Kommentar zur Bädersituation in Bonn

Ein Streit ohne Ende

Das Frankenbad in der Bonner Altstadt.

Das Frankenbad in der Bonner Altstadt.

Bonn. Der Kampf um die Bäder geht weiter. Die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft bleibt völlig offen. Das nächste Bürgerbegehren ist damit schon programmiert. Eine Bonner Endlosschleife, findet GA-Redakteur Andreas Baumann

Die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft bleibt auch am Tag nach dem Aus für das neue Schwimmbad in Dottendorf völlig offen. Die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP haben unterdessen bekräftigt, dass sie das Kurfürstenbad nicht wieder öffnen und das Frankenbad nicht sanieren wollen.

Der Kampf um die Bäder geht weiter. Wer geglaubt hat, nach dem Bürgerentscheid gegen den Wasserland-Neubau würden sich die Wogen endlich glätten, hat sich getäuscht. Seit Samstag ist zwar klar, dass eine knappe Mehrheit der Bonner eine neue Schwimmhalle in Dottendorf ablehnt – eine zutiefst demokratische, legitime Entscheidung, mit der auch enttäuschte Ratspolitiker leben müssen. Doch nun wird erkennbar, dass die vermeintlichen Alternativen für die Schwimmer wohl keine sind. Das nächste Bürgerbegehren ist damit schon programmiert. Eine Bonner Endlosschleife.

Denn die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP hat sich für eine harte Gangart entschieden. Das geschlossene Kurfürstenbad in Godesberg will sie sowieso nicht wieder öffnen. Doch selbst das Frankenbad in der Nordstadt steht als Schwimmeinrichtung zur Disposition und soll womöglich einer „attraktiveren“ Nutzung zugeführt werden – so wie es geplant war, falls das Wasserland-Projekt verwirklicht worden wäre. Schwer vorstellbar, dass die am erfolgreichen Bürgerentscheid beteiligte Initiative „Frankenbad bleibt Schwimmbad“ eine Schließung der Halle hinnehmen wird. Und auch die Godesberger Aktivisten könnten einen neuen Anlauf versuchen, sobald im nächsten Frühjahr die Bindungsfrist des ersten Bonner Bürgerentscheids abgelaufen ist, bei dem 2017 eine Mehrheit die Rettung des Kurfürstenbads abgelehnt hatte.

Der Sanierungsstau der Hallenbäder ist groß, und die Stadt hat kein Geld. Die Millionen, die sie sich bei den Banken leiht, muss sie also klug verteilen und für die Sanierung einsetzen. Kann die Finanznot aber ein Argument sein, das Frankenbad ersatzlos zu schließen? Schon heute findet für etliche Bonner Schulen kein Schwimmunterricht statt, weil die Hallenkapazitäten seit der Schließung des maroden Kurfürstenbads nicht ausreichen. Und Schulschwimmen zu ermöglichen, gehört zu den gesetzlichen Pflichtaufgaben einer Kommune. Ohne Frankenbad und ohne Neubau wird Bonn diese Pflicht nicht erfüllen können.

Rund 26 Millionen Euro hatte die Stadt im Zusammenhang mit dem Wasserland-Projekt für die Ertüchtigung des Hardtbergbads und der Beueler Bütt vorgesehen. Die Frage ist jetzt, ob nicht ein Teil dieses Geldes investiert werden muss, um einen plötzlichen Ausfall des Frankenbads mit seiner überalterten Technik zu verhindern. Dazu müsste die Stadtverwaltung dem Rat zügig Fakten und Zahlen liefern. Je länger die Fraktionen für die jetzt nötigen Sanierungsbeschlüsse brauchen, umso stärker wird der politische Wellengang sein. Denn im Jahr 2020 stehen die Kommunalwahlen an.