400 tote Tiere entfernt

Die wichtigsten Fragen zum Tiersterben in der Bonner Rheinaue

Bonn. Fast täglich werden am Rheinauensee tote Tiere eingesammelt oder geschwächte Tiere abtransportiert. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen zu den Entwicklungen in der Bonner Rheinaue.

In diesen Tagen sind Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün sowie Mitarbeiter des Tiernotrufs und der Tierrettung fast täglich in der Rheinaue vor Ort, um tote Tiere einzusammeln oder geschwächte Tiere abzutransportieren.

Wie viele Tiere sind bislang in der Rheinaue verendet?

Seit Mittwoch hat das Amt für Stadtgrün etwa 400 tote Tiere aus dem Rheinauensee entfernt. Darunter waren verschiedene Fischarten wie Aale, aber auch Enten und Nilgänse. Die meisten Tiere wurden um und auf der Vogelinsel gefunden. Für die Entsorgung der Kadaver ist Bonnorange zuständig.

Gab es bereits ähnliche Fälle in Bonn?

Im vergangenen Herbst wurden in der Rheinaue ebenfalls mehrere tote Tiere gefunden. Die Zahlen waren allerdings nicht so hoch wie in diesem Jahr.

Woran sterben die Tiere?

Die Stadt geht bislang davon aus, dass der Sauerstoffmangel in dem Gewässer – bedingt durch mehrere Faktoren – zum Sterben der Fische führt. Die Wasservögel verendeten hingegen an Botulismus. Den Giftstoff Botulin können Bakterien im Wasser ausbilden, der die Tiere so weit lähmt, dass sie schließlich bewegungsunfähig in Ufernähe ertrinken.

Was passiert mit den erkrankten Tieren?

Mitarbeiter des Tiernotrufs und der Tiernotrettung haben die erkrankten Tiere per Boot aufgesammelt und in Auffangstationen in der Umgebung gebracht. Dabei handelt es sich um Stationen in Much, Borken und Wegberg. Nach Auskunft der Stadt konnten am Montag zwei lebende Wasservögel zur Wildvogelauffangstation Bonn/ Rhein-Sieg des BUND gebracht werden. Die rund 40 Vögel wurden auf die Einrichtungen verteilt und werden derzeit behandelt. Einige sind nach Auskunft von Stefan Bröckling, Gründer des Düsseldorfer Tiernotrufs, gestorben. Sobald die Tiere gesund genug sind, sollen sie wieder in ihr Heimatgewässer ausgesetzt werden, sofern sich die Lage am Rheinauensee entspannt hat. Die gefundenen Jungtiere könnten auch umgesiedelt werden.

Was tut die Stadt gegen die Situation im See?

Am Wochenende haben Feuerwehrleute das Wasser mit mobilen Pumpen umgewälzt, um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen und die Bildung von toxischen Stoffen zu verhindern. Nach Einschätzung Bröcklings sei das zwar wirksam, allerdings keine Dauerlösung. Für den Einsatz habe sich die Stadt entschieden, „weil die Sonne am Samstag die Produktion organischer Ablagerungen und den Sauerstoffmangel mutmaßlich verstärkt hätte“, erklärte Stefanie Zießnitz aus dem Pressamt. In den kommenden Tagen soll eine Spezialfirma im Auftrag der Stadt Proben entnehmen, um die Wasserqualität zu überprüfen. Die Stadt stehe zudem in Absprachen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Ist die Ausbaggerung des Sees notwendig?

Mehrere Experten fordern die Ausbaggerung der Anlage. „Von alleine oder vermittels Gutachten wird sich der See nicht erholen“, sagt Wolfgang Hachtel, langjähriger Botaniker der Uni Bonn. Die noch lebenden Fische sollten entnommen, in ein anderes Gewässer umgesetzt, das Wasser komplett abgelassen sowie die Wasserpflanzen und der Faulschlamm ausgebaggert werden. 2012 wurde der Wasserstand des Sees herabgesetzt, um die Uferbereiche zu reinigen. Zum Vergleich: Auch der Poppelsdorfer Melb-Weiher der Uni wird alle 20 Jahre ausgebaggert, zuletzt im Jahr 2012. Um die Situation des Sees zu verbessern, gibt es laut Maximilian Weigend, Direktor der Botanischen Gärten, zwei Möglichkeiten: die Wasserversorgung stark zu erhöhen sowie Zu- und Abflüsse einzurichten oder die Nährstoffe, die durch Fütterungen schädlicherweise ins Wasser gelangen, einzuschränken. „Ein breiter Schilfgürtel könnte Nährstoffe bilden“, so Weigend.

Wann stellt die Stadt Hinweisschilder auf?

Die Stadt will an diesem Dienstag mit laminierten Hinweisschilder auf die Folgen von Fütterungen am See hinweisen. Spätestens in der kommenden Woche sollen richtige Schilder folgen.