Professionelle Täter

Diebe schlachten Porsche in Bonn aus

Im Schutz der Dunkelheit machen sich Autoknacker an den Fahrzeugen zu schaffen. Organisierte Banden aus Osteuropa haben es hauptsächlich auf Airbags und Navigationsgeräte abgesehen. FOTO: KAI REMMERS/DPA

Symbolfoto.

Bonn/Düsseldorf. Wertvolle Autos werden nicht nur gestohlen, sondern auch aufgebrochen, um Autoteile auszubauen. In Bonn-Endenich wurde am Mittwoch ein Porsche ausgeschlachtet.

Wertvolle Autos werden nicht nur gestohlen, sondern auch aufgebrochen, um an das Innenleben heranzukommen: Navis, Airbags, Kurvenlichter – und neuerdings auch Autositze werden ausgebaut. Aufgeklärt werden die Diebstähle meistens nicht.

Zuletzt haben Unbekannte am Mittwochabend auf der Regerstraße in Endenich die Seitenscheibe eines geparkten Porsche eingeschlagen und anschließend Airbags, Lenkrad und einen Frontscheinwerfer ausgebaut. Laut Bericht bemerkten Fußgänger das beschädigte Auto gegen 21.45 Uhr und alarmierten die Polizei.

Der Fahrzeughalter erklärte, dass er den Wagen gegen 20.55 Uhr unbeschädigt an der Straße abgestellt habe. Bislang ergaben sich keine Hinweise auf die Tatverdächtigen. Die Ermittler des Kriminalkommissariats 35 der Bonner Polizei bitten um Hinweise und suchen nach Zeugen.

Bei Autoeinbrüchen gehen die Täter häufig professionell vor - und machen auch vor Autositzen keinen Halt. Dass Autositze gestohlen werden, ist laut Polizei nicht ungewöhnlich. „Die Sitze sind wertvoll, können pro Stück ein paar Tausend Euro kosten“, sagt ein Sprecher der Polizei Düsseldorf. Die Landeshauptstadt hat besonders viele Autoeinbrüche zu verzeichnen. Deshalb geht man bei vielen Delikten von Auftragsarbeit aus.

„Häufig handelt es sich bei den Tätern um professionelle Diebesbanden aus Osteuropa, die gezielt für einige Tage nach Deutschland einreisen“, sagt Erich Rettinghaus, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) NRW, „um hochwertige Geräte wie Navis, Airbags, Kurvenlichter, Scheinwerfer und neuerdings Sitze aus Autos zu stehlen.“ Aber auch auf spezielle Kleinteile wie Schrauben, die es in keinem Baumarkt zu kaufen gebe, hätten es die Kriminellen abgesehen. Die Vorgehensweise der Banden sei seit Jahren fast immer gleich: Sie knacken die Autos nachts auf. Pro Aufbruch benötigen sie maximal eine Minute. Mit Spezialwerkzeug ziehen sie in Sekundenschnelle die fest montierten Geräte aus der Verankerung, oft durchtrennen sie dabei sämtliche Kabel – was den Schaden noch erhöht.

Meist belassen sie es außerdem nicht bei einem Aufbruch, sondern knacken mehrere Autos hintereinander in einem Viertel. „Sie werden in einer Art Ausbildungslager in ihrem Heimatland für die Aufbrüche geschult, und zwar so, dass sie die Geräte beim Ausbau nicht beschädigen“, sagt ein Polizeibeamter. „Dann werden sie von ihren Auftraggebern mit Stadtplänen nach Deutschland geschickt, auf denen Straßen mit vielen Luxusautos verzeichnet sind.“

Die gestohlenen Geräte werden gehortet und verpackt, bis sie in großen Stückzahlen mit Lieferwagen nach Osteuropa gebracht werden, wo sie dann auf Märkten verkauft werden. Aber auch auf hiesigen Trödelmärkten sollen die entwendeten Teile angeboten werden.