Bürgerentscheid in Bonn

Drei Stadtbezirke stimmen gegen das Kurfürstenbad

Im Stadthaus zählen die Helfer die Stimmen des Bürgerentscheids aus, der eine reine Briefwahl war. Rund 97 600 Umschläge werden geöffnet.

Im Stadthaus zählen die Helfer die Stimmen des Bürgerentscheids aus, der eine reine Briefwahl war. Rund 97 600 Umschläge werden geöffnet.

Bonn. Die Godesberger verlieren ihr Kurfürstenbad. Die Stadtbezirke Hardtberg und Beuel geben den Ausschlag für das „Nein“ - ein Abstimmungsergebnis mit einigen „Ausreißern“. Eine Analyse.

Bad Godesberg gegen den Rest der Stadt, so kann man das Ergebnis des Bürgerentscheids zum Kurfürstenbad zusammenfassen und deuten. In der Badestadt stimmten 68 Prozent für „Ja“ und wollten damit ihr altes Kurfürstenbad behalten, in das sie zuletzt nur noch selten gegangen waren. Die Rekordzustimmung mit 74 Prozent hatten die Menschen in Muffendorf und auf dem Heiderhof angekreuzt. In den anderen drei Bonner Stadtbezirken schlug die Waage dagegen mehr oder weniger deutlich zu „Nein“ aus.

War das Rennen im Stadtbezirk Bonn mit 44:56 Prozent noch einigermaßen ausgeglichen, haben sich in Beuel (das von der Bäderfrage am allerwenigsten betroffen war) und vor allem in Hardtberg (mit dem Rekordergebnis von 32:68 Prozent) die Bürger am deutlichsten positioniert. Und zwar gegen das alte Kurfürstenbad und für einen Neubau in Dottendorf, denn diese Frage hatten die Stadtverwaltung und die Ratsmehrheit unmittelbar miteinander verknüpft. Gegen diese zahlenmäßige Übermacht aus drei Stadtbezirken war für Bad Godesberg trotz der höheren Wahlbeteiligung dort nichts zu machen.

Jeder zweite abstimmungsberechtigte Bad Godesberger hatte seine Stimme abgegeben, das ist rekordverdächtig. In den drei anderen Stadtbezirken hatte nur etwa jeder Dritte mitgemacht. Die erfolgreiche Mobilisierung zeigt auch: Ein Hallenbad ist nicht nur ein Funktionsbau, sondern hat insbesondere für die Badestädter eine wohl etwas unterschätzte emotionale Bedeutung. Doch nicht nur dort fand die Frage nach Erhalt oder Schließung einen regen Widerhall: Mit einer Wahlbeteiligung von stadtweit fast 40 Prozent hatte jedenfalls im Vorfeld niemand gerechnet.

Und viele Bürger stimmten ganz eigennützig ab, was ihr gutes Recht ist. Warum wohl wurde in Dottendorf und Kessenich mit großer Mehrheit gegen das Kurfürstenbad gestimmt? Man darf annehmen, weil für die dort wohnenden Bürger der geplante Neubau im Wasserland eine attraktive Anlaufstelle ist, die zu Fuß zu erreichen ist. Ähnlich für die Friesdorfer, die sich ziemlich gespalten zeigten und aus dem restlichen Ergebnis in ihrem Godesberger Stadtbezirk ausscherten. Auch in der Inneren Nordstadt, wo das Frankenbad liegt, positionierten sich die Bürger anders als die Masse des Stadtbezirks Bonn, und zwar für das Kurfürstenbad. Individuelle Interessen also statt einer von der Ratsmehrheit erhofften Sicht auf gesamtstädtische Aspekte.

Und wo soll man die Nichtwähler verorten? Wer seine Stimme nicht abgab, den interessierte die Frage nach einem Stadtteilbad, das man womöglich noch nie besucht hat, so viel wie der sprichwörtliche Sack Reis in China. Oder er hatte einfach keine Meinung dazu.