Kirschblüte in der Bonner Altstadt

Ein Traum in Rosa

Die ersten Bäume in der Altstadt blühen – und die ersten Motivjäger sind da. Ihre Zahl wird sich noch drastisch erhöhen.

Die ersten Bäume in der Altstadt blühen – und die ersten Motivjäger sind da. Ihre Zahl wird sich noch drastisch erhöhen.

Bonn. Wenn es rosa wird, kommen die Touristen in Scharen. Schon lange ist Bonn nicht mehr nur wegen seines berühmten Sohns Ludwig van Beethoven beliebtes Touristenziel, auch die Kirschblütenpracht in der Altstadt erweist sich als Besuchermagnet. Und so kommen jedes Jahr im Frühjahr die Touristengruppen nach Bonn, um sie zu bestaunen.

Auch jetzt sind schon viele Kirschblütenfreunde angereist, dabei haben sich noch nicht alle Knospen geöffnet. Lange wird es jedoch nicht mehr dauern, dass Hobbyfotografen den rosa Kirschblütentunnel in Max-, Heer- und Breite Straße einfangen können. Und der General-Anzeiger sucht dabei die schönsten Leserfotos.

Ein Japaner entdeckte am Mittwoch schon einen blühenden Baum am Sterntor und rückte ihm mit einer Makrolinse auf die Blätter. Und die Studentinnen Yun Zhang und Shengya Zhao besuchten die Altstadt, um neben ihren Einkäufen die langsam sprießenden Bäume anzuschauen. Ein wenig enttäuscht waren die beiden jungen Frauen aus Aachen und Düsseldorf allerdings schon, dass es noch nicht so richtig losgegangen ist. „Auch in unserer Heimat China sind die Kirschblüten sehr beliebt. In ein paar Wochen werden wir wiederkommen, vielleicht haben wir dann mehr Glück“, sagte Kommunikationsdesign-Studentin Yun Zhang.

Laut Stadt erlangte die zumeist Mitte April blühende Heerstraße weltweite Bekanntheit, nachdem sie 2012 in die Liste der Facebookseite „Places to see before you die“ aufgenommen wurde – also eine Seite über die schönsten Plätze der Welt, die man im Leben gesehen haben sollte. Touristen kommen vor allem aus China und Japan, feiern Japaner doch selbst zu Hause das Kirschblütenfest „Hanami“.

Thomas von dem Bruch, stellvertretender Geschäftsführer bei Tourismus & Congress (T&C) Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler, erklärt, dass der touristische Erfolg schon im Frühjahr 2015 erkennbar gewesen sei. „Im Kirschblütenmonat April stiegen die Übernachtungszahlen der Japaner um 84 Prozent an – mit insgesamt 572 Übernachtungen. Wir haben die Blüte in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Flyer unter anderem auf der Tourismusbörse in Berlin beworben und sind dort auf großes Interesse bei den Reiseveranstaltern gestoßen.“

Die Herausforderung für die Vermarktung liege in der Kurzfristigkeit, da der Blütetermin nicht im Voraus zu bestimmen sei. T&C wirbt verstärkt auf Social-Media-Kanälen mit Berichten über die Altstadt und hat damit Rekordzugriffe und eine Rekordreichweite erlangt.

Kirschblütenfest am 23. April

Seit einigen Jahren gibt es inzwischen in Bonn das Kirschblütenfest, das am Samstag, 23. April, stattfindet. Das Bühnenprogramm an der Marienschule dauert von 11 bis 20 Uhr. Der Flohmarkt in der gesamten Altstadt beginnt schon um 10 Uhr. Doro Herbst, Mitinhaberin vom Café und Modeladen „Frau Holle“ spricht von einem „förmlichen Hype, der sich um die Kirschblüten in den letzten Jahren entwickelt hat“. Ab 15 Uhr spielt dort, an der Breite Straße, die Coverband „Soul2stay“. Im letzten Jahr war das Fest noch von der Altstadtinitiative organisiert worden, die aufgrund der hohen Besucherzahl von geschätzt 20 000 Besuchern die Planung des Kirschblütenfests inzwischen an die Agentur Aventan übergeben hat.

Aufgrund der vielen Besucher werden dieses Jahr ganze Straßenzüge wie die Heer- und Breite Straße für den Autoverkehr gesperrt. In der Nähe von „Frau Holle“ befindet sich der Altstadtbuchladen, der von 12 bis 16 Uhr eine besondere Aktion mit Shakespeare-Zitaten plant. Denn zufällig fällt das Kirschblütenfest auch auf den Welttag des Buches und den 400. Todestag des englischen Dramatikers und Lyrikers William Shakespeare. Inhaber Hartmut Löschcke freut sich immer noch darüber, wie schön die Altstadt durch die Blüte geworden ist.

Die Japanische Blütenkirsche, wissenschaftlich unter dem Namen Prunus serrulata aus der Familie der Rosengewächse bekannt, gibt es seit 1984 in der Altstadt in verschiedenen Sorten. Dabei ist es eher ein Zufall, dass dort heute Zierkirschen stehen. Die damalige Stadtplanerin Brigitte Denkel wollte im Zuge von Sanierungsarbeiten das triste graue Bild des Handwerks- und Bürgerviertels zunächst durch Weißdorn verschönern, doch der war bei den ansässigen Baumschulen nicht verfügbar, wie die Stadt berichtet. So sind nun die bis zu zehn Meter hohen Blütenkirschen zum Charakteristikum im Viertel geworden und prägen das Bild im Frühling.

Vereinzelte Blüten im November

Der Beginn der Blütezeit ist vom Wetter abhängig, so waren sie wegen des Wetters sogar schon im November des vergangenen Jahres vereinzelt zu sehen. „Das ist auf die milden Temperaturen zurückzuführen, sodass bei einigen Bäumen die Knospenruhe unterbrochen wurde“, erklärt Wolfram Lobin, Botaniker und Kustos bei den Botanischen Gärten der Universität Bonn. Einige Sorten, wie die Higan-Kirsche in der Südstadt, blühten zwar regulär im Herbst, die Mehrheit dürfte aber erst jetzt in voller Pracht stehen.

Japanische Säulenkirschen leuchten in der Maxstraße in einem hellen Rosa. Es folgen demnächst die Zierkirschen in der Michael-, Dorotheen- und Franzstraße. Die Japanische Zierkirsche ist auch Lobins Liebling, die mit vielen Blättern gefüllten Blüten faszinieren den Botaniker. Ein eher kräftiges Rosa haben die Japanischen Nelkenkirschen in Heer- und Breite Straße. Nach ihrem Höhepunkt Mitte April dauert die Blütenpracht noch zehn bis vierzehn Tage an, dann ist bis spätestens Anfang Mai alles verblüht. Eines ist diesmal recht sicher: Das Kirschblütenfest wird in diesem Jahr termingerecht seinem Namen gerecht.

Die Blüte im Internet: Es gibteinen täglich aktualisierten Kirschblütenblog von Victoria Harlos auf www.kirschbluete-bonn.de. Mehr auch auf www.kirschbluetenfest-bonn.de