Stadtspaziergang in Dottendorf

Ein dörfliches Eckchen von Bonn

DOTTENDORF. Die Anwohner des Stadtteils Dottendorf schätzen ihre Wohnlage sehr. Dank der guten Anbindung durch die Straßenbahnlinien 61 und 62 ist man schnell in der Innenstadt, zudem ist der Ortsteil am Venusberg gelegen und bietet dem Naturfreund viel Grün und schöne Wanderwege.

Rund 5.750 Einwohner leben in diesem Stadtteil. Seit seiner ersten Erwähnung im Jahre 804 konnte der Ort bis heute seinen ländlichen und dörflichen Charakter bewahren. Dies wird insbesondere durch die alten Fachwerkhäuser an der Winzerstraße belegt. Das älteste Haus mit einem Wegkreuz wurde erstmals urkundlich 1746 erwähnt. Der Straßenname geht auf den Weinanbau im Ort zurück, der noch vor 100 Jahren am Hang des Venusberges betrieben wurde. Dort erstreckten sich große Weinflächen.

"Die Winzerhäuschen stammen aus der Weinbautradition, es wurde vor allem gekeltert. Bis 1904 die Reblaus aus Amerika eingeschleppt wurde und den Weinbau zerstörte. Der letzte wilde Weinberg wurde 1936 an der Winzerstraße durch Wilhelm Tenten gerodet", erklärt Historiker und Bonner Stadtspaziergänger Rainer Selmann. Der Name des Ortes hat sich im Laufe der Geschichte wenig verändert. "Dottendorf selbst leitet sich von Dodo ab. Es war ein Ritter Dietrich im Ort ansässig, und früher wurde Dietrich mit Dodo oder Dotto abgekürzt", so der Historiker.

In 804 wurde die Gemeinde als Dottendorp benannt, dies wechselte später mit geringen Änderungen von Dottendorpf in Dottindopp. Mittelpunkt der Gemeinde war die Burg Dottendorf. Offiziell wurde das Gemäuer erstmals 1491 erwähnt. "Der Kellerbereich ist wohl aus dem 9. Jahrhundert, die Burg stammt vermutlich aus karolingischer Zeit", vermutet Selmann.

Die Karolinger regierten mit Unterbrechungen zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert über das Ost- und Westfrankenreich. Jahrhunderte später wurde die Burg 1850 von dem Unternehmer Carl Baunscheidt aufgekauft. "Er ließ sie gleich abreißen, danach entstand die heutige Burg. Alte Grenzsteine erinnern an diesen Burgherrn", sagt Selmann. Das Gemäuer und umliegendes Gelände wurde 1922 vom Magdalenenstift erworben, um darin ein Säuglingsheim und Wohnungsmöglichkeiten für ledige Mütter unterzubringen.

Daraus ging ein Kinderkrankenhaus hervor, das bis 1994 von Nonnen unterschiedlicher Orden geleitet wurde. Danach folgte der Umzug ins St.-Marien-Hospital. Die Burg war bis 2010 in Privateigentum und ist seitdem Sitz des Bonner Geburtshauses. Gegenüber der geschichtsträchtigen Burg befindet sich ein weiterer Blickfang. "Es ist die Pfarrkirche St. Quirinus, die 1891 entstand", berichtet Selmann. Diese sei jetzt nicht so alt, aber es habe eine Vorgängerkirche auf dem Gelände der Dottendorfer Burg gegeben.

"Diese stammte aus dem 11. bis 12. Jahrhundert und hieß bis 1649 St. Stephanus. Der Bau ist allerdings 1905 abgerissen worden", so der Historiker weiter. Beim Abbruch wurden alte Inschriften aus den Gründungsjahren der Stephanus-Kirche entdeckt. Diese befinden sich nun im Bonner Landesmuseum.

"Die barocken Gräber auf dem Dottendorfer Friedhof kamen ebenfalls vom ursprünglichen Stephanus-Kirchhof", ergänzt er. Rund 60 Grabmale und Kreuze stammten aus der Epoche zwischen 1567 und 1777, der kleine Dottendorfer Friedhof hingegen wurde weitaus später im Jahr 1905 eröffnet.

Nur ein Jahr zuvor war Dottendorf in die Stadt Bonn eingemeindet worden. Bei einem Spaziergang durch den Ortsteil gibt es in den kleinen Gassen und Straßen schöne Wege zu entdecken. Ruhig ist es hier vor allen Dingen, dies begeisterte auch den einstigen Burgherrn Baunscheidt: "So liegt Dottendorf als liebliches Plätzchen, das sich je ein Ruhe und Frieden suchendes Menschenherz zum wonnigen Aufenthalte wählen könnte."