Seifenkisten-Renntag 1952

Ein Bonner Seifenkisten-Veteran berichtet

BONN. Im Juli berichtete der GA über ein rasantes Seifenkisten-Rennen im Jahr 1967 in der Zweiten Fährgasse. Daraufhin meldete sich Heinz Zündorf, Jahrgang 1938. Wie sich herausstellte, ist der Bonner ein alter Seifenkisten-Veteran, der als Junge schon in den 1950er Jahren an Rennen teilnahm.

„1951 und 1952 ging es die Rosenburg runter – das war viel interessanter als die Fährgasse“, erinnert sich der inzwischen 79-jährige Autoliebhaber Zündorf. „Auf der Rosenburg war die Startrampe. Da kriegte man ordentlich Schuss drauf, und es ging mit 40 bis 50 Stundenkilometern runter nach Kessenich über zwei oder drei schöne Kurven. Das Ziel lag da, wo jetzt das spanische Restaurant ist.“

Anfang der 1950er Jahre grassierte in Bonn das Seifenkisten-Fieber, erinnert sich Zündorf. Im Juni 1951 kamen schon 6000 Schaulustige an die Strecke in Kessenich. Ein Jahr später im Juli waren es 9000 begeisterte Zuschauer, die dicht gedrängt die Straßen säumten, um die Entscheidung des Bonner Rennens und des Städtekampfes mitzuerleben.

Der GA berichtet im Sommer 1952 über das fünfstündige Seifenkisten-Rennen bei schönstem Sommerwetter: „Zum Start waren 60 Matadoren der Seifenkisten erschienen, unter ihnen als einzige weibliche Teilnehmerin die elfjährige Doris Steffes aus Viersen. An der Startrampe und am Ziel flatterten die Stadtfahnen, die Fahne des ADAC und die Bundesflagge. Lautsprecher unterhielten mit schmissigen Weisen.“

 

Heinz Zündorf erinnert sich noch gut an die akribische Vorbereitung in seinem Team. „Mein Vater Heinrich war Kfz-Meister und hatte einen Autoverleih in Endenich, und mein Flitzer war natürlich mit dem Firmenlogo versehen“, erinnert sich Zündorf. „Mein Bruder Jupp war Kfz-Schlosser und bastelte mit mir die Seifenkiste.“ Die Räder dafür wurden von Opel Bachem kostenlos zur Verfügung gestellt, damit unter den Fahrern auch Chancengleichheit herrschte.

Der ehrgeizige Bruder Jupp hatte aber ein paar Tricks auf Lager, um Heinz noch schneller zu machen. Am Tag vor dem Rennen ging es mit dem VW Käfer des Vaters auf die Rosenburg, damit der junge Starter schon mal ein Gefühl für den Streckenverlauf und die Kurven bekam. Am Rennsonntag wartete auf den 14-Jährigen eine weitere Überraschung: „Bei einem Vorlauf hatte mein Bruder die Bremsseile ausgehängt, ich rauschte ungebremst durchs Ziel und knallte dahinter in die Strohballen.“

 

Der Aufwand zahlte sich aus: Heinz Zündorf schied 1952 erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger aus, den gleichaltrigen Bernd Weber in seiner „Peter Mell Kiste“. Aber auch für Zündorf lohnte sich das Rennen: Er bekam als Preis für die Halbfinal-Teilnahme eine mechanische Schreibtischuhr der Firma Tempo-Wesseling aus Bonn mit Datumsanzeige. „Die habe ich heute noch, und die geht auch immer noch.“

Einige Fotos des letzten Rennens hat Heinz Zündorf immer noch aufbewahrt. An die Seifenkisten-Rennen erinnert er sich gerne: „Das hat höllisch Spaß gemacht. Und es war ein richtiger Konkurrenzkampf unter den Fahrern.“ Das Publikum war aus dem Häuschen, und jeder Stadtteil stolz, einen Fahrer ins Rennen schicken zu können. „Die Eltern der Fahrer haben gebrüllt und gejohlt, als die Autos runterkamen“, erinnert sich der heute 79-Jährige.

 

Nach dem 1952er-Rennen war Heinz Zündorf zu groß, um seine Seifenkisten-Karriere fortzusetzen, und er ging im Oktober danach in die kaufmännische Lehre – bei einem Bonner Autohaus. Mehr als 30 Jahre arbeitete er danach in der Automobilbranche. Und sein Interesse am heutigen Automobil-Rennsport besteht immer noch.