Kommentar zum Post-Neubau

Drei gute Nachrichten

Das Baufeld liegt gegenüber vom Heizkraftwerk Süd. Auf dem Gelände hat die Vebowag ihre Verwaltung, die umziehen soll. FOTO: GOOGLE EARTH

Das Baufeld liegt gegenüber vom Heizkraftwerk Süd. Auf dem Gelände hat die Vebowag ihre Verwaltung, die umziehen soll. FOTO: GOOGLE EARTH

GA-Redakteur Andreas Baumann findet es gut, dass sich die Deutsche Post klar zu Bonn bekennt. Er warnt aber auch vor noch längeren Staus, die entstehen könnten, wenn noch mehr Menschen im Bundesviertel arbeiten.

Eine Investition von mehr als 100 Millionen Euro – klarer kann sich ein Unternehmen nicht zum Standort bekennen. Dass die Deutsche Post DHL Group, zweitgrößter Arbeitgeber in Bonn, ihr Neubauprojekt im Bundesviertel entschlossen vorantreibt und der Kommune die nötigen Grundstücke abkauft, ist deshalb eine richtig gute Nachricht für die Stadt. Um die Dimension des Projekts zu verdeutlichen: In der neuen DHL-Zentrale an der Baunscheidtstraße sollen mit rund 2500 Mitarbeitern mehr Menschen tätig sein als im Post Tower, der ungefähr 2200 Arbeitsplätze bietet.

Gute Nachricht Nummer zwei: Die Stadt sichert sich diesmal vernünftig gegen Risiken ab, die im Erdreich des Areals lauern könnten. Nie wieder darf es der klammen Kommune so ergehen wie am Bonner Bogen: Dort drohen beim Rhein-Palais-Projekt des Investors Ewald Hohr derart hohe Kosten für die Altlastensanierung, dass die Stadt mit dem Verkauf der riesigen Fläche am Ende sogar noch einen Verlust einfahren könnte. Der Streit geht vor Gericht. Beim Grundstücksdeal mit der Post deckelt die Stadtverwaltung das mögliche Altlastenrisiko auf maximal eine Million Euro – für ein Projekt von so großer wirtschaftspolitischer Bedeutung absolut akzeptabel.

Und gute Nachricht Nummer drei: Der Rahmenplan für die städtebauliche Entwicklung des gesamten Bundesviertels ist offenbar beschlussreif. Bauvorhaben wie das der Post, aber auch von Projektentwickler Marc Asbeck müssen nach Verabschiedung des Konzepts nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. In einem wichtigen Punkt bleibt der Rahmenplan allerdings erwartbar vage: bei den Verkehrsproblemen. Klar ist, dass die Staus auf der B 9, rund um die Südbrücke oder auf der Reuterstraße noch länger werden, wenn im Bundesviertel zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Derzeit sind es etwa 45.000 Jobs, davon rund 4500 bei der Post. Allein beim gelben Konzern sollen an der Baunscheidtstraße und in einem Asbeck-Neubau am Post Tower weitere 3500 dazukommen, die bisher im Stadtgebiet verstreut sind. Und die Post ist nicht der einzige Arbeitgeber, der neue Büroflächen im Bundesviertel nutzen will. Der Rahmenplan empfiehlt, gegen den Verkehrskollaps mehr Rad zu fahren, das Angebot von Bus und Bahn zu verbessern, Car-Sharing zu betreiben und betriebliches Mobilitätsmanagement zu pflegen. Das ist leider leichter aufgeschrieben als getan und finanziert.