Zahlreiche Einbrüche in der Region

Einbrecherbande beschäftigt das Bonner Landgericht

Symbolbild

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Region/Bonn. Die Staatsanwaltschaft wirft den Mitgliedern eines osteuropäischen Familienclans zahlreiche Straftaten unter anderem im Rhein-Sieg-Kreis vor.

Der Gerichtssaal im Bonner Landgericht ist voll von Mitgliedern eines osteuropäischen Familienclans: Sechs junge Männer sitzen als mutmaßliche Mitglieder einer Einbrecherbande auf der Anklagebank. Ihre Frauen, Mütter, Väter, Brüder und Kinder bevölkern den Zuschauerraum.

Die Anklage gegen die sechs Angeklagten und drei weitere Clanmitglieder – zwei müssen sich demnächst gesondert vor dem Landgericht verantworten, einer wurde zwischenzeitlich abgeschoben – ist so lang, dass Staatsanwältin Saskia Steinebach für die Verlesung eine ganze Stunde benötigt. Die Vorwürfe: Die Männer im Alter zwischen heute 21 und 31 Jahren sollen in wechselnder Besetzung eine ganze Serie von Einbrüchen in Wohnungen und auch Autodiebstählen begangen und Beute im Wert von ungefähr 400.000 Euro gemacht haben.

Laut Anklage schlugen die Täter zwischen Oktober 2015 und Januar 2017 insgesamt 40 Mal zu – in der hiesigen Region in Bad Honnef, Königswinter, Sankt Augustin, Hennef, der Eifel sowie im Raum Köln und Düsseldorf. Außerdem brachen Mitglieder der Truppe laut Anklage auch Fahrzeuge auf und stahlen, was nicht niet- und nagelfest war. Um in die Häuser und Wohnungen zu gelangen, hebelten die Täter die Terrassentüren auf und nahmen mit, was für sie von Wert war: Bargeld, Schmuck, Fernseher, Elektronikartikel aller Art, Handys, aber auch Kleidungsstücke. In einem Fall machten sie auch vor einem gerade gelieferten Zalando-Paket nicht halt: Die Täter öffneten es, befanden die dort enthaltenen Pullover für passend und nahmen sie mit.

Die beiden, die demnächst gesondert vor Gericht stehen, ein 31-jähriger und seine Freundin, hatten allerdings laut Anklage noch etwas anderes im Visier: Sie hatten es vor allem auf teure Autos abgesehen. Bei Einbrüchen wurden deshalb erst die Autoschlüssel mitgenommen und anschließend vor dem Haus die entsprechenden Wagen. In Bad Honnef-Aegidienberg verschwanden auf diese Weise Ende Juli/Anfang 2016 gleich fünf hochwertige Autos. Bei einem Wagen soll die Freundin dem 31-Jährigen beim Verkauf geholfen haben.

DNA-Spuren am Tatort hinterlassen

Auf die Spur kam die Polizei der Bande durch intensive und aufwendige Ermittlungsarbeit. Unter anderem hatte einer der Täter seine DNA-Spuren bei einem Einbruch hinterlassen. Auch ein gestohlenes Fahrzeug, das später in Bergisch-Gladbach aufgefunden wurde, half den Fahndern laut Anklage bei der Identifizierung der Bande weiter.

Im Fall eines 23-jährigen Täters, der nun mit auf der Anklagebank sitzt, hatten die Ermittler es besonders leicht: Nach dem Einbruch in eine Wohnung in der Eifel wurde er im Fluchtauto geblitzt. Und als schließlich seine Wohnung durchsucht wurde, stießen die Polizeibeamten auf einen Fernseher, der eindeutig aus dem Einbruch stammte: Dessen Eigentümer hatte als Bildschirmschoner ein Foto seiner Frau installiert.

Dieser Angeklagte ist nun auch der einzige, der an diesem ersten Prozesstag zu reden bereit ist – und die beiden ihm vorgeworfenen Tatbeteiligungen zugibt. Seine Mittäter aber benennt er nicht. Drei weitere Angeklagten kündigen an, ihr Schweigen an den nächsten Prozesstagen brechen zu wollen.