Tag der offenen Moschee

Ein Salafist erklärt den Salafismus

Vortrag beim Marokkanischen Kultur Verein: Mohamed Benhsain spricht über Salafismus.

BONN/BAD GODESBERG. Eine Veranstaltung, die den Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen fördern soll: Bereits zum 15. Mal fand der Tag der offenen Moschee statt. Diesmal lautete das Motto "Islamische Kunst und Kultur".

Bei der bundesweiten Aktion am Tag der Deutschen Einheit nutzten zahlreiche Besucher diese Gelegenheit, sich mit der Religion auseinanderzusetzen und mit den Gläubigen in Kontakt zu treten. Auch Moscheen in Bonn und Bad Godesberg öffneten ihre Türen für Besucher.

In den Gebetsräumen des Marokkanischen Kultur Vereins in Godesberg, der dort an der Bonner Straße 93 die Al-Ansar-Moschee betreibt, fanden sich viele Gäste ein. Die Stühle im oberen Raum waren gleich zu Beginn gut besetzt. Rund zwei Dutzend Menschen hörten dem Vortrag von Mohamed Benhsain alias Abu Jamal zu, der der Frage "Was ist Salafismus wirklich?" nachging.

Benhsain selbst ist in ultrakonservativen Kreisen des Islams bestens bekannt, wo er mit salafistischen Predigern wie Pierre Vogel und Hassan Dabbagh Islamseminare abhielt. In der Vergangenheit hatte sich der bekennende Salafist nach eigenen Angaben vom Marrokanischen Kultur Verein abgewendet, so dass aus Reihen des Vereins zu vernehmen war, der Prediger sei dort nicht mehr tätig. "Er hatte sich aus persönlichen Gründen zurückgezogen", sagte Allal Borzine auf Nachfrage, Vorstandsmitglied des Marokkanischen Kultur Vereins. "Aber wir hatten immer Kontakt zu ihm."

Seinen Vortrag gestaltete Benhsain als eine sprachwissenschaftliche und theologische Herleitung des Begriffs "Salafismus". Außerdem distanzierte er sich von den Vorfällen in Lannesdorf am 5. Mai: Das seien fehlgeleitete Gläubige, die die Lehre nicht richtig verstanden hätten. Zudem würden die Medien mit ihrer Berichterstattung ihr Übriges dazu tun, dass der Salafismus falsch verstanden würde.

Für die Besucher der Gebetsräume gab es indes keinen Grund zur Sorge. Eine junge Frau berichtete, dass sie erst vor einem halben Jahr nach Bad Godesberg gezogen sei. "Viele meiner Freunde fragten mich, was ich denn hier wollen würde. Sie haben wirklich Vorurteile wegen des Rufs von Godesberg", sagte sie.

Sie selbst ist gerade von einer einjährigen Weltreise zurückgekommen und wollte sich nun einfach mal in ihrer neuen Umgebung umsehen. "Ich hinterfrage gerne Dinge", erklärte sie ihren Besuch an der Bonner Straße. "Für mich stellen sich vor allem Fragen wie »Wie wird der Islam gelebt?« und »Was bedeutet das für die Frauen?«" Und wenn die nicht zu ihrer Zufriedenheit beantwortet werden? "Man kann Sachen akzeptieren, aber man muss sie nicht gutheißen."

Aktionen in ganz Bonn

Neben dem Godesberger Verein nutzten auch die Moschee in der Maxstraße 60 sowie das Deutsch-Bosniakische Kulturzentrum "Hajr", An der Esche 24, die Gelegenheit, mit ihren Besuchern in Dialog zu treten. Die Ditib-Gemeinde am Hochstadenring zeigte ein Programm voll islamischer Kunst und Kultur. Unter anderem führten die Mitglieder der Gemeinde durchs Gebäude und stellten die Räume für eine Ausstellung über Architektur und Kunst zur Verfügung.