Gewalt auf Bonner Schlachthofgelände

Duo gesteht brutalen Axt-Angriff aus Rache

Symbolfoto

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Bonn. In einem Prozess vor dem Bonner Landgericht wird gegen einen 26-Jährigen und einen 22-Jährigen nach einem Raubüberfall ermittelt. Sie sollen ihre Opfer unter anderem mit einer Axt verletzt haben.

Auf dem zerfallenen Gelände des Alten Schlachthofs wundert sich keiner über seltsame Gestalten, die in den Mauerruinen einen Schlafplatz gefunden haben oder sich regelmäßig zum Kiffen treffen. Aber diese beiden Männer waren schon auffällig: Mit Tüchern maskiert schwangen sie am 17. September 2017 zwei Äxte „wie Tomahawks“ und steuerten geradewegs auf zwei 17-Jährige zu und forderten Geld oder Wertsachen.

Zunächst reagierten die beiden widerständig. Aber als die Äxte ihnen bedrohlich naherückten, überkam sie dann doch die Angst: Einer der 17-Jährigen übergab eine große metallene Taschenlampe an einen der Täter, mit den beiden Opfern wiederholt auf den Kopf geschlagen wurde. Am Ende kam es zum Gerangel und auch zum Einsatz einer Axt, die eines der Opfer an der Hand verletzte. Den beiden Jugendlichen gelang die Flucht, mit Platz- und Schnittwunden mussten sie im Krankenhaus versorgt werden.

Vor dem Bonner Landgericht wird seit Mittwoch der dramatische Raubüberfall auf dem Schlachthofgelände verhandelt: Wegen gemeinschaftlicher, schwerer räuberischer Erpressung müssen sich ein 26-Jähriger und sein 22 Jahre alter Kumpel verantworten. Durch den Axt-Angriff – so die Anklage – sollen sie ein Handy im Wert von 150 Euro sowie 20 Euro Bargeld erbeutet haben. Eine Jacke der Opfer soll der 22-Jährige sogleich angezogen haben. Später entdeckte er, dass sich frisches Blut darauf befand, und warf sie in den Müll.

Beide Angeklagte haben am ersten Prozesstag den Raubüberfall an der Immenburg eingeräumt. An dem Abend, so gestand der 26-Jährige, sei er mit dem jüngeren Freund planlos in der Gegend rumgezogen, auch sei er – wie sein Verteidiger Martin Kretschmer es formulierte – „wegen der Drogen schrecklich derangiert“ gewesen. Warum sie die Äxte bei der Müllverbrennungsanlage mitgehen ließen, konnte er nicht erklären.

Schließlich tauchten am Schlachthof die beiden Jungens auf, auf die sein Kumpel „einen Riesenhals“ hatte. Der 22-Jährige räumte ebenfalls mithilfe seines Anwalts ein, dass der Raubüberfall ein Rachefeldzug gewesen war: Denn die beiden 17-Jährigen hätten ihn mal „in einen Pool geworfen“ und ihn zum Gespött gemacht – vor den Augen einer begehrten Frau.

So dramatisch der Raubüberfall, so aufwendig auch die Suche nach den maskierten Tätern: Mit Hubschrauber wurde am Tatabend noch das Schlachthofgelände abgesucht, später die Räuber mit Täterbeschreibungen zur Fahndung ausgeschrieben. Erst drei Wochen später kamen die Ermittler ihnen auf die Spur: Seit Anfang Oktober sitzt der Ältere in Untersuchungshaft.