durch Prälat Johannes Schlößer und Pfarrer Rüdiger Petrat nahmen sehr viele Bonner begeistert und ergriffen teil.