Zum Weltfrauentag Diese starken Frauen kommen aus Bonn

Um die Jahrhundertwende: Wäscherinnen in Beuel.

Bonn. Ob Schriftstellerin, Sportlerin oder Komponistin - Bonn hat einige richtige Powerfrauen hervorgebracht, die ihre Heimatstadt und teils auch ganz Deutschland geprägt haben. Der GA stellt einige von ihnen kurz vor.

Am 8. März ist Weltfrauentag. Und auch in Bonn hat es einige wichtige Frauen gegeben, die die Geschichte ihrer Heimatstadt, aber auch die Geschichte der ganzen Republik geprägt haben. Ob als Wirtin, Schriftstellerin oder Gruppe von Wäscherinnen - diese in Bonn geborenen oder in Bonn wirkenden Frauen sollte man nicht nur am Weltfrauentag ehren.

Schriftstellerinnen setzen sich ein

Die am 11. April 1864 in Bonn geborene Johanna Elberskirchen war eine feministische Schriftstellerin. Sie setzte sich ihrerzeit für die Rechte von Frauen, Homosexuellen und Arbeitern ein. Über diese Themen schrieb sie Bücher und Zeitungsartikel. Aber auch Gewalt gegen Mädchen und Frauen, geschlechtsspezifische Erziehung und Mutterschaft sowie Heilkunde waren Inhalt ihrer Texte. Dazu war Elberskirchen in Bonn und später in Berlin in der sozialdemokratischen Bewegung aktiv.

Auch Annemarie Schimmel, eine deutsche Islamwissenschaftlerin, setzte sich für eine gute Sache ein. Die am 26. Januar 2003 in Bonn gestorbene Schimmel arbeitete für ein besseres Verständnis des Islams im Westen. Ihre Absicht war ein friedliches Miteinander von Muslimen und Nicht-Muslimen. Trotz Protestinitiative und starker Kritik wurde ihr 1995 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Schimmel veröffentlichte bis zu ihrem Tod über 100 Bücher, Artikel und wissenschaftliche Texte.

Annemarie Schimmel an ihrem 80. Geburtstag.

 

Die gebürtige Dresdenerin Karin Hempel-Soos flüchtete 1959 aus der DDR ins Rheinland. Seitdem sie 1960 nach Bonn gezogen war, war Hempel-Soos in der Frauenbewegung aktiv. Außerdem war sie ein Jahr lang Mitglied der SPD und kurz auch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Von dem 1977 eröffneten Bonner Frauenhaus ist sie Mitgründerin. Drei Jahre später fing Hempel-Soos dann an als Schriftstellerin und Journalistin unter dem Pseudonym Katherina Koslowsky zu arbeiten. Die Schriftstellerin galt als führende Persönlichkeit des Kulturlebens in Bonn und erhielt den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Einsatz im zweiten Weltkrieg

Am 6. Mai 1893 wurde Marie Kahle in der Nähe von Berlin geboren. 1917 heiratete sie den Bonner Professor für Orientalische Philogie Paul Kahle. Mit ihm und ihren fünf Söhnen zog sie nach dem ersten Weltkrieg 1923 nach Bonn. In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 halfen Marie Kahle und ihr ältester Sohn jüdischen Mitbürgern, die verfolgt wurden. Auch ihren jüdischen Nachbarn, deren Geschäft verwüstet wurde, half die Bonnerin beim Wiederaufrichten. Dort wurden sie von einem Polizisten beobachtet, der ihre Personalien aufnahm. Aufgrund der damals volksverräterischen Taten verlor der älteste Sohn seinen Studienplatz und ihr Mann seine Professur. Daraufhin musste die ganze Familie nach England flüchten.

Ihre Erlebnisse vom zweiten Weltkrieg hielt Marie Kahle in dem Bericht "What would yo have done" fest. Dieser wurde 1945 veröffentlicht. Zur Ehrung ihrer Taten erhielt die tapfere Helferin 2005 eine Abbildung ihres Kopfes auf dem Bonner "Walk of Fame".

Die musikalische und künstlerische Kultur Bonns

Marianne Pitzen - deutsche Künstlerin und Gründerin des weltweit ersten Frauenmuseums in Bonn. Die am 29. Mai 1948 in Stuttgart geborene Pitzen gründete in den 1970er Jahren die Galerie "Circulus" und zwei Jahre später mit ihrem Mann die Zeitschrift "Circular". Die Wanderaustellungen von Pitzen machten eine Reise durch Berlin, Zürich, Insbruck, Wien, Darmstadt und Saarbrücken. Zur gleichen Zeit gründete sie die Gruppen "Frauen formen ihre Stadt" und "Frau + Futura". 1981 gründete die Künstlerin dann das Frauenmuseum in Bonn und erhielt dafür das Bundesverdienstkreuz. Sie ist heute wie früher für die Konzepte und Organisation des Museums zuständig.

Marianne Pitzen als Leiterin des Frauenmuseums in Bonn.

 

Die deutsche Komponistin, Musikpädagogin und Schriftstellerin Johanna Kinkel wurde am 8. Juli 1810 in Bonn geboren. Mit ihrem Mann Gottfried Kinkel gründete sie den spätromantischen Dichterkreis "Maikäferbund". Als die bekannteste und bedeutendste Vertreterin der Bonner Mundartdichtung kämpfte Johanna Kinkel auch für die Frauenrechtsbewegung. In den Mittelpunkt des kulturellen Lebens in Bonn stellte sie sich vorallem mit ihrer Musik: Viele Konzerte und die Gründung und Leitung eines Gesangsverein begeisterten die Bewohner ihrer Heimatstadt.

