GOP Varieté in Bonn

Direktorin Julia Feirer: „Varieté bedeutet Vielfalt“

"Rockabilly": Zehn Künstler - eine Mission: Gute Unterhaltung für jedermann.

"Rockabilly": Zehn Künstler - eine Mission: Gute Unterhaltung für jedermann.

BONN. Anfang September eröffnet das Bielefelder GOP Varieté-Theater – benannt nach dem Stammhaus Georgspalast in Hannover – mit bisher sechs Standorten sein siebtes Haus im Bonner Bundesviertel zwischen dem WCCB und dem Marriot-Hotel. Direktorin Julia Feirer bereitet seit Herbst in Bonn die Neueröffnung vor. Martin Wein sprach mit ihr über Konzept, Künstler und Karneval.

Die Bundesregierung zieht nach Berlin, die Zürich Versicherung nach Köln, Haribo auf die Grafschaft – aber das GOP Varieté kommt nicht nach Köln oder Düsseldorf, sondern nach Bonn. Warum gerade Bonn?
Feirer: Bonn ist – nicht nur – für uns eine sehr attraktive Stadt von optimaler Größe mit starkem Umland. Und es gibt bisher keine Varieté-Bühne.

Es gibt allerdings einen ganzen Kanon an Kultur – die Oper, das Haus der Springmaus, das Pantheon, das Junge Theater, das Contrakreis-Theater etc.
Feirer: Bonn hat tolle Bühnen und eine sehr lebendige Kabarett-Szene. Varieté ist nun ein weiteres Genre, das wir in der Stadt etablieren möchten.

Nicht in allen GOP-Standorten ist das kulturelle Angebot so groß. Kann das auch das GOP inspirieren?
Feirer: Unbedingt. Einerseits hat Bonn schon jetzt ein aufgeschlossenes, experimentierfreudiges Publikum mit viel Interesse an Live-Kultur. Neugierige Menschen sind natürlich auch unsere besten Besucher. Andererseits haben auch schon einige Kabarettisten, Artisten oder Zauberer aus dem Bonner Raum bei uns angeklopft, die gerne mal mit uns arbeiten würden. Gut möglich, dass der eine oder andere tatsächlich in einer unserer Produktionen durch unsere Häuser in Deutschland ziehen wird.

Das GOP ist nach seiner Gründung 1992 in Hannover als Familienbetrieb sukzessive gewachsen und eröffnet im Herbst in Bonn das siebte Haus. Welches Erfolgsrezept steckt dahinter?
Feirer: Varieté bedeutet Vielfalt. Wir produzieren deshalb Shows, die in lockerer Atmosphäre jedermann begeistern sollen. Dazu gibt es immer humorvolle und spektakuläre Momente in einem wechselnden Mischungsverhältnis. Es treten jeweils rund zehn Künstler aus aller Welt auf, die auf den großen Festivals ihre Qualitäten bewiesen haben. Wir geben ihnen den Raum, ihr Können optimal zu präsentieren, auch wenn wir sie in den bunten Rahmen der Show einbetten. Aus diesem Grund verbietet sich übrigens eine Zweit-Besetzung. Auch bei Künstlern sind wir deshalb ziemlich beliebt.

Vor zwei Jahrzehnten galt Live-Unterhaltung fast als tot…
Feirer: Das war ein Irrglaube. Fernsehen ist doch kein Ersatz für das echte Leben. Wir im Varieté profitieren davon, dass man uns ohne jede Vorbereitung besuchen kann. Ein Abend ist nicht anstrengend, sondern einfach gute Unterhaltung, egal welches Programm wir gerade spielen.

Was bekommen wir denn in Bonn in diesem Jahr zu sehen?
Feirer: Die Eröffnungsproduktion „Plüfoli“ ist eine Konzeptshow, in der alle Artisten ganz ohne Worte durch das Programm führen. Wir haben das Konzept unter dem Titel „La folie“ – „Die Verrücktheit“ – schon einmal touren lassen. Der Erfolg war so umwerfend, dass wir es jetzt noch verrückter treiben und die Besucher in eine Märchenwelt entführen. Ab Mitte November spielen wir dann „Talents“, ein Zusammentreffen junger Aufsteiger, modereiert vom Bauchredner und Zauberer Jan Mattheis. Ich bin sehr gespannt, welche Art von Shows die Bonner lieber mögen.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie in einer Stadt wie Bonn im Jahr?
Feirer: 100.000 bis 120.000 sollten es schon sein – aus der Stadt und der Region.

GOP ist auch ein Arbeitgeber…
Feirer: Wir schaffen tatsächlich etwa 100 Jobs. Darunter sind auch viele Aushilfen. Die meisten Stellen entstehen im Service, denn wir haben ja auch ein Restaurant. Gerade stecke ich mitten in Einstellungsgesprächen.

In der Karnevalszeit ist ganz Bonn aus dem Häuschen. Macht das GOP mit oder halten Sie eher als Oase für diejenigen dagegen, die keinen Karneval mögen.
Feirer: Da müssen wir Erfahrungen sammeln. Wir werden das sicher bei den Gästezahlen merken. In Bremen hatten wir schon einen Wagen beim traditionellen Freimarktsumzug. Vielleicht sind wir nächstes Jahr ja auch beim Rosenmontagszug dabei.

Im März beginnt der Kartenverkauf in einem eigenen Ticket-Shop gegenüber dem Beethoven-Haus.