Deutsches Museum vor dem Aus

Ein Museum leistet Widerstand

Protest für erhalt Deutschzes Museum: Gut 50 menschen versammelten sich vor dem Ratssaal, um gegen die Schließung des Deutschen Museums zu protestieren.

Protest für erhalt Deutschzes Museum: Gut 50 menschen versammelten sich vor dem Ratssaal, um gegen die Schließung des Deutschen Museums zu protestieren.

Bonn. Die Zeichen stehen auf Kampf. Die Mitarbeiter des Deutschen Museums sind entschlossen, das Aus der Wissenschaftseinrichtung an der Ahrstraße abzuwenden.

Am Mittwochabend riefen sie zum lautstarken Protest vor dem Ratssaal auf, wo anschließend der Wissenschaftsausschuss zusammenkam. „Ein Museum leistet Widerstand“ und „Museum versenken, Zukunft verschenken“ war auf Plakaten zu lesen.. Knapp 40 Mitarbeiter kamen ins Stadthaus: Unter ihnen Ralph Syttkus, der die Entscheidung der Stadt, die Zuschüsse zu kürzen, nicht verstehen kann. „Das geht doch nicht in einer Stadt, die sich als Wissenschaftsstandort sieht.“

Die Leiterin der Bildungsabteilung, Kirsten Bohnen, hält den Beschluss für widersinnig. Mit dem niedrigschwelligen Angebot für Kinder ab vier Jahren sei das Haus einzigartig. Das Museum habe „ein Alleinstellungsmerkmal in der ganzen Region“, betonte Direktorin Andrea Niehaus.

Die alles entscheidende Frage lautet: Wie lässt sich die Finanzierungslücke schließen? Wie berichtet, hat der Stadtrat entschieden, den Zuschuss von 830.000 Euro mit Blick auf den klammen Haushalt zu streichen. Die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP hatte allerdings im November in einem Schreiben an den Museumsunterstützer Klaus Kinkel mitgeteilt, dass sie sich vorstellen könne, 250 000 Euro für Personalkosten weiterhin zu tragen, „die restliche Finanzierung muss aber auf andere Füße gestellt werden muss“.

Der Zeitdruck entsteht nun, weil die Stadt vor drei Wochen den Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Museum in München zum 31. Januar 2018 gekündigt hat – so wie beschlossen. Wie kann es nun unter diesen Vorzeichen weitergehen? Ansätze dafür erläuterte der stellvertretende Vorsitzende des Förderverein „Wissen-schaf(f)t-Spass“, Antonio Casellas: „Ich kann die finanziellen Nöte der Stadt verstehen, aber die Sparrechnung wird so nicht aufgehen.“ Der etwaige Rückbau, die Abfindungen der langjährigen Mitarbeiter: All das komme in der Kalkulation der Stadt nicht vor. Alleine der Rückbau und Abtransport des Transrapids an der Ahrstraße würde 1,3 Millionen Euro kosten.

Vor allem aber argumentierte er mit dem Wirtschaftsfaktor, den das Deutsche Museum darstelle. 1000 Industriearbeitsplätze in der Region könnten derzeit nicht besetzt werden. Das Museum nehme da eine wichtige Brückenstellung ein. Diese Verzahnung wolle der Verein verstärken, beispielsweise mit einem Ausbau des Transrapids zum „Klassenzimmer“. Werkstoffkunde und Energiewirtschaft sollen Schwerpunkte neben den wissenschaftlich-technischen MINT-Fächern werden. Mittelfristiges Ziel des 70 Mitglieder starken Vereins: 150 bis 200 Mitglieder gewinnen, um 200.000 Euro jährlich für Projekte und Neuausrichtung des Museums aufzubringen.

Wie Casellas sagte, habe die als plötzlich empfundene Vertragskündigung im Januar Unmut in München und beim Stifterverband erzeugt. Diesen Schuh wollte sich CDU-Ausschussmitglied Christiane Overmans nicht anziehen. Der Stadtratsbeschluss sei bereits Mitte 2015 gefällt worden. Grundsätzlich nahm der Ausschuss die Arbeit des Fördervereins positiv auf. Was die notwendige Finanzierung des dauerhaften Betriebs angeht, ist man allerdings noch nicht wirklich weiter. Einen runden Tisch soll es nach Wunsch der Stadt geben.

Zuschüsse vom Land?

Offen ist, ob und unter welchen Voraussetzungen Land und/oder Bund Geld zum Erhalt beisteuern könnten. Am Rande der Sitzung sagte der Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg (SPD), im Kultus- und Wissenschaftsministerium gebe es durchaus Bereitschaft, das Haus finanziell zu unterstützen. „Dafür müsste allerdings die Stadt auch erkennen, dass sie einen Beitrag zu leisten hat.“