Bonner Weststadt

Ein Spaziergang durchs Musikerviertel

Rainer Selmann hält vor dem zweitältesten Haus im Musikerviertel und zeigt ein altes Foto. Wo heute das Pauke Kulturbistro ist, war schon Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gaststätte.

BONN. Bekannte Musiker haben hier nicht gewohnt. Seinen Namen hat das Musikerviertel, weil dort die Straßen berühmten Komponisten gewidmet sind. Gleichwohl bietet das Viertel einige Geschichten, die sich in Architektur und Erzählung erhalten haben.

Historiker Rainer Selmann kennt sie alle. Bei einem Stadtspaziergang führt er Interessierte durch das Viertel, das sich in unscharfen Konturen von der Lisztstraße im Norden bis zur Colmantstraße im Süden und von der Richard-Wagner-Straße im Westen bis zur Bahnlinie an seinem östlichen Ende erstreckt.

Offiziell wird das Viertel laut Selmann zur Bonner Weststadt gezählt. "Vor Jahren hatte sich ein Teil der Einwohner überlegt, das Wohngebiet irgendwie abzugrenzen", schließlich sei der Bonner Westen vor allem mit dem Gewerbegebiet assoziiert worden. Heute lässt sich im Musikerviertel, dessen Straßennamen übrigens rein willkürlich festgelegt wurden, vor allem die Architektur der Gründerzeit erleben.

Als erstes räumte Selmann mit einem Vorurteil auf: "Oftmals wird das Musikerviertel nur als eine Verlängerung der Südstadt wahrgenommen, aber das ist historisch gesehen falsch." Das älteste Gebäude, die Villa Herwarth (1845), sei früher erbaut worden als das älteste Haus der Südstadt. In Wirklichkeit müsse man die Verbindung zur Südstadt also genau genommen andersherum betrachten.

In der Mozartstraße ließe sich dieser Altersunterschied am besten beobachten. "Hier sind die Fassaden in der vergleichsweise älteren Ziegelbauweise gehalten, während man in der Südstadt vor allem glatt verputzte Wände vorfindet." An der Mozartstraße gebe es einen Geigenbauer - der Beweis, dass das Viertel seinen Namen auch verdiene. "Das ist toll, dass auch auf kleine Details aufmerksam gemacht wird", sagte Rainer Wieck. Der pensionierte Lehrer kam extra aus Köln zur Führung. "Meine Tochter wohnt jetzt hier, und ich wollte mich einmal informieren, welche Geschichte diese Wohngegend hat."

Vorbei an der Villa Herwarth ging es weiter zum Kulturbistro Pauke Live. Das Gebäude ist das zweitälteste des Viertels, ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Und schon damals sei dort eine Gaststätte gewesen, wie Selmann mit einer historischen Fotografie belegte. Seit neun Jahren bietet der gebürtige Bochumer historische Stadtführungen durch Bonn an. Sein umfangreiches Wissen, das er auch in einem Theaterstück und in Vorträgen vermittelt, habe er sich vor allem im Stadtarchiv und in persönlichen Gesprächen angeeignet.

Der nächste Stadtrundgang führt am Mittwoch, 31. August, zum Venusberg. Start ist um 11.30 Uhr an der Bushaltestelle Sertürnerstraße. Kosten: acht Euro.