Nicht nur unter Studenten in Bonn bekannt war die "Lindenwirtin". Aennchen Schumacher, am 22. Januar 1860 in Bonn geboren, gehörte die Leitung des "Gasthof zum Godesberg". Durch das Lied "Keinen Tropfen im Becher mehr" erhielt die Wirtin ihren Namen und der Gasthof seine Popularität. Es wurde dauerhaft im Gasthof gespielt und den Studenten beigebracht. Von da an kamen fast jeden Abend hunderte Studenten in den Gasthof. Die "Mutter der Studenten", wie Aennchen Schumacher getauft wurde, sammelte die gesungen Studentenlieder in dem "Ännchen Liederbuch" zusammen und veröffentlichte dieses. An ihrem 75. Geburtstag wurde sie zur Ehrenbürgerin von Bad Godesberg ernannt.

Aennchen Schuhmacher um 1878.

 

Karneval ist nicht nur was für Männer

Die Beueler Wäscherinnen waren zu ihrer Zeit im 19. Jahrhundert in den umliegenden Städten bekannt. Sie haben den Großteil der Wäsche der Region, darunter auch die der Stadt Köln, gewaschen. Die Männer der Beueler Wäscherinnen brachten am Donnerstag vor Karneval die Wäsche zurück nach Köln und feierten dort anschließend Karneval. Im Jahr 1824, als die Männer wieder einmal auf dem Weg nach Köln waren, setzten sich die Wäscherinnen zusammen und gründeten das Alte Beueler Damenkomitee e.V. In den darauf folgenden Jahren gab es an diesem Tag einen Festumzug und die Wieversitzung, an der keine Männer teilnehmen durften.

Das "Bröckeweibchen", eine Steinskulptur von einer schreienden Waschfrau, die mit einem Pantoffel in der Hand rumwedelt, gilt als Zeichen für das Feiern der Beueler Wäscherinnen. Die Skulptur steht mittlerweile an der Hochwasserschutzmauer in Höhe des Anlegers der Personenfähre.

Kaffee für den Deutschen Kaiser

Das jüdische Kaffeeunternehmen "A. Zuntz sel. Wwe" wurde nach dem Tod vom Gründer Nathan David Hess 1837 an seine Tochter Rachel Zuntz weitergegeben. Die 1787 in Bonn geborene Zuntz heiratete ihren Cousin Amsel Herz Zuntz, welcher jedoch kurz nach der Hochzeit starb. Ihr gemeinsamer Sohn Leopold half ihr aus dem geerbten Kaffee- und Kolonialgeschäft ein Kaffeeunternehmen zu gründen. Schon bald expandierte A. Zuntz sel. Wwe. von Bonn aus deutschlandweit ihren Kaffee. Einer der berühmtesten Abnehmer war der deutsche Kaiser Wilhelm I.. Rachel Zuntz starb 1874 in Bonn und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Schwarzrheindorf begraben.

Von der Rösterei an der Bonner Königstraße ist nur noch die Fassade erhalten, dahinter steht ein Neubau. Markenzeichen der Firma war ihr Name und die Dame mit dem Schutenhut.

 

Frauen in "Männerberufen"

Die deutsche Pilotin Rita Maiburg hat an der Luftfahrerschule in Bonn-Hangelar ihre Pilotenlizenz erworben. Daraufhin machte sie eine Ausbildung im nichttechnischen Betriebsdienst der Bundesanstalt für Flugsicherung in Bonn. Trotzdem weigerten sich die Bundesrepublik Deutschland und die Fluggesellschaft Lufthansa, Frauen als Piloten einzustellen. Die Deutsche Luftverkehrsgesellschaft (DLT) hingegen stellte die Bonnerin 1976 als weltweit erste weibliche Flugkapitänin im regulären Liniendienst ein. Jedoch wurden ihren Fluggästen zunächst verschwiegen, dass es sich um eine Pilotin im Cockpit handelte.

Auch die ehemalige SPD-Politikerin Heide Simonis war die erste und zu ihrer Amtszeit einzige Frau in ihrer Position. Die am 4. Juli 1943 in Bonn Geborene war von 1993 bis 2003 Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein und somit die erste Frau an der Spitze einer deutschen Landesregierung. Außerdem wurde sie zum Ehrenbürger des Bundeslandes Schleswig-Holsteins ernannt, auch hier wieder als erste Frau.

Die ehemalige Politikerin Heide Simonis wurde im Sommer 1943 in Bonn geboren.

 

Fußball war lange Zeit eine reine Männersportart - und wird heutzutage noch von vielen als diese angesehen. Doch die ehemalige deutsche Fußballerin Célia Sasic kann viele Titel aufweisen, von denen ihre männlichen Kollegen nur träumen: Die Bonnerin gewann zweimal die Europameisterschaft (2009 und 2013) und wurde 2015 Torschützenkönigin bei der Weltmeisterschaft, in der Champions-League und in der Bundesliga. Als krönenden Abschluss des erfolgreichen Jahres 2015 und ihrem Karriereende wurde Sasic zur Fußballerin des Jahres gewählt. Sie ist ein Vorbild vieler Nachwuchs-Spielerinnen und hat Bonn und ganz Deutschland gezeigt, dass Frauen auch Fußball spielen können.

Fußballerin Célia Sasic bei der Ehrung zur Fußballerin des Jahres.

Und an diese starken Frauen erinnern sich die GA-Leser:

  • Adelheid von Vilich
  • Luise Straus-Ernst
  • Sibylle Mertens-Schaafhausen

Es handelt sich hierbei um eine Auflistung an berühmten Frauen aus Bonn, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat oder objektiven Kriterien gefolgt wäre. Welche starken, berühmten oder wichtigen Frauen mit Bonn-Bezug haben wir vergessen? Schicken Sie uns eine E-Mail an online@ga-bonn.de.

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