Businessplan Festspielhaus

Drei Prozent Rendite nur mit erhöhtem Risiko

BONN. Preisfrage: Welche Rendite wirft ein Vermögen von 50 Millionen Euro im Jahr 2020 ab? So viel Geld werden der Bund, die Stadt, die Sparkasse Köln-Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis bis dahin plangemäß in die Betriebsstiftung des Festspielhauses eingezahlt haben, wenn das Projekt verwirklicht wird.

Aus den Erträgen soll der Konzertbetrieb mitfinanziert werden. Der am Montag vorgelegte Businessplan kalkuliert mit 1,5 Millionen Euro im Jahr, was drei Prozent Rendite entspricht. Aber ist das realistisch - in Zeiten historisch niedriger Zinsen?

Artur Grzesiek, Vorstandschef der Sparkasse Köln-Bonn, sagt ja. "Die angestrebten drei Prozent Rendite sind ambitioniert, aber nicht unerreichbar", schreibt er im Businessplan. Dazu müsse die Stiftung aber breit gestreut in Aktien und Immobilien, Unternehmens- und Hochzinsanleihen, Anlagen in Emerging Markets oder Infrastrukturinvestments investieren. "Den Chancen stehen aber auch entsprechende Risiken gegenüber", formuliert Grzesiek. Deshalb sei professionelle Risikokontrolle nötig, um schnell reagieren zu können.

Und: "Es muss klar verstanden sein, dass die Zielrendite als langfristige Durchschnittsrendite zu verstehen ist, die nicht in jedem Jahr erreicht werden kann." Grzesiek verweist auf den eigenen, 2012 aufgelegten Artemisfonds für Stiftungen der Sparkasse (derzeit 40 Millionen Euro), der drei Prozent Rendite erziele. Auch die Festspielhausstiftung könnte dort einsteigen, sofern ihre Satzung das zulässt, erklärt Sparkassensprecher Norbert Minwegen auf Anfrage. "Nach dem Verständnis aller Beteiligten würde das passen", so Minwegen. Langfristig, also auf mindestens zehn Jahre betrachtet, seien drei Prozent "mit hoher Wahrscheinlichkeit" erzielbar.

Andere Experten sind skeptischer. "In den nächsten Jahren sind mehr als zwei Prozent Rendite nur mit hohem Risiko zu erreichen, mit Aktien und Immobilien etwa", kommentiert Peter Anders, Geschäftsführer des Deutschen Stiftungszentrums, das über 600 Stiftungen mit 2,6 Milliarden Euro Kapital verwaltet. Je länger die Niedrigzinsphase dauere, desto größer würden die Probleme. Mit konservativen, sicheren Anlagen wie Rentenpapieren erscheinen drei Prozent Rendite bei Neuanlagen aus heutiger Sicht nicht realistisch, meint auch Ulrich Heide, der Chef der Deutschen Aids-Stiftung in Bonn.

Vorsichtig optimistisch ist Michael Dittrich von der Bundesstiftung Umwelt. "Es ist zwar ein schwieriger Zeitpunkt, um zu starten", sagt der Abteilungsleiter Finanzen und Verwaltung. Zweieinhalb bis drei Prozent seien aber noch machbar, sofern man auch in Aktien investiere: "Man muss dann aber mal einige Jahre einen schlechten Aktienmarkt durchhalten können." Der Vermögensverwalter Frank Rothauge (AHP Capital Management) unterstreicht das: "Drei Prozent sind nur um den Preis eines höheren Risikos erzielbar", sagt der Frankfurter, der auch Stiftungen im Kundenstamm hat. Der Anteil der Risikoanlagen, neben Aktien auch Immobilien oder Investments in erneuerbare Energien, müsse dazu bei 50 Prozent des Portfolios liegen.

Ein solche Mischung würde Rainer Maucher, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, keineswegs für eine spekulative Investition halten - sofern Aktien mit stabilen Dividenden weltweiter Marktführer im Depot liegen. Die Hertie-Stiftung selbst halte unter anderem zu je 30 Prozent Aktien und Immobilien, dazu weitere alternative Anlagen wie Private Equity. Sie kalkuliere mit einer Rendite von fünf Prozent.

Gerald Spiegelhalter, Berater in der Frankfurter Privatbank Metzler, rechnet noch lange Zeit mit niedrigen Zinsen. Wer ab 2020 drei Prozent Rendite anpeile, komme an Aktien nicht vorbei, sagt auch er. Den nötigen Aktienanteil sieht er bei 30, 40 Prozent des Portfolios. Eine Stiftung, die so investiere, müsse aber die Schwankungen am Aktienmarkt verkraften.

Genau das könnte ein Problem für das Festspielhaus werden: Stiftungen dürfen ihr Kapital nicht aufzehren - darüber wacht die Stiftungsaufsicht. Bricht der Aktienmarkt ein, kann der Wert des Vermögens schlimmstenfalls auf Jahre hinaus stark fallen. Die für Bonn zuständige Aufsicht bei der Bezirksregierung Köln akzeptiert deshalb nur einen bestimmten Aktienanteil im Portfolio: "Nach unseren Richtlinien in NRW soll er nicht höher als 30 Prozent liegen", erklärt Bodo Klein, Sprecher der Bezirksregierung.