GA-Serie: 100 Köpfe - Wir sind Bonn

Ein Leben mit und für den Wald

Stadtförster Sebastian Korintenberg begutachtet einen abgebrochenen Seitenarm einer Kopfbuche auf dem Waldau.

Stadtförster Sebastian Korintenberg begutachtet einen abgebrochenen Seitenarm einer Kopfbuche auf dem Waldau.

Bonn. Sebastian Korintenberg setzt sich seit fünfeinhalb Jahren als Stadtförster für eine naturnahe Waldwirtschaft und für die Sicherung der Bonner Biotope ein.

Wer nun denkt, dass der 35-Jährige tagein tagaus im grünen Lodenmantel mit Dackel und Flinte durch „seinen“ 600 Hektar großen Stadtwald pirscht, der irrt. Mehr als 50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt er im Büro der Stadtförsterei auf der Waldau mit Aktenstudium und der Beantwortung von Anfragen.

Trotz des hohen Anteils der Verwaltungsarbeit liebt Korintenberg seinen Beruf und seine Stelle. Warum? „Die Kommunikation mit den Menschen vor Ort und die Ausein-andersetzung mit den regionalen Umweltthemen lösen bei mir eine große Zufriedenheit aus. Ich habe es bislang nicht bereut, Stadtförster in Bonn zu sein“, sagt er. Und dabei muss er sich nicht nur mit für ihn angenehmen Themen auseinandersetzen. Bestes Beispiel ist der aktuelle Streit zwischen Bürgerschaft und Stadt um den geplanten Rückbau eines Fußwegs auf der Waldau.

„Bei diesem Thema kollidieren die Interessen von Naturschutz und Bürgerwillen“, erklärt der Förster. Einige der Kopfbuchen nahe des Wildschweingeheges drohen aus Altersgründen auseinanderzubrechen und auf besagten Weg zu stürzen. „Sollte der Fall eintreten, ist das Leben der Spaziergänger gefährdet“, sagt Korintenberg. Entweder werden die betroffenen Bäume in den nächsten Wochen gefällt oder der Weg müsse gesperrt werden.

Aufgabenfelder: Holzernte, Streuobstwiesen, Wildgehege und Jagd-Aufsicht

Die Bezirksvertretung Bonn wird in ihrer Sitzung am 19. April eine Entscheidung treffen. „Ich kann mit beiden Lösungsansätzen leben, aber eine Entscheidung muss dringend her, weil die Bäume laut Gutachten jederzeit umkippen können“, sagt der Diplom-Forstingenieur. Die Aufgaben eines Stadtförsters sind also vielfältig, aber sie drehen sich immer um Naturschutz, Nachhaltigkeit und Naherholung. Korintenberg und seine 20 Mitarbeiter beschäftigen sich unter anderem mit der Holzernte, Streuobstwiesen, Wildgehege und Jagd-Aufsicht.

Da die Stadtförsterei auch Ausbildungsbetrieb ist, kümmert sich das Team um die Umweltschulung von jungen Menschen. „Dieser Arbeitsbereich macht viel Spaß und hilft uns bei der Bewältigung umweltpädagogischer Anforderungen.“ Dabei spielt der 35-Jährige auf die Schulklassen an, die neugierig das benachbarte Haus der Natur besuchen, und auf die Naturdetektive-Tage, die die Stadtförsterei gemeinsam mit dem Regionalforstamt, dem Bundesamt für Naturschutz und dem General-Anzeiger anbieten. Der nächste Naturdetektive-Tag findet am Sonntag, 19. Juni, ab 14 Uhr auf der Waldau statt. Alle Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos.

Ein Problem, mit dem sich der Stadtförster seit Jahren konfrontiert sieht, ist das illegale Abkippen von Gartenabfällen in der Natur. „Bei diesem Thema verhalten sich viele Bonner sehr gedankenlos. Durch das Abladen von organischen Abfällen breiten sich in unserer Region Pflanzen aus, die hier nicht hingehören und die heimische Pflanzen teilweise verdrängen. Die Bürger für dieses Problem zu sensibilisieren, ist eine große Herausforderung“, sagt er.