Schließung von vier Stadtteilbibliotheken

Ehrenamt soll Büchereibetrieb retten

Mit Plakaten und Trillerpfeifen demonstrieren die Büchereifreunde vor dem Ratssaal im Stadthaus. FOTO: CEM AKALIN

Mit Plakaten und Trillerpfeifen demonstrieren die Büchereifreunde vor dem Ratssaal im Stadthaus.

BONN. Die Büchereifreunde geben nicht auf: Erneut demonstrierten gestern Abend zahlreiche Mitglieder der Fördervereine im Stadthaus vor der Sitzung des Kulturausschusses lautstark gegen die von der Stadtspitze vorgeschlagene Schließung der Büchereien in Endenich, Dottendorf, Beuel und Graurheindorf/Auerberg.

Auch ein Änderungsantrag der Jamaika-Koalition, den der Ausschuss gestern Abend beriet, beruhigte die Gemüter nicht.

Dem Änderungsantrag zufolge könnte der Betrieb der Büchereien nach dem sogenannten Bielefelder Modell möglicherweise fortgeführt werden, allerdings mit hohem ehrenamtlichen Einsatz. "Ohne eine dauerhafte Fachkraft vor Ort kann man den Betrieb aber nicht stemmen", sagte Gabriele Hähner, Vorsitzende des Fördervereins der Endenicher Bücherei und erntete von ihren Kolleginnen der anderen drei Vereine Zustimmung.

Auch sei nicht klar, wie das Bielefelder Modell, bei dem Büchereien ehrenamtlich betrieben werden sollen mit Unterstützung einer hauptamtlichen Kraft zehn Stunden die Woche, auf Bonn übertragen werden solle. "Das wissen die, die abstimmen, doch auch nicht", sagte Ulrike Blumenreich von der Rheindorfer Bücherei.

Mit Spannung erwarten nun alle die Sitzung des Rates am Donnerstag, 7. Mai. Denn der hat das letzte Wort.

Die Vorschläge der Koalition:

  • Dottendorf: Mit dem Förderverein soll über das Bielefelder Modell verhandelt werden. Sollte nach einem halben Jahr keine Einigung erzielt worden sein, wird der Standort geschlossen. Nach den Sommerferien wird in dieser Einrichtung aufgrund des zusätzlichen Personalbedarfs im neuen Haus der Bildung die Öffnungszeit bis zur Etablierung des Bielefelder Modells gekürzt.
  • Endenich: Auch hier soll über das Bielefelder Modell verhandelt werden. Sollte es nach einem halben Jahr keine Einigung geben, führt kein Weg an der Schließung vorbei. Wie in Dottendorf wird nach den Sommerferien die Öffnungszeit gekürzt.
  • Auerberg/Rheindorf: Der Standort Rheindorf wird geschlossen. Bezüglich des Standorts Auerberg wird mit dem Verein "Haus Müllestumpe" über das Bielefelder Modell verhandelt.
  • Beuel: Die bisherige Bibliothek im Brückenforum wird als Stadtteilbibliothek mit 2,5 Stellen unter Einbeziehung eines Selbstbedienungsangebots weitergeführt. Die Bibliothek Beuel Ost wird in eine Schulbibliothek überführt.

Für SPD-Ratsfraktionschefin Bärbel Richter ist der Änderungsantrag unverantwortlich und ein "Todesstoß" für die Büchereien. "Ich wünschte mir, wir ließen uns mehr Zeit und suchten gemeinsam mit den Vereinen eine Lösung."