Diebe in Zülpich

Einbrecher-Duo in 46 Fällen vor Bonner Landgericht angeklagt

Der Schatten eines Mannes ist hinter einer gläsernen Wohnungstür zu sehen.

Zwei Einbrecher sollen in Zülpich ihr Unwesen getrieben haben.

Bonn/Zülpich. Sie stiegen in Schulen, Altenheimen und Kindergärten ein und machten auch vor dem Rathaus nicht halt. Zwei Einbrecher sollen in Zülpich Einbruchsdiebstahl in 46 Fällen begangen haben. Dafür hatten sie eine ungewöhnliche Helferin.

In fünf Kindergärten, vier Schulen, Büros von Kirchengemeinden sind sie eingestiegen. Aber auch in Autowaschanlagen, Altenheimen oder in der Verwaltung einer Großküche sollen sie aufgetaucht sein. Sogar in der Zülpicher Tafel haben sie ein Sparschwein mit 150 Euro geschlachtet. Und schließlich sollen sie das Rathaus regelrecht ausgeräumt haben. Fast anderthalb Jahre, von Oktober 2015 bis Januar 2017, waren die beiden 31 und 37 Jahre alten Angeklagten unterwegs.

Die Ortsgrenze von Zülpich haben die Einbrecher nur in einem Fall überschritten. Als sie einen aus der Rathausgarage gestohlenen VW Passat auf einem Feldweg entsorgen wollten und in Brand gesetzt haben. Seit Dienstag sitzt das Duo auf der Anklagebank des Bonner Landgerichts. Der Staatsanwalt wirft den beiden Einbruchsdiebstahl in 46 Fällen vor, darüber hinaus eine Brandstiftung sowie dreifachen Computerbetrug. In 21 Fällen sollen sie die Einbrüche gemeinsam begangen haben. Am ersten Prozesstag zeigten sich die einstigen Komplizen - einschlägig vorbestraft - grundsätzlich geständig; allerdings gab es wiederholt Irritationen, weil die beiden sich wegen der vielen Taten nicht identisch erinnerten und sich häufig widersprachen.

An eine Übernachtung in einem Kindergarten hingegen konnte sich der Jüngere bestens erinnern. Bei diesem Einbruch hatte er, wie er erzählte, die Gelegenheit genutzt, endlich mal zu duschen und besten Apfelsaft zu trinken. Zum Dank nahm er Beamer und zwei Digitalkameras mit. Bei ihren Streifzügen entwendete das Duo alles, was es zu Geld machen konnte: Vor allem Laptops, Digitalkameras oder Playstations mit Zubehör und Spielen. In allen Gebäuden hinterließen die Täter ziemlichen Sachschaden, der zumeist höher war als die Beute.

Sie hatten laut Anklage eine ungewöhnliche Helferin: Die Lebensgefährtin des 37-Jährigen, die damals als Putzfrau gearbeitet hat, soll sie mit Originalschlüsseln versorgt haben: Darunter von einer Jugendeinrichtung, wo sie aus dem Tresor 2000 Euro entwendeten; den Code für den Safe fanden sie auf einem Aktendeckel. Um ein gewaltsames Eindringen in das Gebäude vorzutäuschen, wurde die Holztür nachträglich beschädigt. Zu dem größten Coup hatte nach Ermittlungen des Staatsanwalts ebenfalls die Freundin beigetragen: Die 36-Jährige soll dem Duo den Schlüssel zum Zülpicher Rathaus verschafft haben, von dem sie - laut Anklage - einen Nachschlüssel anfertigten und in das sie in der Nacht zum 4. September 2016 "reinspaziert" sind.

Drinnen sollen sie 24 Innentüren aufgehebelt und Schreibtische und Schränke durchsucht haben: Neben der elektronischen Hardware im Wert von knapp 10.000 Euro ließen sie Scheckkarten, einen Behindertenausweis, den General-Schlüssel eines Gymnasiums und den Tresorschlüssel der Stadtkasse mitgehen. Die Lebensgefährtin muss sich demnächst vor dem Amtsgericht in Euskirchen verantworten. Die Anklage wirft ihr Einbruchsdiebstahl und Beihilfe zum Computerbetrug vor.