Kommentar zum "Dicken-Pulli-Tag" in Bonn

Die harten Fakten zählen

Pullover 
könnten Mitarbeiter der Verwaltung am 7. Februar in den Amtsstuben wärmen.

Pullover 
könnten Mitarbeiter der Verwaltung am 7. Februar in den Amtsstuben wärmen.

Der Klimawandel ist nur zu bremsen, wenn alle bereit sind, umweltfreundlicher zu leben. Mit dem "Dicken-Pulli-Tag" setzt die Bonner Stadtverwaltung ein Zeichen. Doch es sollten mehr Taten folgen, meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Dicker-Pulli-Tag – klingt putzig, ist aber trotzdem keine Luftnummer. Natürlich rettet niemand das Klima, indem er einmal im Jahr die Heizung herunterdreht. Aber die Aktion, von einer engagierten Beuelerin für den 7. Februar ausgerufen, ist ein Anlass, über das eigene Verhalten nachzudenken.

Im Prinzip weiß jeder: Der Klimawandel ist nur zu bremsen, wenn wir alle bereit sind, unseren Alltag umweltfreundlicher zu leben, auch wenn es unbequem ist. Nur müssen wir öfter mal daran erinnert werden – und zwar nicht nur von den jungen „Fridays for Future“-Demonstranten.

Deshalb steht es der Stadtverwaltung gut zu Gesicht, im Februar die dicken Pullover auszupacken. Allerdings sollten dem symbolischen Akt mehr Taten folgen als bisher. Denn bei den harten Fakten ist die Kommune keineswegs das leuchtende Nachhaltigkeitsvorbild, das sie sein möchte. Ob Elektroautos im städtischen Fuhrpark, Solarzellen auf kommunalen Häusern oder fahrradfreundliche Straßen – in vielen Bereichen könnte Bonn schon viel weiter sein.

Noch viel schlimmer sind allerdings die vielen unsanierten Gebäude der Stadt. Ein krasses Beispiel: Die 50 Jahre alte Halle des Hardtbergbades befindet sich weitgehend im Originalzustand, und auch die Technik ist dieselbe wie in den 70er Jahren – wie viel Energie die Stadt deshalb beim Heizen im Winter verschwendet, kann man sich ausmalen.

Allein die in den nächsten Jahren geplante energetische Sanierung soll zusammen mit neuer Technik rund 15 Millionen Euro kosten. Das zeigt die finanzielle Dimension des Problems. Denn da wären noch all die anderen Stadtgebäude, die saniert werden müssen, weil die Kommune jahrzehntelang zu wenig investiert hat: vom Frankenbad über Stadthaus, Oper und Stadthalle bis zu Schulen und Kindergärten.

Schnelle Lösungen scheitern allerdings auch an den begrenzten Kapazitäten des Städtischen Gebäudemanagements. Hier muss die Kommune mehr Fachpersonal einstellen – das leider schwer zu bekommen ist. Es gibt dazu aber keine Alternative: Die nötigen Sanierungskredite werden nicht ewig so zinsgünstig bleiben, wie sie jetzt sind.