Bonner Studenten als Helfer

Ein Schiff für Flüchtlinge in Seenot

BONN. Der Verein „Jugend Rettet“ will einen Fischtrawler kaufe, umbauen und im Mittelmeer helfen. Dafür müssen aber zuerst 800.000 Euro Spenden her.

Die Idee ist ganz einfach, kann aber viele Menschenleben retten: Der Verein „Jugend Rettet“ will ein Schiff kaufen, das auf dem Mittelmeer patrouilliert. Es soll helfen, in Seenot geratene Flüchtlinge zu bergen. Die Besatzung besteht aus Fachleuten in Sachen Seenotrettung. Alles, was zur Umsetzung nötig ist, sind nach Angaben des Vereins 800.000 Euro.

So viel kosten Kauf und Umbau sowie Ausstattung und Besatzung des niederländischen Fischtrawlers, den „Jugend Rettet“ dafür im Blick hat. Das Schiff könnte 80 bis 100 Personen aufnehmen, die vom Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) mit Sitz in Rom auf Länder verteilt würden. Mediziner an Bord könnten Erste Hilfe leisten. Den Verein haben Jakob Schoen und Lena Waldhoff in Teltow bei Berlin gegründet; er findet seitdem deutschlandweit Anhänger.

Auch in Bonn gibt es seit November eine studentische Hochschulgruppe, die Tobias Marg als „Botschafter“ mitgegründet hat. Er hatte Schoen und Waldhoff bei den Jugendmedientagen kennengelernt, wo sie einen Vortrag hielten. „Mich hat deren Elan fasziniert“, sagt der 25-Jährige, der Geschichte und Südostasienwissenschaften studiert. „Ich habe in Bonn zwei feste Unterstützer und einige Helfer.“

Gerne könnten es mehr werden. Marg hat bereits eine Gedenkveranstaltung auf der Hofgartenwiese für die ertrunkenen Flüchtlinge mitorganisiert sowie einen Infoabend in der Universität und eine Filmvorführung zum Thema. Weitere Aktionen sind geplant, zum Beispiel mit SOS Mediterranée.

„Wir wollen in Bonn ein Forum schaffen für das Thema Flucht“, sagt der 25-Jährige. Dafür möchte er andere Gruppen, die es in Bonn und Umgebung gibt, mit ins Boot holen, wofür er auch mit den Kölner Botschaftern zusammenarbeitet. Ein weiteres Ziel sei es, ein internationales Verantwortungsbewusstsein zu schaffen. „Wir denken, dass die Rettung aus Seenot eigentlich etwas ist, das die Staaten der EU übernehmen müssten.“

Seenotrettung sei ein international verbrieftes Recht, sagt Marg. Ein erster Ansatz sei die Operation „Mare Nostrum“ gewesen. Ab 18. Oktober 2013 hatten die italienische Marine und die Küstenwache die Aktion zur Seenotrettung von Flüchtlingen aus meist afrikanischen Ländern gestartet, die über das Mittelmeer Italien zu erreichen versuchten. Gleichzeitig sollten Schleuser aufgegriffen werden.

Mare Nostrum wurde nach einem Jahr eingestellt, weil sich laut Marg „kein anderer Staat außer Italien beteiligen wollte.“ Deshalb hatte sich „Jugend Rettet“ den provokanten Slogan „Europa tötet. Es tötet durch Unterlassung“ überlegt. Er sei vielleicht etwas hart, findet Marg, solle aber auch aufrütteln.

„Wir werden das auf jeden Fall durchziehen“, sagt er. Zunächst muss Geld gesammelt werden: Möglichst bis Mitte Februar sollen über Crowdfunding und Spenden wenigstens 200.000 Euro zusammenkommen. Damit könne man schon mal das Schiff kaufen und umrüsten, die erste Rettungsmission soll nach diesem Plan im Juni dieses Jahres starten.

Wer mitmachen und/oder spenden möchte, kann sich auf www.jugendrettet.org informieren.