Schließung der Stadtbibliothek

Dottendorfer haben Angst vor dem Rutschbahneffekt

Um die Bibliothek ging es bei der Bürgerdiskussion.

Um die Bibliothek ging es bei der Bürgerdiskussion.

DOTTENDORF. Der Saal im Dottendorfer Ortszentrum ist am Freitagabend so gut besucht, dass einige Besucher der Bürgerversammlung des Bürgervereines Dottendorf stehen müssen. Viele Besucher halten Block und Stifte bereit, um mitzuschreiben, einige unterhalten sich schon über eine mögliche Schließung der im Ortszentrum untergebrachten Stadtteilbibliothek.

"Seit 15 Jahren kämpfen wir immer wieder um die Bibliothek - dieses Mal ist es wieder besonders ernst, deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung", erklärte Lore Görgen vom Verein Kultimo". Zusammen mit "Kultimo", dem Förderverein der Stadtteilbibliothek und Oledo, der Offenen Lernwerkstatt Dottendorf, richtete der Bürgerverein Dottendorf die Versammlung aus.

"Wie wichtig die Bibliothek ist, weiß wohl jeder. Für Kinder sind sie das Tor zur Welt. Viele Kinder kommen, um für die Schule etwas nachzuschlagen - daher sind kurze Wege zur nächsten Bibliothek wichtig", forderte Görgen. Dem konnte Ortrud Wichmann von Oledo nur beipflichten: "Unser Fortbestehen ist zwar gesichert, dennoch würde mit der Bibliothek ein immens wichtiger Teil wegbrechen.

Die Bücher der Bibliothek sind die Wissensquelle unserer Kinder", sagt sie. "Was wir in der aktuellen Situation brauchen, ist Manpower. Wir haben Angst, dass hier nun etwas ins Rutschen gerät. Ist die Bibliothek erst einmal aus dem Ortszentrum raus, befürchten wir, dass auch weitere Teile herausbrechen werden und man sich dann fragen muss, wofür man das Gebäude noch brauchen kann", erklärte Herbert Kaupert vom Bürgerverein. "Wir haben deshalb mehrere Konzepte ausgearbeitet, wie man das Gebäude so profitabel machen kann, dass die Stadt nichts mehr drauf zahlen muss".

Ulrike Quiehl von "Kultimo" appellierte eindringlich an die anwesenden Bürger, sich auch zu engagieren. "Vielleicht würde es ja helfen, wenn die hauptamtlichen Kräfte in der Bibliothek durch ehrenamtliche ersetzt werden können", so Quiehl. Was nach den Ausführungen der jeweiligen Vereinsvertreter folgte, war bürgerschaftliches Engagement par excellence. Es gab nicht nur eine rege Teilnahme von Dottendorfern, sondern auch eine Vielzahl an Vorschlägen, wie man die Bibliothek und das Ortszentrum retten könnte.

Über eine Intensivierung der Unterschriftenaktion bis zum 20. November durch Freiwillige, über die Anregung einer Bewerbung um ein Kultursponsoring bis hin zum Vorschlag einer Schülerin, dass die Kinder des Stadtteiles doch eine Demonstration organisieren könnten, waren sehr viele Vorschläge dabei. Nun ist es die Aufgabe von "Kultimo", alle Helferinnen und Helfer zu organisieren, um einen nachhaltigen Protest gewährleisten zu können - der Grundstein dafür wurde jedenfalls gelegt.