GA-Dialog in Poppelsdorf

Diskussion um Fußgängerzone durch Poppelsdorf

POPPELSDORF. Der Verkehr in Poppelsdorf war Thema beim GA-Dialog. Eine Besucherin schlug dabei eine Fußgängerzone in dem Bonner Stadtteil vor. Eine Umsetzung hält die Stadt allerdings für schwierig.

Es war eine Idee, die aus dem Publikum kam und für Wohlgefallen sorgte: Eine Besucherin des GA-Dialogs in Poppelsdorf schlug am Dienstagabend vor, die Clemens-August-Straße – beliebte Kneipen- und Gastromeile im Ortsteil – zur Fußgängerzone zu deklarieren. Ein Vorschlag, der dem städtischen Verkehrsplaner Helmut Haux zwar im Grundsatz gefiel. Zu dem er aber zugleich sagte: „Das kann schwierig werden, weil die Autofahrer sich andere Wege suchen werden und diese Straße eine wichtige Bustrasse für die Verbindung auf den Venusberg ist.“

Es war doch überdeutlich zu spüren, dass die rund hundert Poppelsdorfer, die zur Diskussion in den Pfarrsaal von Sankt Sebastian gekommen waren, ihr Viertel einerseits mögen und für lebenswert halten, wenn denn andererseits der viele Verkehr beispielsweise auf der genannten Straße durchs Zentrum und über die Reuterstraße als wichtige Verbindungstrasse ins Arbeitsviertel (dem ehemaligen Regierungsviertel) nicht wäre. Das sahen neben Haux übrigens auch die anderen Gäste auf dem Podium ganz ähnlich.

Auf die Eingangsfrage der moderierenden GA-Redakteure Lisa Inhoffen und Richard Bongartz zu den positiven und negativen Eigenschaften von Poppelsdorf erwähnten Annette Quaedvlieg vom örtlichen ADFC, Universitäts-sprecher Andreas Archut und Alt-Poppelsdorfer Gerd Feldhaus unisono das „besondere Flair“, eine Mischung aus studentischer Quirligkeit und – wie Feldhaus sagte – „einem aktiven Vereinsleben“.

Stärkere Kontrollen gegen Falschparker gefordert

Wie aber sind die offenbar von vielen als störend wahrgenommenen Fahrzeuge aus dem Ortsteil herauszubekommen oder deren Zahl doch zumindest deutlich zu reduzieren? Es gab einige Ansätze und Ideen dazu. Ein Gast fragte Richtung Haux, ob denn eine City-Maut nicht ein adäquates Mittel sei, um Pkw-Fahrer zum Umstieg auf schadstoffärmere Verkehrsmittel wie den öffentlichen Nahverkehr oder das Rad zu zwingen. Dafür, so Haux, gebe es aktuell in Deutschland keine Rechtsgrundlage.

In einem weiteren Punkt zeigten die Dame und die Herren auf dem Podium Einmütigkeit: Es wird in Poppelsdorf, aber auch in anderen Teilen der Stadt nicht gehen, ohne dem Auto Raum wegzunehmen. Quaedvlieg schlug vor, den Parkplatz am Poppelsdorfer Platz bis auf wenige Plätze für Behinderte und Anlieferverkehr abzuschaffen und den Raum Fußgängern zur Verfügung zu stellen. Zudem müssten – auch aus dem Publikum wurde das angemerkt – stärkere Kontrollen gegen Falschparker in zweiter Reihe auf der Clemens-August-Straße oder der Sebastianstraße erfolgen.

„Die Kuh muss auch mal Wasser lassen“, sagte Archut. Die Universität, für der er sprach, ist mit dem Campus Poppelsdorf, aber auch mit anderen Liegenschaften gewichtiger Arbeitgeber im Ort. Viele Studenten setzen zwar schon jetzt zur Anreise auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel, „aber wir sollten die Straßen für den Radverkehr verbessern, damit die Leute sie auch ohne Gefahr für Leib und Leben benutzen können“, erklärte Archut.

Chance im betrieblichen Mobilitätsmanagement

3300 Parkplätze bewirtschafte die Uni mittlerweile konsequent, so Archut. Allerdings hielten einige aus dem Publikum den monatlichen Nutzungsbeitrag von 18 Euro für viel zu niedrig. Helmut Haux kündigte an, der Parkraumbewirtschaftung der Uni müsse die Stadt Bonn nun eine eigene Parkraumbewirtschaftung folgen lassen. „Alles andere wäre kontraproduktiv.“ Er notierte sich auch den Vorschlag aus dem Publikum, zwischen dem Rad- und Fußgängerweg auf der Clemens-August-Straße einen Blindenstreifen zu installieren.

Haux teilte mit, die Stadt sehe im betrieblichen Mobilitätsmanagement eine Chance, die Zahl von Jobtickets in Unternehmen durch Aufklärung zu erhöhen. Drei Mitarbeiter würden dafür zunächst befristet eingestellt. Letztlich müsse jeder einzelne sich fragen, wo das Auto tatsächlich gebraucht würde. 50 Prozent der Autofahrten würden unter fünf Kilometern zurückgelegt, weitere 30 Prozent unter drei Kilometern.

Die Befürchtung von Feldhaus, dass bei einem möglichen Fahrverbot auf der Reuterstraße, über das das Oberverwaltungsgericht Münster im August entscheiden will, zu „Verdrängungseffekten auf die engen Straßen“ (Feldhaus) führen werde, teilte der Verkehrsplaner. Ein Alternativkonzept habe die Stadt nicht in der Schublade liegen. Haux: „Die Möglichkeiten sind stark begrenzt, vor allem, wenn die großen Baustellen auf den Autobahnen anstehen.“